David Stämpfli: Der Bösewicht, der die Grenzen auslotet

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«Es ist eine Gratwanderung»: Verteidiger David Stämpfli lässt es regelmässig krachen. (Bild: freshfocus/Urs Lindt)

Es passierte vor nicht allzu langer Zeit am 29. Januar 2020: Verteidiger David Stämpfli, damals im Kloten-Dress, attackiert hinter dem eigenen Tor Oltens Dion Knelsen, erwischt den damaligen EHCO-Topskorer gefährlich am Kopf, worauf sich Verteidiger Cédric Maurer für seinen Teamkollegen rächt. Den Zorn hat Stämpfli auch von den damals noch 3791 Zuschauern im Stadion mit einem Pfeifkonzert zu spüren bekommen. «Skandalös» schreibt diese Zeitung zwei Tage später, als bekannt wird, dass Täter Stämpfli ungeschoren davonkommt, jedoch Rächer Maurer mit einer Spielsperre bestraft wird. Stämpfli, rückblickend auf die Szene angesprochen, muss schmunzeln. «Ehrlich gesagt hatte ich es vergessen, als ich nach Olten kam. Als sie mir eines Tages in den Sinn kam, sprach ich Dion darauf an. Dass sich Maurer dann für seinen Kollegen einsetzt, gehört zum Eishockey dazu. Das Schöne ist, wenn man plötzlich eines Tages in der gleichen Garderobe sitzen darf und alle mit einem Lachen darauf zurückblicken können.» Stämpfli führt aus, dass er überhaupt keine Verletzungsabsichten hatte. «Ich wurde bei der Szene total überrascht und wollte mich ehrlich gesagt selber schützen, weil ich einen Check von Dion erwartet hatte. Dabei erwischte ich ihn blöd am Kopf. Ich bin froh, dass niemand verletzt wurde.»

Viele Leute, die Stämpfli lediglich neben dem Eis kennen, seien jeweils überrascht, wenn sie von seinem Bösewicht-Image erfahren würden, erzählt er. «Ich bin überhaupt kein böser Mensch», sagt er lachend und ergänzt: «Ich suche eigentlich das Bösewichtsein überhaupt nicht, aber wenn das ein wichtiger Faktor ist und ich damit einen Teil zum Erfolg des Teams beitragen kann, dann übernehme ich diesen Job gerne.»

Stämpfli galt als Wiederholungstäter, hat sich den Ruf als Bösewicht, der die Grenzen auslotet, in der Liga unlängst erarbeitet. Im Dezember 2019 checkte er Sierres Yoan Massimino gegen den Kopf, das Opfer trug eine Gehirnerschütterung davon, Stämpfli bekam drei Spielsperren aufgebrummt. Der 30-Jährige heisst Verletzungen überhaupt nicht gut, reflektiert besonnen. «Ich bewege mich oft ‹on the edge›. Es ist sicher nie eine böse Absicht dahinter, aber ich muss hart spielen, das macht mich stark, weshalb es von mir auch verlangt wird. Aber mir ist bewusst, dass es eine Gratwanderung ist.»

«Wir müssen die Füsse am Boden halten»

Auf dieser Gratwanderung bewegt sich Stämpfli auch im Dress des EHC Olten. Zumindest war er ganz offensichtlich Guillaume Asselin schon merklich auf die Pelle gerückt. Der Sierre-Topskorer liess sich nämlich in der 49. Minute gegen Stämpfli zu einem Stockstich hinreissen, wofür der Frankokanadier gestern nachträglich mit einer Spieldauerdisziplinarstrafe bestraft wurde. Sie wird für Asselin nebst einer 800-Franken-Busse keine weiteren Konsequenzen haben.

Stämpfli machte im ersten Spiel auf der ganzen Linie positiv auf sich aufmerksam, holte keine einzige Strafe und war überdies der aktivste Oltner Verteidiger. Stämpfli hatte grossen Einfluss aufs Spiel, war defensiv verlässlich, machte mit dem Puck am Stock das Spiel schnell und fügte sich bestens in das offensive Spiel ein, verzeichnete hochkarätige Chancen. Auch er selbst war mit seiner Leistung zufrieden. «Ja, ich glaube, das war eine gute, solide Leistung. Ich müsste eigentlich sogar mindestens ein Tor erzielen, aber schlussendlich braucht es immer fünf Spieler pro Shift auf dem Eis. Ich denke, ich harmoniere gut mit Simon Lüthi und gegen vorne macht es auch Spass, meistens mit den beiden Ausländern Dion und Garry sowie Mason», sagt Stämpfli und ergänzt: «ja, die können Eishockey spielen.»

Nun bloss bescheiden bleiben, David Stämpfli erwähnt es im Gespräch gleich mehrmals. «Wir müssen die Füsse auf dem Boden halten. Es war eine gute Leistung, aber wir müssen realistisch bleiben: Sierre hatte gerade in den ersten zehn Minuten gute Chancen, wir agierten etwas kopflos, waren aufgeregt. Das gehört halt auch zu den Playoffs dazu. Alle wollen eine Schippe drauflegen, man will alles geben, und dabei kann man etwas den Kopf verlieren. Es war gut, dass wir diese Startphase überstanden hatten und dann ins Spiel fanden. Letztlichwar es ein verdienter Sieg. Und an dem müssen wir anknüpfen, genauso weiter machen, auf einfache Art hinten rausspielen. So werden wir zu unseren Chancen kommen, die wir nutzen müssen.»

Ein Wechsel zum EHC Olten? «Sag niemals nie»

Weil sich David Stämpfli innert kürzester Zeit beim EHCO bestens eingelebt hat, geht gerne vergessen, dass er bloss ausgeliehen mit einer B-Lizenz für Olten spielt. In Kloten wurde ihm mitgeteilt, dass die Einsatzzeit für den Rest der Saison beschränkt sein werde. «Wir fassten dann den gemeinsamen Entschluss, dass mir eine kurzfristige Luftveränderung helfen könnte. Ich bin froh, konnten wir eine Lösung finden.»

Stämpfli besitzt in Kloten noch einen Vertrag bis Ende der nächsten Saison 2021/22. Seine Zukunft lässt er dennoch offen. «Sag niemals nie», sagt er bloss auf die Frage, ob er sich eine Zukunft in Grünweiss vorstellen könnte. Vorerst konzentriert sich Stämpfli auf die Playoffs mit Olten und will heute Abend, 19.45 Uhr, die starke Leistung aus Spiel eins bestätigen. Eines ist klar: Diesmal hätte Bösewicht Stämpfli die EHCO-Fans beim Ausloten der Grenzen auf seiner Seite.

Der SC Langenthal strebt nach dem zweiten Sieg

Für Fabio Kläy ist klar: In vielen Bereichen war die Leistung des SC Langenthal beim 2:0 im ersten Viertelfinalspiel gegen Thurgau vorbildlich. «Die Aufopferung war super. Wir sind in Schüsse gelegen, haben alles gegeben», erklärt der Stürmer. Gegenteiliges gab es aber ebenso. Wie schon in der Qualifikation nahmen die Langenthaler zu viele Strafen und offerierten damit dem Gegner zu viele Chancen. «Vor allem die Strafen in der offensiven und der neutralen Zone sind ärgerlich. Da müssen wir mit den Beinen besser arbeiten, damit wir nicht in die Situation kommen, dass wir eine Strafe nehmen müssen.» Die zahlreichen Strafen hätten denn auch den Spielrhythmus gebrochen, bei je fünf Feldspielern kam dieser nicht wirklich auf. «Viele mussten immer wieder pausieren, das machte es schwierig, Druck aufzubauen», sagt Kläy. Dabei müsse dies das Ziel sein. Dass bei 5-gegen-5 in dieser Serie noch keine Tore fielen, habe auch mit den Strafen zu tun.

Heute in Spiel zwei ist vorerst der HC Thurgau unter Druck. Von einer anderen oder gar einfacheren Situation will Kläy aber nichts wissen, zurücklehnen könne man schon gar nicht. «Das Spiel abhaken, bei Null beginnen und mit der genau gleichen Einstellung starten», so der Stürmer. Im Hockey könne alles sehr schnell gehen, das wisse man, daher wolle man hundertprozentig konzentriert nach dem zweiten Sieg streben.

Thurgau werde es dem SCL nicht einfach machen, insbesondere ihre Treue zum System mit durchaus vorhandenen offensiven Qualitäten würde sie gefährlich machen, findet Kläy, «aber wir haben Qualität über vier Linien». Und dies wolle man im zweiten Spiel noch stärker ausspielen, damit man auch auswärts siegreich sei.

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