Theologin Katharina Jost: «Wir sind abhängig von der Gunst der Kleriker»

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Katharina Jost neben einer Figur der Mirjam im Pfarrhaus Dagmersellen. «Mirjam tanzte nach dem Durchzug des Volkes Israel durch das Rote Meer und schlug auf die Pauke», erklärt Theologin Katharina Jost. Bild: ben

Katharina Jost-Graf ist Theologin im Pastoralraum Hürntal in Dagmersellen. Für die 57-Jährige ist es eine von vielen ehrenamtlichen und beruflichen Aufgaben in ihrem Engagement für die katholische Kirche. In der reformierten Kirche wäre sie schon lange Pfarrerin. Doch Frauen sind in der römischen Kirche nach wie vor nicht gleichberechtigt und gelten trotz Studium als «Laien». 

Diesen und weitere grundlegende Missstände möchte Jost zusammen mit anderen Katholikinnen und Katholiken beheben. Frei nach dem Motto: Steter Tropfen höhlt den Stein. Die Vizepräsidentin des Schweizerischen Katholischen Frauenbunds (SKF) engagiert sich deshalb bei der Ende Januar gegründeten «Allianz Gleichwürdig Katholisch» (siehe Box). Das Kunstwort «gleichwürdig» meint, dass in der Kirche und überhaupt in der Gesellschaft allen Menschen die gleiche Würde zukommt. «Es gibt keine Hochwürden, nur Gleichwürden», sagt die Theologin. «Wir wollen uns mit der Allianz Gleichwürdig Katholisch in nächster Zeit in der ganzen Schweiz vernetzen», sagt Katharina Jost beim Gespräch im Pfarrhaus Dagmersellen, wo sie mit ihrer Familie lebt. Bisher seien vor allem Organisationen und Einzelpersonen aus der Deutschschweiz beigetreten. 

Sie wollen das vorherrschende Bild ändern 

Doch man wolle auch die anderen Landesteile ansprechen. Das sei eine Herausforderung, weil eine andere Sprache und Kultur auch andere kirchliche Mentalitäten bedeute. Ein Ziel der neuen Allianz sei es, die an vielen Orten gelebte Gleichwürdigkeit und die Vielfalt des kirchlichen Lebens in Pfarreien, Verbänden, Initiativen und Bewegungen aufzuzeigen. «Viele Leute sehen in der katholischen Kirche nur die amtskirchliche Struktur mit Priestern, Bischöfen und dem Papst. Doch das kirchliche Leben ist viel bunter.» Durch das vorherrschende Bild, zu dem auch die Missbrauchsskandale gehörten, die sie unter anderem auf die klerikale Struktur zurückführt, werde die positive Kraft der Kirche und des Evangeliums faktisch zugeschüttet. 

Katharina Jost hat zur Genüge erlebt, was es heisst, nicht «geweiht» zu sein und deshalb bestimmte Tätigkeiten wie Sakramente zu spenden oder Kinder zu taufen nur mit dem Segen der klerikalen Männerkirche ausführen zu dürfen. «Als junge Frau war ich nach meinem Theologiestudium Pfarreiseelsorgerin in Allschwil und die erst Frau, die im Kanton Baselland eine Pfarrei leitete. Da musste ich lernen, mich als Frau doppelt zu behaupten: in der Gesellschaft, welche gegenüber Frauen in Leitungspositionen immer noch gewisse Vorbehalte hatte und in der Amtskirche erst recht.» 

Kirchenrechtler sehen grösseren Spielraum 

In den 90er Jahren erteilte das Bistum Basel, zu dem Luzern gehört, allen Pfarreiseelsorgerinnen und -seelsorgern im Kanton Baselland die Tauferlaubnis. Dies, nachdem die Pastoralkonferenz, der Zusammenschluss aller Seelsorger und Seelsorgerinnen des Kantons Baselland, dies vehement gefordert hatte. «Heute ist das leider nicht mehr so», sagt Katharina Jost. «Wir haben Kontakt mit Kirchenrechtlern», sagt Jost, «sie sagen uns, dass der Spielraum des Kirchenrechts auch jetzt schon grösser wäre, aber nicht ausgeschöpft wird. Wenn die Bischöfe zustimmen würden, wäre schon jetzt mehr möglich», fügt sie hinzu. 

Die katholische Theologin betont, dass die neue Allianz keine Gegenbewegung ist. «Wir wollen mit der Amtskirche zusammenarbeiten und mit ihr zusammen eine glaubwürdige Kirche aufbauen.» In einigen Fragen habe man keine Differenzen zu gewissen Bischöfen. Aber man sei immer abhängig von der Gunst der Kleriker - und dies sei in keiner Weise gleichwürdig und gleichberechtigt. 

Neue Reformbewegung 

Die «Allianz Gleichwürdig Katholisch» ist eine Reformbewegung. Reformorientierte Organisationen, Projekte, Initiativen, Pfarreien und Einzelpersonen der katholischen Kirche in der Schweiz können sich ihr anschliessen. An der konstituierenden Sitzung vom 25. Januar nahmen 35 Vertreterinnen und Vertreter aus katholischen Organisationen und Initiativen sowie interessierte Einzelpersonen teil. Die Bewegung hat sich als Grundsatz und Ziel den Leitspruch «Gleiche Würde, gleiche Rechte in der Katholischen Kirche und in der Welt» auf die Fahne geschrieben. Eines ihrer Ziele ist, Organisationen, Pfarreien und Initiativen, die «gleichberechtigt, glaubwürdig und solidarisch» arbeiten und leben, mehr Sichtbarkeit zu verschaffen und ihren Bekanntheitsgrad zu steigern. Zur Trägerschaft gehören Jubla Jungwacht und Blauring Schweiz, KAB Schweiz, die Christliche Sozialbewegung und der SKF Schweizerischer Katholischer Frauenbund. Die Aufnahme weiterer Trägerorganisationen ist möglich und erwünscht. Ein erstes Ziel der Allianz ist es, eine Stelle zu schaffen. Ebenfalls ist eine Webseite geplant. 

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