Ein märchenhaftes, brutal leckeres Dessert

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Der Wolf frisst eine Grossmutter und ein Mädchen. Oder er wird aufgeschlitzt, mit Steinen gefüllt und muss im Brunnen ersaufen. Ein vergifteter Apfel wird zur Mordwaffe. Märchen sind grausam. Aber das wahre Leben kann viel grausamer sein, wenn es ums Essen geht.

Es war einmal ein neuer Sushi-Take-away in einem beschaulichen Ort an einem grünen Fluss. Per Telefon gab ich dem Manne am anderen Ende der Leitung unsere Bestellung durch. Er gelobte, unsere Wünsche zu erfüllen, wenn die Sonne an jenem Tage den höchsten Stand erreicht hatte.

Mit leichtem Herzen und frei von Last setzten wir uns zu Tische und genossen, jeder von seinem Tellerchen, die auf Klebreis drapierten Fischstücke. Ein wahrhaft königliches Mahl. Dazu schlürften wir aus kleinen Kelchen Schwarztee. Obwohl wir so satt waren, dass wir kein Blatt mehr mochten, gönnten wir uns eine Nachspeise: Matcha Mochi und Kokos Mochi, Reisküchlein, gefüllt mit Glace.

Die Häppchen, vier auf einen Streich, vergingen auf der Zunge. Ob wir die wie von Zauberhand geschaffenen Süssigkeiten auch selbst zubereiten könnten? Wir fragten – sorry, Modernes kommt eigentlich nicht vor in Märchen – das Smartphone. Da war sie wieder, die Märli-Brutalität. Für ein Mochi wird Klebreis stundenlang mit einem riesigen Holzhammer geklopft. Guter Mochi-Teig braucht 300 harte Schläge, ehe man ihn zu Bällchen rollt. Diese füllt man und legt die guten ins Töpfchen, die schlechten formt man nochmal.

Unter dem Rezept steht, dass die Reisbällchen in Japan zum Neujahr besonders beliebt sind, obwohl sie eine Gefahr für Leib und Leben seien. 2019 mussten 11 Japaner wegen Mochis ins Krankenhaus, einer starb. 2018 gab es gar zwei Mochi-Tote. Meist ersticken ältere Leute an einem Mochi, weil es ihnen in der Kehle stecken bleibt. Von 2006 bis 2009 schieden im Schnitt jährlich sechs Menschen wegen Mochis dahin. Dass 2001 eine Maid ihrem Greisenvater ein Reisbällchen mit dem Staubsauger aus dem Hals gesaugt und ihm so das Leben gerettet haben soll, tönt sagenhaft schräg.

Doch wie im Märchen siegt bei den Mochis das Gute. Die Zahl der Reisbällchen-Toten ist rückläufig. Womöglich dank Merkblättern, die die Feuerwehr herausgibt. Und die Moral von der Geschicht: Man prüfe, was man esse und kaue gut. Und wenn sie nicht gestorben sind, mampfen sie noch heute – trotz allem lieber Sushi und Mochi als Steine.

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