Merkel kippt ihren Oster-Super-Lockdown nach heftiger Kritik: «Es war mein Fehler»

Merkel_DPA.jpeg
«Mea culpa» - Merkel entschuldigt sich für ein undurchdachtes Konzept für eine spezielle Oster-Ruhe. «Es war mein Fehler». Kay Nietfeld / dpa-Pool/24. März 2021

Es muss irgendwann mitten in der Nacht auf Dienstag gewesen sein, nach aufreibenden Stunden der Verhandlungen mit den Regierungschefs der Bundesländer, als Kanzlerin Angela Merkel die Idee mit der speziellen Oster-Ruhe gekommen ist. Fünf Tage, von Gründonnerstag bis und mit Ostermontag, hätte das Leben in Deutschland quasi komplett heruntergefahren werden sollen.

Geschäfte dicht, Supermärkte mit Ausnahme des Samstags geschlossen, keine Menschenansammlungen in der Öffentlichkeit, Hotels zu, damit auch niemand auf die Idee eines Oster-Trips an die Ostsee kommt. Fünf Tage harter Lockdown, um das exponentielle Wachstum der Coronainfektionen zu brechen. Morgens um 2.30 Uhr präsentierte das die 66-Jährige den staunenden Medienvertretern.

Merkel bricht unter heftiger Kritik

Zwei Tage später ist nun alles wieder anders. Die Kanzlerin kippt ihre Oster-Ruhe per sofort, nachdem es heftige Kritik gehagelt hatte: Von Seiten der Industrie, die schon Bestellaufträge für den Gründonnerstag in der Pipeline hatte. Von Seiten der Supermarkt-Ketten, die vor Hamsterkäufen mit viel Kundschaft wegen der Quasi-Sperrstunde am Mittwochabend oder am Ostersamstag warnten.

Und auch sonst war vieles unklar: Wäre der verordnete Ruhe-Tag am Gründonnerstag einem Feiertag gleichgekommen? Hätten die Arbeitnehmer einen Ferientag dafür beziehen müssen, wer hätte das bezahlt? Und überhaupt: Auf die Barrikaden gingen auch die Kirchen, die sich nicht verbieten lassen wollten, Präsenz-Gottesdienste an Ostern mit der Gemeinde zu feiern.

Merkel so selbstkritisch wie noch nie

Heute Mittwochnachmittag will sich Merkel den Fragen des Parlaments stellen. Sie hat die Flucht nach vorne ergriffen, damit sie nicht Gefahr läuft, von der Opposition mit Fragen gelöchert zu werden, die sie in Verlegenheit bringen: Die auf juristisch wackeligen Füssen stehende Oster-Ruhe ist Geschichte, bevor sie in Kraft getreten ist. An einer eiligst einberufenen Konferenz mit den Regierungschefs der Bundesländer sagte Merkel:

«Es war mein Fehler. Wenn möglich, muss man ihn noch rechtzeitig korrigieren. Ich glaube, das ist noch möglich.»

Die zuletzt selbst in Kritik geratene Regierungschefin sparte nicht mit Selbstkritik. Sie trage für die nicht abgestimmte und juristisch fragwürdige Entscheidung die «volle Verantwortung». Laut Teilnehmern der Sitzung habe sie angefügt: «Beim Kopf durch die Wand gewinnt immer die Wand».

Merkels «Mea culpa» dürfte die Wogen zumindest ein bisschen glätten. Eine derart selbstkritische Merkel, die sich für einen Fehler bei der Bevölkerung, Politik und Wirtschaft öffentlich entschuldigt, gab es vermutlich noch nie. Die Kritik in der Bevölkerung am Coronamanagement der Bundesregierung wurde zuletzt immer lauter, in Umfragen stürzt die Union von Kanzlerin Merkel ab. Am Nachmittag muss sich Merkel, die im Herbst nach 16 Jahren an der Regierung zurücktreten wird, den kritischen Fragen der Parlamentarier stellen müssen.

Ihr Eintrag wird nach einer Überprüfung online gestellt.
Keine Kommentare vorhanden
Heute auf zofingertagblatt.ch
Frage des Tages
Marktplatz
regiostellen.ch
agon-sports AG
Service Techniker Fitnessgeräte, Mitarbeiter, Zofingen
Job für Mami, Mitarbeiter,
Job für Mami, Mitarbeiter,
Gurtner AG
Sanitärinstallateur EFZ, Mitarbeiter, Solothurn
Gurtner AG
Sanitärinstallateur EFZ, Mitarbeiter, Solothurn
Gurtner AG
Sanitärinstallateur EFZ, Mitarbeiter, Solothurn
regioimmo.ch
Abo-Service

Normal-Abo (e-Paper/Digital inkl.)

Schnupper-Abo / Probe-Abo

Digital-Abo

Leserangebote
Partner