Corona-Lüftungsanlage im Schulzimmer statt Fenster öffnen

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Lüftungsanlage statt alle 20 Minuten die Fenster öffnen: Links in der Ecke steht das Gerät von Zehnder, das im Januar im Testbetrieb in einem Schulzimmer in Oberentfelden lief. Bild: Zehnder Group/zvg

Die Zehnder Group mit Sitz in Gränichen bezeichnet sich als international führenden Anbieter von Gesamtlösungen für ein gesundes Raumklima – dieses Thema geriet im letzten Jahr wegen der Coronakrise stark in den Fokus. Die Übertragung des ­Virus durch Aerosole in Innenräumen, zum Beispiel in Grossraumbüros oder Schulzimmern, ist ein grosses und bisher ungelöstes Problem. Die Zehnder Group konzentriere sich bei ihren Lüftungsanlagen zwar auf Luftaustausch sowie Temperatur- und Feuchtigkeitskontrolle, sagte CEO Matthias Huenerwadel an der digital durchgeführten Jahresmedienkonferenz. «Wir sind auch der Meinung, dass der regelmässige Luftaustausch am meisten bringt, mit unseren Geräten ist der Effekt gleich wie bei regelmässigem Fensteröffnen. Aber wir verfügen auch über die Technologie für die Luftfilterung», betonte CEO Huenerwadel.

Coronalüftung in Schulen: Entscheide dauern lange

Derzeit ist an der Schule Oberentfelden ein Lüftungsgerät von Zehnder im Testbetrieb im Einsatz. Kurzfristig dürfte das Unternehmen mit solchen Systemen gegen Corona-Aerosole indes keinen grossen Gewinn machen. «Das Schulsystem in der Schweiz und in Deutschland ist sehr föderalistisch organisiert, deshalb dauern Entscheidungen ziemlich lange», sagte der CEO. Zudem sei die Konkurrenz durch andere Hersteller von Luftfiltern beträchtlich. Das gestiegene Bewusstsein für ein sauberes, gesundes und komfortables Innenraumklima dürfte das weitere Wachstum der Gruppe allerdings begünstigen – das erwartet zumindest der Firmenchef von Zehnder.

Trotz der Coronapandemie lief das Jahr 2020 für Zehnder gut: Der Reingewinn stieg im Vergleich zum Vorjahr um 25 Prozent und betrug 40 Mio. Euro. Zudem steigerte das Unternehmen die Ebit-Marge von 6,5 auf 8,2 Prozent. Gesunken ist hingegen der Umsatz, der sich um vier Prozent reduzierte und noch bei 619 Mio. Euro lag. Dies war laut Finanzchef René Grieder möglich, weil Zehnder rasch Massnahmen zur Bewältigung der Coronakrise ergriffen und ein Programm zur Erhöhung der Profitabilität gestartet habe. Bereits im April 2020 entschied die Generalversammlung, die Dividende für die Aktionäre zu kürzen: Statt der vorgesehenen Erhöhung der Ausschüttung von 80 Rappen auf 1 Franken pro Aktie, wurde diese auf 70 Rappen gesenkt.

Dividende wird erhöht, Aktienrückkauf geplant

Ausserdem entschieden der Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung der Zehnder Group damals, ihre Saläre für sechs Monate um 10 Prozent zu kürzen. Überdies reduzierte das Unternehmen die Zahl der Temporärangestellten, baute Ferien- und Überzeitguthaben der Mitarbeiter ab und setzte an einigen Standorten auch auf Kurzarbeit. «Damit haben wir das Ziel erreicht, genügend Geld im Unternehmen zu halten, um die Krise zu bewältigen», sagte Grieder.

Für das Jahr 2020 sollen die Zehnder-Aktionäre eine deutlich höhere Dividende erhalten: 1.25 Franken pro Aktie beantragt der Verwaltungsrat. «Das ist keine Kompensation für das vergangene Jahr mit der gesenkten Dividende, sondern liegt im üblichen Rahmen unserer Ausschüttungspolitik», erläuterte Grieder auf Nachfrage. Diese sieht vor, zwischen 30 und 50 Prozent des konsolidierten Reingewinns an die Aktionäre auszuzahlen. Zudem will der Verwaltungsrat ein Aktienrückkaufprogramm für bis zu 5 Prozent der Namenaktien lancieren. Damit könne eine nachhaltige Verdichtung des Gewinns pro Aktie erzielt werden, teilt die Zehnder Group mit.

Umsatz: Lüftungen jetzt wichtiger als Heizungen

Der Ursprung von Zehnder liegt im Heizungssektor, inzwischen machen Lüftungen mit 52 Prozent aber den grösseren Anteil am Gesamtumsatz aus. 84 Prozent davon erzielte Zehnder in Europa, der Umsatz hier reduzierte sich von 531 auf 517 Mio. Franken. Positiv entwickelten sich in Europa die Verkäufe von Wohnungslüftungen, Wärmetauschern und Luftrei-nigungsgeräten. Gesunken sind die Umsätze bei Radiatoren sowie Heiz- und Kühldecken. «Drei sehr wichtige Märkte – Frankreich, Italien und Grossbritannien – waren überdurchschnittlich stark von Corona betroffen», sagte Huenerwadel. In Nordamerika und China, wo letztes Jahr eine neue Fabrik für Lüftungsgeräte in Betrieb genommen wurde, machte Zehnder 16 Prozent seines Gesamt­umsatzes. Dieser reduzierte sich im Vergleich zum Vorjahr von 113 auf 100 Mio. Franken. Weltweit beschäftigt das Unternehmen rund 3300 Angestellte, am Stammsitz in Gränichen arbeiten rund 300 Personen, also noch knapp 10 Prozent der gesamten Belegschaft.

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