Hans Rudolf Sägesser zur Wiggertalstrasse: «Diese Gelegenheit ist einmalig»

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Am 4. März stimmt Rothrist über den 3. Abschnitt der Wiggertalstrasse ab. (Bild: zvg)

Rothrist führt am Donnerstag, 4. März, eine ausserordentliche Gemeindeversammlung durch. Thema ist der Abschnitt Nord der Wiggertalstrasse. Der Souverän soll einen Kredit von 10,724 Millionen Franken sprechen, um das Projekt zu ermöglichen. Bereits im Vorfeld wird im Dorf gegen das Projekt Stimmung gemacht. Der Rothrister Gemeinderat Hans Rudolf Sägesser nimmt Stellung zu Vorwürfen.

Herr Sägesser, weshalb führen Sie eine Gemeindeversammlung und keine Urnenabstimmung durch?

Hans Rudolf Sägesser: Im November führten wir bereits eine Gemeindeversammlung durch und erhielten sehr viel positives Feedback dazu, dass wir den Schritt gewagt haben. Zudem erlaubt eine Gemeindeversammlung – anstelle einer Urnenabstimmung – die Diskussion am Anlass selbst.

Weshalb gibt es im Vorfeld nur zwei Info-Anlässe für je 50 Personen und nicht etwa einen Livestream?

Wir haben schlicht keine Erfahrung mit Livestreams. Dafür führen wir zwei Info-Veranstaltungen durch, haben sämtliches Material auf unsere Website hochgeladen und die Bevölkerung kann telefonisch einen Termin bei der Bauverwaltung abmachen, das gesamte Material sichten und direkt dort Fragen stellen.

Also unternehmen Sie einiges, um die Bevölkerung zu informieren. Die Zeit ist aber knapp.

Genau. Der Zeitraum ist zwar knapp, aber im gesetzlichen Rahmen. Mit der Website, den Info-Anlässen und dem Termin auf der Bauverwaltung bieten wir zudem enorm viele Plattformen, um sich zu informieren. So transparent und umfassend gab es das in Rothrist noch nie.

Kommen wir auf das Projekt zu sprechen: Die Gemeinde wolle so hinterrücks die «Wiggermatte» umzonen und erschliessen.

Diesen Vorwurf muss ich entschieden zurückweisen. Wir fanden einen Brief von 1967, in dem der damalige Gemeinderat den Regierungsrat bittet, den Bau der Bornlinie mit der Wiggertalstrasse zu koordinieren. Nachdem das Projekt «Wigger Village» in Aarburg nicht zu Stande kam – die Wiggertalstrasse wäre dann nördlich der Wigger auf Aarburger Boden verlaufen, die Gemeinde hat sich aber aus dem spruchreifen Projekt mit geplantem Aareübergang verabschiedet und es blockiert –, nahm sich Rothrist dann etwa 2008 des Projekts an. Seit 2013 ist es fest im Finanzplan der Gemeinde. Von «hinterrücks» kann also nicht die Rede sein.

Dennoch wird die «Wiggermatte» umgezont, erschlossen und zubetoniert.

Ja, die Strasse würde dort gebaut werden. Und ja, es würde eine Gewerbefläche entstehen. Allerdings muss beachtet werden, dass dies nur im flächengleichen Abtausch mit einem anderen Gebiet möglich ist. Das Oberwilerfeld – die heutige Kiesgrube – wird aufgefüllt, renaturiert und zur Landwirtschaftszone. Zudem: Durch den verbesserten Standort der Arbeitszone in der «Wiggermatte» gibt es bereits weniger Verkehr durch das Dorf.

Ein Ziel, welches auch die flankierenden Massnahmen, die einen Grossteil der Projektsumme ausmachen, verfolgen.

Fast richtig, im jetzigen Projektstand machen die flankierenden Massnahmen im Dorf etwas weniger als die Hälfte der Gesamtkosten aus.

Sind die flankierenden Massnahmen absolute Luxusausführungen, wie manche sagen?

Nein, ganz und gar nicht. Wir erhalten mit dem Projekt die einmalige Gelegenheit, heute auf den Durchgangsverkehr von morgen Einfluss zu nehmen. Wir können zwischen dem Sennhof-Zentrum und dem «Rössli» eine verkehrsberuhigte Kernzone schaffen, in der unter anderem Cafés, Restaurants, Arztpraxen und eine Privatklinik liegen. Diese Gelegenheit ist einmalig. Ausserdem ist die Bernstrasse, also die Kantonsstrasse in dem Gebiet, teilweise in desolatem Zustand. Durch das Projekt wird dort quasi eine neue Strasse gebaut, die dann in den Besitz der Gemeinde übergeht.

Tönt schön und gut. Wer aber weiter nach Murgenthal will, umfährt doch die potentiellen Staus im Gebiet Rishalden und fährt weiterhin durch die neue Kernzone. Bringt das Projekt den Rothristern also überhaupt etwas?

Erstens wird die Kernzone für den Durchgangsverkehr sehr unattraktiv gestaltet. Sie soll lediglich als Zufahrt zu den Geschäften dienen. So können wir – wie bereits gesagt – heute Einfluss auf den Durchgangsverkehr von morgen nehmen. Besonders, falls das Lidl-Verteilzentrum in Roggwil doch zustande kommt, ist das wichtig. Zweitens haben Messungen ergeben, dass der Verkehr am Aeschwuhrweg nach Inbetriebnahme des zweiten Abschnitts um 36 Prozent zurückgegangen ist. An der Sägetstrasse waren es gar 52 Prozent. Drittens zeigt ein externer Experte an den Info-Anlässen Ideen des Astra und des Kantons auf, wie Staus bei den drei Kreiseln so gut wie möglich verhindert werden.

Nach dem Neubau der Badi und der drei neuen Schulhäuser sowie der Sanierung des Bezirksschulhauses sind 10,427 Mio. ein grosser Brocken. Steigen deshalb die Steuern?

Seit ich im Amt bin, sagen wir an jeder Budget- und Rechnungsgmeind, dass es ein gutes Jahr war und die Steuern deshalb aktuell nicht steigen. Wir sagen aber auch, dass sich das ändern kann. Ändert es sich nun, liegt es nicht an diesem Projekt alleine.

Dennoch sind die 10,47 Millionen ein happiger Betrag.

Das ist so. Allerdings müssen hier mehrere Sachen betrachtet werden: Da der zugesagte Beitrag aus dem Agglomerationsprogramm erst nach der Bauabrechnung ausbezahlt wird und die vorgesehene Revision der Aargauer Strassengesetzgebung vom 1. Januar 2022 noch nicht rechtsgültig ist, lautet der Kreditantrag über den heute gültigen Gemeindeanteil von 10,724 Millionen. Unter dem Strich bleibt voraussichtlich am Schluss ein Betrag von «nur» 6,1 Millionen Franken übrig. Weiter ist dieses Projekt das letzte für eine lange Zeit. Lediglich der neue Aareübergang, der wohl irgendwann im Gebiet Rishalden kommt, steht noch an. Für den Übergang tragen aber die Kantone die Kosten, wir müssen ihn nur im Hinterkopf haben. Zum Schluss: Ist das Projekt gebaut, dann haben wir jahrzehntelang nichts damit zu tun.

Was passiert, wenn das Projekt abgelehnt wird?

Dann haben wir für mindestens zehn Jahre den Status quo: Es wird nichts gemacht und der Durchgangsverkehr nimmt weiter zu. Zudem bleibt die Bernstrasse im Besitz des Kantons, der irgendwann kommen kann und sagt: «So, jetzt wird diese Strasse renoviert.» Es ist noch wichtig zu sagen, dass am 4. März lediglich über den Kredit abgestimmt wird. Einwände wie beispielsweise: «Der Kurvenradius beim Möbel Hubacher sollte um fünf Grad optimiert werden», gehören da nicht hin. Das wäre dann Teil der öffentlichen Auflage des Bauprojekts, bei dem jeder, der dazu berechtigt ist, Einsprache erheben kann. Damit das nicht passiert, sind wir bereits im Gespräch mit Anwohnern und Landbesitzern.

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«Unter dem Strich bleibt voraussichtlich am Schluss ein Betrag von ‹nur› 6,1 MillionenFranken übrig.» Hans Rudolf Sägesser, Gemeinderat Rothrist
Ihr Eintrag wird nach einer Überprüfung online gestellt.

Ein klares NEIN...

Holzwurm
schrieb am 22.02.2021 19:18
...so wird es auch Gewinner und Verlierer geben, aber aus meiner Sicht muss die Wiggertalstrasse (3. Etappe) entlang der Wigger verlängert und bis auf Oltner Seite, mit neuem Übergang beim alten Maschinenhaus, geführt werden. Wegen dem Auenschutz wird in der Rishalde ein neuer Übergang (hoffentlich) nie realisiert werden können! Wenn der Rothrister Steuerfuss nicht erhöht werden muss, mit einem solchen Schuldenberg können die Steuerzahler von einer (zumindest mittelfristigen) Reduktion auch nur noch träumen. Da ist mir der Status quo doch noch lieber, ein Nein kein grosses Unglück, sondern die einmalige Chance nach einer besseren Lösung zu suchen. Vielleicht findet sich ja auch in einer der unteren Schubladen noch ein längst vergessenes Projekt. In 10 Jahren arbeiten die Meisten im Homeoffice, werden Güter mit Cargo-sous-terrain transportiert und ist jedes Auto mit Wasserstoff oder Elektrisch unterwegs... sagt man.

Hochbrücke

Marcel Flury
schrieb am 22.02.2021 15:16
Schade wurde damals bei der Renaturierung der Wigger vorher keine Hochbrücke gebaut, die Pfeiler im Bach. An der ARA vorbei und schon ist man bei der Autobahneinfahrt nach Bern. Die Mehrkosten hätte man Wettgemacht mit dem Landverlust.
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