Hermann Keist : Sammler, Chronist und Spurensucher

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Hermann Keist hat viel Bildmaterial über Reiden öffentlich zugänglich gemacht. Bild: tf
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Die Vergleichsbilder unter «Reiden einst und jetzt» zeigen eindrücklich, wie sich das Dorf verändert hat: Das Mitteldorf 1912 (oben) und 2016 (unten). Der letzte grüne Flecken ist in der Zwischenzeit auch überbaut. Bilder: zvg
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Mitteldorf 2016 (zvg)

Auf der Website von Hermann Keist ist die Geschichte von Reiden umfassend dokumentiert. Geschichtliche Abhandlungen, historische Dokumente, Sagen, geografische Karten und hunderte von Fotos und Postkarten sind da zu finden. Eine unwahrscheinliche Fundgrube, die auf riesiges Interesse stösst. Weit mehr als 150 000 Besuche verzeichnet die Website inzwischen. Doch wer ist dieser inoffizielle Dorfchronist Hermann Keist?

Zu Besuch bei dem 72-jährigen Reider in seinem Zuhause am Bifangrain, von dem aus er einen wunderbaren Blick über das langgezogene Dorf hat. Ende der 1990er-Jahre arbeitete der gelernte Elektromechaniker als Servicetechniker beim IT-Unternehmen IBM. Beruflich war er damals immer in Kontakt mit EDV-Freaks, die allesamt eine eigene Homepage betrieben. «Ich konnte damals nicht mitreden. Da habe ich mir eben auch eine Homepage zugelegt, nur fehlte mir zu Beginn ein Inhalt», sagt Keist und lacht.

Ein erstes Thema war dann bald gefunden. «Das Fliegen hat mich fasziniert, seit ich in jungen Jahren die Patrouille Suisse in der Gegend gesehen habe», erinnert sich Keist. Dazu kam, dass er als Servicetechniker über viele Jahre hinweg die RUAG an den Standorten Emmen und Stans betreute. «Da war die Aviatik automatisch ein Thema», sagt Keist, der viele Jahre lang Flugplätze besuchte, an Flugmeetings, Fliegershows oder Oldtimerflugtagen unzählige Bilder schoss und die Geschichte der Schweizer Luftfahrt und Luftwaffe akribisch genau dokumentierte. Das Interesse am Dorf und seiner Geschichte seien erst später dazugekommen, obwohl Reiden immer sein Lebensmittelpunkt gewesen sei. «Mit zunehmendem Alter haben sich die Interessen verschoben.» Früher sei ihm die Aviatik wichtiger gewesen, heute sei er vorwiegend im Dorf mit seiner Canon-Kamera auf der Pirsch. 

Die Fotografie habe ihn immer schon fasziniert, betont Keist, der nun schon seit zehn Jahren pensioniert ist. Etwa im Alter von 25 Jahren habe er mit dem analogen Fotografieren begonnen. Nach einem kleinen Unterbruch – bei einem Sturz in Adelboden ging die Ausrüstung kaputt – legte sich Keist um die Jahrtausendwende herum eine Digitalkamera zu und nahm sein Hobby wieder auf.

Viel Material aus unterschiedlichen Quellen

Neben eigenen Fotos und der privaten Postkartensammlung haben ganz viele Dokumente aus dritter Hand Eingang auf der Website www.hermannkeist.ch gefunden. «Die ersten Postkarten konnte ich zum Beispiel aufschalten, weil mir mein Cousin seine private Postkartensammlung zur Verfügung stellte», sagt Keist. Zu den wunderbaren Fotos von Alt-Grossrat und Alt-Gemeindeammann Wilhelm Elmiger (1855–1936), der das Fotografieren als Liebhaberei in einer Zeit betrieb, in der der Besitz eines Fotoapparats noch eine Seltenheit war, kam er durch einen glücklichen Zufall. «Ein Freund von mir konnte die Elmiger-Fotos bei einer Hausräumung aus einer Mulde retten.» Fotos aus der Zeit um 1990 wiederum stammen meist von Hanspeter Zimmerli, während neuere Fotos zu einem «ansehnlichen Teil», wie es Keist ausdrückt, von ihm selber geschossen worden seien.

Aus Langnau und Richen­thal hat er weniger Material

So ist die Website von Hermann Keist über die Jahre gewachsen und zu einer reich bebilderten Dorfgeschichte Reidens geworden. Schwerpunkte sind Reiden und Reidermoos geblieben. «Aus Langnau und Richenthal habe ich leider eher weniger Material», bedauert Hermann Keist. Was nicht ist, kann ja noch werden. «Ja, es gibt immer wieder Leute, die mir etwas vorbeibringen, das ich dann scanne und auf meine Homepage stelle», sagt Keist.

«Erst kürzlich», kommt Keist ins Schwärmen, «habe ich eine alte Familienfotografie erhalten». Niemand habe gewusst, wer darauf abgebildet sei. Bei ihm habe es sofort «Klick» gemacht. Er habe sofort realisiert, dass er ein Gesicht auf der Fotografie kenne – von einem Nachruf her. Dann setzt sich der Reider Sammler, Chronist und Spurensucher jeweils ins Museum Langnau-Mehlsecken, dessen Kommission er angehört, nimmt die im Museum lückenlos vorhandene Sammlung der «Luzerner Nachrichten» zur Hand und sucht und forscht nach. Manchmal stundenlang. «Es sind schöne Momente, wenn man etwas genau benennen oder einordnen kann», stellt Keist zufrieden lächelnd fest.

Keist macht sich Sorgen um kulturellen Schatz

Grosse Gedanken über die Zukunft seiner Homepage hat sich Hermann Keist noch nicht gemacht. «Wahrscheinlich wird meine Homepage irgendwann genauso verschwinden, wie sie einst aufgetaucht ist», sagt er. Vielleicht fände sich auch jemand, der sie weiterführen möchte. Es sind Fragen, die den Reider nicht gross zu beschäftigen scheinen. «Nein», sagt er dann noch, «die Gemeinde sei diesbezüglich nicht bei ihm vorstellig geworden. Das verstehe er auch, schliesslich habe diese momentan ganz andere Probleme. Aber es beschäftige ihn schon, dass in Reiden kulturell so vieles im Argen liege: Die grossartige Sammlung Robert Spreng liege fast unbeachtet in einem Luftschutzkeller, die Museen hätten zu wenig Raum – das sei schade, sagt Keist.

Fotos gesucht!

Besitzen Sie ältere Fotos der Gemeinde Reiden (Reiden, Reidermoos, Mehlsecken, Langnau, Richenthal)? Besonderes Interesse besteht an alten Ansichten von Häusern, Strassen und Landschaften. Bitte melden Sie sich bei Hermann Keist per Telefon 062 758 27 18 oder E-Mail: hkeist@raonet.ch

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