Wenn der deutsche Grenzgänger zum Päckli-Pöstler wird

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Simon Kühn betreibt in Bad Säckingen einen Paketshop. Zvg / Aargauer Zeitung

«Inzwischen spricht sich das immer mehr unter meinen Schweizer Kollegen herum», sagt ein Grenzgänger aus dem Südschwarzwald. Er arbeitet in einem solothurnischen Unternehmen und überquert auf dem Weg dorthin bei Bad Säckingen-Stein täglich die Grenze. Seinen Namen möchte er nicht nennen aus Angst vor möglichen negativen Konsequenzen seines Tuns. «Im Moment befördere ich rund zehn Pakete pro Woche», berichtet er.

Verzweifelte Schweizer, die auf ihre Bestellungen warten

Seine Kollegen, die aufgrund der Corona-Einreisebeschränkungen ihre Sendungen nicht selbst in Deutschland abholen können, seien froh um den Service. «Die brauchen die Sachen zum Teil sehr dringend, sind oft verzweifelt», berichtet der Deutsche, der für Abholung und Transport keine Gegenleistung verlange. «Ich mache das aus Solidarität in der Coronakrise und auch nur für Leute, denen ich voll vertrauen kann», sagt er. Und: «Ich weiss immer, was sich im Paket befindet und wie viel es wert ist.» Am Zoll kontrolliert worden sei er «so gut wie noch nie». Und alles habe bisher gut in den Kofferraum gepasst.

Der Grenzgänger ist bei My Paketshop in Bad Säckingen als bevollmächtigter Abholer von Sendungen registriert – und ist als solcher bei weitem nicht der einzige. Inhaber Simon Kühn berichtet:

«Aktuell wird bei uns jedes dritte Päckli von einem bevollmächtigten Grenzgänger abgeholt.»

Kühn weiter: «Wir sehen das an den Adressen der bevollmächtigten Personen und an den vielen LÖ- und WT-Kennzeichen auf unserem Parkplatz.» Wenn die deutschen Grenzgänger nicht in die Bresche sprängen und sich als Paketboten betätigten, wäre bei Kühn noch weniger los als ohnehin schon:

«Im Februar 2021 habe ich mehr als 80 Prozent weniger Abholungen als im Februar 2020. Bei den Einsendungen sind es 72 Prozent weniger geworden.»

Trotz dieses Einbruchs wurden im Februar bei Kühn noch immer 1200 Abholungen getätigt - bei einem Anteil von einem Drittel entfallen also rund 400 auf Grenzgänger. Wenn diese auf ihrem Arbeitsweg in die Schweiz das eine oder andere Paket für einen Schweizer Empfänger mitnehmen und aushändigen, sieht Kühn darin kein Problem. Gewerblich und damit nicht erlaubt, wäre es, wenn sich die Grenzgänger für den Service bezahlen liessen oder sich gar ein Business daraus machten.

Davon, dass vermutlich nicht alle Grenzgänger das ganz uneigennützig tun, geht auch Kühn aus. Aber dass es jemand im grossen Stil betreibt, womöglich eigens einen Lieferwagen dafür nutzt, könne er sich nicht vorstellen, sagt er. Mitunter seien die Leute befreundet, verwandt oder Arbeitskollegen.

Grenzpaket-Shop warnt vor Problemen

My Paketshop ist einer von vielen Päcklishops entlang der deutsch-schweizerischen Grenze. Die Kette Grenzpaket.ch ist ein weiterer Anbieter, auch in Bad Säckingen mit einer Niederlassung präsent. Inhaber Ingo Kurtz warnt indes Grenzgänger davor, im Auftrag von Schweizern Pakete über die Grenze zu bringen. Er sagt:

«Das ist ein heisses Eisen, da kann man böse reinfallen.»

Der Kurier könnte Probleme am Zoll bekommen, wenn sich im Paket beispielsweise Waren befinden, deren Einfuhr verboten ist. Ärger wäre vorprogrammiert, wenn der Auftraggeber beim Warenwert falsche Angaben gemacht hat und in Wirklichkeit Mehrwertsteuer und Zollabgaben fällig sind. So rät Kurtz Grenzgängern, die als Paketboten tätig werden wollen, sich zuvor über den Inhalt der Sendung zu informieren und stets eine Rechnungskopie einzufordern.

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