Weil einer sich auszieht, darf beim FC Aarau der andere ran

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Filip Stojilkovic und der verhängnisvolle Jubel. (Bild: Claudio De Capitani/Freshfocus)

Der Abschnitt im Regelbuch ist unmissverständlich: «Ein Spieler wird verwarnt, wenn er sein Hemd auszieht oder es über seinen Kopf stülpt.» Über Sinn oder Unsinn der Regel gehen die Meinungen auseinander; die einen finden, man solle die Spieler jubeln lassen, wie sie wollen. Die andern halten es für unnatürlich, sich im Rausch der Emotionen die Kleider vom Leib zu reissen.

Fakt ist: Die Regel existiert seit 2004 – und somit länger, als der erste Juniorenmatch von Filip Stojilkovic (21) zurückliegt. Der heutige Stürmer des FC Aarau weiss also seit seinen ersten Gehversuchen als Fussballer: Ziehe ich das Trikot aus, zeigt mir der Schiedsrichter die gelbe Karte.

Umso unverständlicher ist es, dass Stojilkovic in seinen bislang 21 Einsätzen für den FC Aarau bereits drei Mal wegen ebendieses Vergehens verwarnt wurde: Nach dem Siegtreffer beim 2:1 in Schaffhausen, nach dem Tor zum 4:2 im Cup-
Achtelfinal gegen Sion und zuletzt am vergangenen Dienstag, nachdem er kurz vor Schluss
den wegweisenden Treffer zum 3:2 gegen Thun erzielte (Endstand 4:2).

Die gelbe Karte im Spiel gegen die Berner Oberländer hat Konsequenzen: Weil es insgesamt Stojilkovics vierte Verwarnung in der laufenden Meisterschaft war, muss er am Freitagabend in Chiasso gesperrt zuschauen.

Doppelt ärgerlich für Stojilkovic: Geplant war, dass er nach der Einwechslung gegen Thun im Tessin in der Startelf steht, nachdem er zuletzt seine Leaderrolle im FCA-Sturm an Rückkehrer Mickael Almeida abtreten musste. Dieser entzückt in den fünf Spielen seit der Ausleihe aus Chiasso mit drei Toren und einem Assist, gegen Thun gelang Almeida ein Treffer, der schon jetzt in jedem Saisonrückblick einen Platz auf sicher hat.

In Chiasso sollte Almeida eine Verschnaufpause erhalten. Nicht ausgeschlossen, dass er diese trotz der Stojilkovic-Sperre bekommt und der FC Aarau die Partie wie schon einige Male in dieser Saison ohne Stossstürmer beginnt. Zwei Punkte sprechen jedoch für die Nomination Almeidas: Seine Hochform und die Tatsache, dass in guten Zeiten die Beine weniger schnell ermüden als in schlechten Zeiten.

Steigt Chiasso ab, wäre der Weg für Almeida frei

Für Almeida ist die Fahrt ins Tessin die Rückkehr zu jenem Verein, bei dem er vor der Ausleihe nach Aarau einen guten Draht zu den Teamkollegen hatte und in Baldo Raineri einen Trainer, der in der ersten Saisonhälfte noch auf Almeida setzte. Dann jedoch beendete Raineri Anfang dieses Jahres aus heiterem Himmel den verbalen Austausch mit dem 22-Jährigen und stellte ihn kalt.

Das Leihgeschäft zwischen Chiasso und dem FCA läuft vorerst bis Ende dieser Saison, eine Rückkehr ins Tessin ist nicht in Almeidas Sinn. Problem: Er ist bis 2023 vertraglich an Chiasso gebunden.

Sollten die Tessiner Ende dieser Saison absteigen, würde Almeidas Vertrag nichtig und er wäre frei für die Übernahme durch den FCA – oder einen anderen Klub. Retten sich indes die «Unabsteigbaren» ein weiteres Mal auf wundersame Art und Weise vor dem Absturz in den Amateurfussball, wird es kompliziert: Spielt Almeida in Aarau weiterhin so gut, könnte Chiasso im Sommer eine Ablösesumme verlangen – und eine solche kann und will der FCA generell nicht bezahlen. Eine weitere Möglichkeit: Chiasso löst, unabhängig von Almeidas Leistungen in Aarau und unabhängig von der Ligazugehörigkeit der Tessiner, Ende Saison den Vertrag mit dem Stürmer auf und dieser kann, so wünscht er es sich, in Aarau bleiben.

Das alles ist Zukunftsmusik. In der Gegenwart geht es für den FC Aarau darum, die starke Bilanz aus den letzten drei Heimspielen (sieben Punkte gegen Xamax, Winterthur und Thun) in der Fremde zu bestätigen – doch aufgepasst: In Chiasso hat in dieser Saison noch keine Gastmannschaft geglänzt, im Riva IV ist eine kämpferische Einstellung das wichtigste Mittel für den Sieg.

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