Brandgefährliche Manaus-Mutante – Epidemiologe warnt: «Brasilien ist eine Bedrohung für die globale Gesundheit»

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Über 3000 Menschen sind in Brasilien binnen der vergangenen 24 Stunden an Covid-19 verstorben. Auf dem Bild eine Beerdigung in der Amazonas-Stadt Manaus. EPA
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Überfüllte Covid-Abteilung im M'Boi Mirim Hospital in Sao Paulo. EPA

In Brasilien gerät die Coronapandemie immer weiter ausser Kontrolle. Mehr als 3200 Menschen fielen dem Virus binnen den letzten 24 Stunden zum Opfer – so viele wie noch nie. Schuld am traurigen Rekord ist eine hochansteckende neue Virusmutation mit dem Namen «P.1». Die Brasilianer sprechen in Anlehnung an die Amazonas-Stadt, in der die Mutation im November erstmals nachgewiesen wurde, auch von der «Manaus-Mutante».

Studien haben ergeben, dass sie das Immunsystem von bis zu 60 Prozent aller Menschen austricksen kann, die schon einmal an Covid-19 erkrankt waren. Die meisten Impfstoffe scheinen zwar gegen die Manaus-Mutante zu wirken, allerdings in recht unterschiedlichem Grad. «Die Welt hat das schreckliche Potential von P.1 noch gar nicht begriffen», warnt der Epidemiologe Eric Feigl-Ding von der Föderation Amerikanischer Wissenschaftler in Washington. Es könne ein böses Erwachen geben. Der brasilianischen Mediziner Pedro Hallal aus dem Bundesstaat Rio Grande do Sul sagt:

«Brasilien ist eine Bedrohung für die globale Gesundheit.»

Nur ein rigider Lockdown mit einer deutlich verbesserten Impfkampagne könne noch eine dramatische Zuspitzung der Krise mit internationalen Folgen verhindern.

Erschöpfte Ärzte posten Bilder von jungen Verstorbenen

Der rasante Anstieg der durch die «Manaus-Mutante» verursachten Covid-19-Fälle hat die brasilianischen Spitäler an den Rand ihrer Kapazitäten gebracht. Die Intensivstationen sind voll. Auf den Wartelisten für die Beatmungsgeräte stehen hunderte Namen. In mehr als hundert Städten im Land, darunter auch die Millionenmetropole São Paulo, droht der klinische Sauerstoff auszugehen.

Intubierte Patienten könnten – wie vor einigen Wochen bereits in Manaus geschehen – in ihren Betten ersticken. Aus der Hauptstadt Brasília verbreiten sich Bilder von Covid-19-Opfern in Leichensäcken auf den Krankenhausfluren. Immer öfter posten erschöpfte Ärzte auch die Fotos von Verstorbenen in den sozialen Netzwerken. Unter den Toten sind auffällig viele junge Menschen.

Angesichts dieser Zustände spricht die Gesundheitsstiftung Fiocruz vom «grössten Kollaps des Gesundheitssystems und der Krankenhäuser» in der Geschichte Brasiliens. Experten fordern, dass alle nicht essentiellen Aktivitäten für mindestens 14 Tage heruntergefahren werden müssen.

Sogar Bolsonaro scheint jetzt beunruhigt

Präsident Jair Bolsonaro, der die Coronakrise bislang stets kleinredete, zeigte sich in einer Fernsehansprache erstmals versöhnlich: «Wir wissen nicht, wie lange wir diese Krise noch ausstehen müssen, aber ich will die Brasilianer beruhigen. Die Impfungen sind garantiert», behauptete der ultrarechte Staatschef, der bisher alles getan hat, um strikte Lockdown-Massnahmen zu verhindern und es versäumte, frühzeitig Vakzine einzukaufen. Zuletzt zeigte sich der Präsident mit Mundschutz und lobte die angerollte Impfkampagne. Beides hatte er monatelang verhöhnt und abgelehnt.

Im grössten Land Lateinamerikas sind seit Beginn der Pandemie fast 300’000 Menschen an Covid-19 gestorben. Das ist in absoluten Zahlen der weltweit zweithöchste Wert nach den USA. Während Bolsonaros TV-Ansprache machten sich in mehr als einem Dutzend Städten des Landes die Menschen mit den „panelaços“ Luft, dem Schlagen auf Pfannen und Töpfe. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Datafolha halten 54 Prozent der Brasilianer die Performance Bolsonaros in der Krise für schlecht. Das sind sechs Prozent mehr als im Januar. 22 Prozent immerhin halten ihn noch für einen guten Krisenmanager.

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