Tipps fürs Homeoffice: «Nie mit dem Rücken zum Raum sitzen» – MIT VIDEO

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Kornelia Milin ist Architektin und Innenarchitektin und weiss, wie der Arbeitsplatz zu Hause optimal eingerichtet werden kann. (Bild: Lilly-Anne Brugger)

Was ist besser im Homeoffice: Ein Schreibtisch im Schlafzimmer oder der Küchentisch?

Kornelia Milin: Ja nicht im Schlafzimmer! Wohnräume sind energetisch in aktive und passive Bereiche unterteilt. Küche, Wohnzimmer, Esszimmer sind aktive Bereiche. Das Schlafzimmer ist die Ruheoase, da will man sich entspannen. Alles, was einen Bildschirm hat, gehört definitiv nicht ins Schlafzimmer.

Auch kein Fernseher?

Kein Fernseher, kein Handy, kein iPad, keine digitalen Wecker. Auch wenn die Geräte ausgeschaltet sind, strahlen sei weiter, es hat weiterhin Elektrosmog- und Wireless-Strahlung.

Somit ist der Küchentisch die richtige Wahl?

Nein, der Küchentisch ist auch keine Option. Wenn es aber wirklich nicht anders geht, dann ist das besser als das Schlafzimmer. In der Küche wird zwar auch gearbeitet, aber nicht berufsmässig. Die Küche ist mit Wärme, mit Nahrung verbunden. Hier ernähren wir unseren Körper und unsere Familie.

Wo ist dann der optimale Platz fürs Homeoffice?

In einem separaten Raum. Eine Option ist eine Ecke im Wohnbereich, im Esszimmer. Beispielsweise so wie bei mir mit einem leicht schräg gestellten Tisch, mit dem Rücken zur Wand und mit dem Blick zu Türe und Fenster. So kann sich die Raumenergie entfalten und ich habe mehr Bewegungsfreiheit. Auf keinen Fall aber mit dem Rücken zum Raum sitzen. Niemand hat es gerne, wenn in seinem Rücken hin- und hergelaufen wird. So fühlt man sich unsicher und kontrolliert.

Sicherheit gibt somit ein Platz mit Rücken zur Wand?

Genau. Wenn das nicht geht, kann mit einem Möbelstück oder einer Pflanze eine Nische geschaffen werden. Auch hier gilt: Bitte nicht den Fernseher im Rücken platzieren. So fühlt man sich wie im Sandwich: Auf einer Seite ist der Computer, auf der anderen der Fernseher. Wenn im Homeoffice auch kleine Kinder oder andere Personen sind, ist es wichtig, sich abzuschirmen. So dass man nicht ständig Augenkontakt hat. Sonst ist die Ablenkung enorm und man kann sich fast nicht konzentrieren.

Ihr Arbeitsplatz im Homeoffice ist so perfekt?

Ja, denn ich habe Blick zum Fenster, sitze aber nicht direkt vor dem Fenster. Wenn der Tisch direkt vor dem Fenster steht, würde das ablenken. Mit dem Tisch an der Wand hätte ich das Gefühl, ein Brett vor dem Kopf zu haben. Man stösst mit dem Kopf an die Wand, kommt nicht weiter. Mir stehen die Haare zu Berge, wenn ich die Pläne sehe, in denen der Tisch in den Kinderzimmern an die Wand gestellt wird.

Der Tisch mitten im Raum braucht eben viel Platz.

Ja, mit dem Tisch an der Wand scheint der Raum grösser, das sind die Tricks der Architektur. Wenn ich den Tisch einen Meter von der Wand wegstelle, ist das psychologisch ganz anders. Es ist motivierender in den Raum zu sehen, als zur Wand. Der Rücken hat einen Halt und die Lichtverhältnisse sind viel besser. Muss der Tisch trotz allem an der Wand stehen, kann man sich mit Tricks helfen: Bilder aufhängen. Wichtig ist, dass das Bild Weite zeigt und motivierend ist; kein Ferienbild, sondern etwas, das man erreichen will. So hat man sein berufliches Ziel gleich vor Augen. Für Kinder könnte man etwas aufhängen, das ihnen Freude macht. Sporttrophäen beispielsweise.

Mit Corona steigt die Tendenz, sich das Zuhause schön einzurichten.

Schon. Doch die Geschäfte sind im Moment geschlossen. Wenn man etwas neu kauft, kauft man blind ein. Der Kunde weiss beispielsweise nicht, wie die Sitzhöhe oder Sitztiefe eines Sofas ist und ob der Härtegrad zu seiner Körpergrösse und seiner Gesundheit passt. Über 30 Jahre im Beruf haben mir gezeigt, dass es für viele nicht einfach ist, sich einen Raum fertig eingerichtet vorzustellen. Für 80 Prozent der Menschen ist es schon schwierig, sich ein beiges Sofa in Rot oder im Verhältnis von Raum zu Möbel vorzustellen.

Haben Sie mehr Kundenanfragen als vor der Corona-Krise?

Jein. Ich stelle fest – genauso wie auch Kolleginnen – dass Anfragen im Moment vor allem über das Beziehungsnetz reinkommen. Fremde Klienten kann ich im Moment fast nicht erreichen. Viele scheuen den Kontakt. Eigentlich schade, denn genau jetzt sind wir als Experten gefragt.

Wenn Sie eine Anfrage eines Kunden haben, ein Homeoffice einzurichten, wie gehen Sie vor?

Meine erste Aufgabe ist, gut zuhören. Was sind die Bedürfnisse? Ist dem Klienten bewusst, was er will? Ich brauche den Grundriss, am besten des ganzen Hauses oder der Wohnung. So könnte auch beim Zugang zum Homeoffice etwas korrigiert werden. Vor Ort sehe ich, was schon da ist. Oder ich mache mir ein Bild über Videokonferenz oder mit Fotos. Ist der Arbeitsplatz für eine oder für zwei Personen? Wenn beide Telefonkonferenzen haben, sind zwei Räume fast zwingend. Da muss man kreativ sein, um eine Lösung zu finden, damit einer nicht auf dem Bett sitzt mit dem Laptop auf den Knien.

Bei kleinen Wohnungen ist eine gute Lösung nicht einfach.

Ja, das ist sehr problematisch. Da muss dann wirklich einer im Wohn- oder Esszimmer und einer in der Küche verschwinden. Schwierig wird es bei einem offenen Raumkonzept. Sehr wichtig ist: Klar miteinander kommunizieren. Und Ordnung schaffen. Damit alle wissen: Jetzt ist Ruhe. Die Tendenz ist, dass viele, die kleinere Wohnungen hatten, nun grössere Wohnungen suchen.

Umgekehrt betrachtet: Was geht gar nicht im Homeoffice?

Erstens: Wireless, Funkverbindungen. Der eigenen Gesundheit zuliebe sollte auf Wireless verzichtet werden. Daher so viel wie möglich verkabeln. Zweitens: Mit dem Rücken zum Raum sitzen. So kann man sich nicht konzentrieren. Und drittens: Nicht an sich arbeiten. Man muss selber Ordnung schaffen, sich die Zeiten suchen, in denen es ruhig ist, in denen man gut arbeiten kann. Ich kann energetisch den Raum verändern, damit der Sitzplatz stimmt, der Tisch richtig steht, das Licht optimal ist, die Farben und Materialien den Bedürfnissen entsprechen. Damit erschaffe ich eine optimale Arbeitsatmosphäre. Aber den Menschen kann ich nicht beeinflussen. Sie können ein traumhaft schönes Haus haben, wenn die Menschen nicht an sich selber arbeiten, funktioniert Homeoffice und vieles andere nicht.

Zur Person

Kornelia Milin (58) ist in Kroatien aufgewachsen, hat dort studiert und ist im Rahmen eines internationalen Wettbewerbs 1987 in die Schweiz gekommen. Sie ist selbstständige Architektin und Innenarchitektin. Bereits während des Studiums hat sie sich mit Feng-Shui beschäftigt und später die entsprechende Weiterbildung absolviert. Sie ist Mitgründerin und Vizepräsidentin des Feng Shui Berufsverbandes Schweiz und hat ein grosses Fachwissen in den Bereichen Baubiologie, Elektrosmog, Radiästhesie und Einrichtung eines Arbeitsplatzes.

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Geschlossene Regale bringen Ruhe ins Homeoffice. (Bild: zvg)
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