Selbst wenn die Taskforce einen Maulkorb bekäme: Die Wissenschaft behält ihre Stimme

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Da war die Wissenschaft am Tisch noch erwünscht: Taskforce-Präsident Martin Ackermann an einer Medienkonferenz im November. Bild:Keystone

Als der erste Präsident der wissenschaftlichen Corona-Taskforce, Matthias Egger, Ende Juli letzten Jahres zurücktrat, konnte er noch glaubhaft machen, dies sei nicht geschehen, weil er beim Bundesrat durch seine offene Kritik in Ungnade gefallen sei. Er sagte, der Job sei nicht mit seiner Belastung als Präsident des Forschungsrates beim Schweizerischen Nationalfonds vereinbar. Aber schon damals lautete die zweite Erklärung: Er stand mit seinem Job der Wissenschaftslandschaft zu nahe.

Auch Marcel Tanner trat per Ende Januar unter anderem aus der Taskforce zurück, weil Politiker kritisiert hatten, als Präsident der Akademien der Wissenschaften habe er ein unerwünschtes Doppelmandat.

Beide hatten aus ihren Ansichten zur Pandemiestrategie nie einen Hehl gemacht. Im letzten Jahr traten allerdings auch Mitglieder zurück, denen keine Verbandelung mit grossen Wissenschaftsinstitutionen vorgeworfen werden konnte: Ökonomin Monika Bütler sowie die Epidemiologen Christian Althaus und Marcel Salathé.

Wissenschafter wurden von sich aus aktiv

Letztere beide waren schon am Anfang der Coronakrise aufgefallen, als sie via ihrer grossen Twittergemeinde Warnungen publizierten, weil ihnen das BAG kein Gehör schenkte. Ihr Kommunikationsstil änderte auch nicht, als sie Mitglieder der Taskforce wurden. Diese war auf Anregung von Wissenschaftern selbst ins Leben gerufen worden: Von Matthias Egger, Martin Ackermann (aktueller Präsident der Taskforce) sowie Yves Flückiger von Swissuniversities und der Präsident des ETH-Rates, Michael Hengartner. Dieses Vorpreschen goutierten nicht alle Politiker. Sie sahen sich dadurch bedroht.

Bis anhin hatten mit Ausnahme der Bergier-Debatte um Vermögen aus der Nazizeit noch keine ausserparlamentarische Expertengremien ein derart grosses politisches Gewicht bekommen. Kritisiert werden hingegen auch andere, wenn sie sich politisch auf eine Seite schlagen: Nach dem sich die Rassismus-Kommission letzte Woche gegen das Verhüllungsverbot ausgesprochen hatte, forderte SVP-Chef Marco Chiesa, die Kommission solle sich ab sofort privat finanzieren.

Doch noch nie drängte die Zeit derart wie zu Beginn der Coronakrise. Bezüglich Know-how zur Pandemiebewältigung mussten Politiker bei null beginnen und standen im Schatten der Wissenschaft.

Virologinnen und Epidemiologen werden auch so gehört

Ohne ihren Rat geht es nicht, aber die Rolle als Akteur ist neu. Ironischerweise kommt die Forderung gegen aussen zu schweigen, zu einem Zeitpunkt, da die prominentesten Taskforce-Mitglieder schon zurückgetreten sind.

Andere zeigen keine Lust, nun Mitglied zu werden: Die Genfer Virologin Isabella Eckerle, twittert: «Ich bin sehr froh, nie Teil der Taskforce gewesen zu sein.» Die wissenschaftliche Beratung der Politik verkomme zu einer Farce, «zu einem Zeitpunkt, zu dem man die (laute) Stimme der Wissenschaft dringender braucht als je zuvor».

Die Stimme der Wissenschaft ist jedoch inzwischen unüberhörbar: Es spielt keine grosse Rolle mehr, ob die Epidemiologinnen und Epidemiologen offiziell kommunizieren dürfen oder von Medien direkt nach ihrer Meinung gefragt werden. Ein gutes Beispiel ist die Epidemiologin Emma Hodcroft, die ebenfalls nie in der Taskforce war und dennoch unterdessen wohl schweizweit als Jägerin der Corona-Mutationen bekannt ist.

 
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