Ferien auf vier Rädern: Wohnmobile und Camper boomen in der Krise auch im Freiamt

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Unterwegs und doch zu Hause: Diesem Motto folgen viele Freiämter in der Coronakrise und kaufen oder mieten sich ein Wohnmobil. Symbolbild/Chris Iseli (2010)

Ostern steht vor der Tür, ebenso die Frühlingsferien. Ein Kurztrip ans Mittelmeer? Ein Städteflug nach Paris oder Amsterdam? Mit den Einschränkungen der Coronapandemie, dem obligaten Negativtest vor Flugreisen, Maskenpflicht an den Ferienorten und drohender Quarantäne, gestaltet sich das in diesem Jahr schwierig.

Viele Freiämterinnen und Freiämter schlucken deshalb das Fernweh runter und bleiben in heimischen Gefilden. Oder sie verlegen ihr Zuhause kurzerhand auf vier Räder. Das bekommen die Wohnmobilhändler und insbesondere -vermieter in der Region zu spüren.

25 Prozent mehr Vermietungen seit Ausbruch der Pandemie

«Der Vorteil am Camper ist, dass man damit komplett flexibel ist, was die Reisedestination angeht.» Das sagt Andy Heggli. Mit seiner Murianer Firma Camperrental.ch vermietet er VW-Busse mit Camping-Aufbau. 25 Prozent mehr Buchungen hatte er im ersten Coronafrühling, die drei Busse waren das ganze Jahr komplett ausgebucht. Mindestens diesen Wert erwartet er auch für dieses Jahr und hat deshalb seine Camper-Flotte um ein Fahrzeug aufgestockt.

Derzeit erhält er zwei bis drei Anfragen pro Tag. «Manchmal komme ich gar nicht nach mit der Bearbeitung», gibt Heggli zu. Die Ungewissheit der Pandemie mache sich aber in dieser Saison deutlicher bemerkbar: «Die Anfragen sind angestiegen, aber mit der definitiven Buchung halten sich die Kunden noch zurück.»

Kunden würden in normalen Jahren mit dem Flugzeug ans Meer fliegen

Seine Kunden seien Einzelpersonen, Pärchen, aber auch Familien. Und neu auch genau jene, die er erwartet hat, sagt Heggli:

«Es sind die Menschen, die vorher jeweils mit dem Flugzeug ans Meer geflogen sind.»

Viele der Anfragen würden sich denn auch um eine Reise über die Landesgrenzen drehen. «Die meisten wollen definitiv ins Ausland, sofern Covid das erlaubt», sagt Heggli.

Doch nicht nur die Coronamassnahmen lassen die Menschen vermehrt zum Wohnmobil greifen, sondern auch die Preisfrage. «Ein Camper bietet Platz für bis zu vier Personen und kostet 1000 bis 1300 Franken pro Woche. Und man hat alles dabei, was man braucht.» Ein All-inclusive-Angebot in einem Hotel käme da teurer, meint er.

Für unbeschwerte Camper-Ferien empfiehlt Heggli in der jetzigen Lage, sich mehrere Optionen als Reiseziel offenzuhalten und erst kurz vor Abfahrt zu entscheiden, wohin es letztlich gehen soll. Wer nun kurzfristig noch einen Camper für die Frühlingsferien sucht, kann sich ungeniert bei ihm melden. Er sagt schmunzelnd:

«Es gilt das Prinzip: ‹First come, first serve.› Oder ‹de Gschneller esch de Gschwender›.»

20 Prozent mehr Freiämter investierten in ein eigenes Wohnmobil

Rund 90 bis 100 Fahrzeuge hat Theo Strebel, Geschäftsführer der Strewo Camper Shop GmbH in Waltenschwil, normalerweise zum Direktkauf vor Ort anzubieten und ist damit der grösste Händler im Freiamt. In diesem Jahr ist alles anders.

Der Wohnmobilhändler sagt mit Blick auf die verkauften Ausstellungsmodelle. «Es hatte noch nie so viele Löcher in unserer Ausstellung wie in diesem Frühling.»

Rund 20 Prozent mehr Wohnmobile und -wagen hat das Unternehmen seit Ausbruch der Pandemie verkauft. In diesem Frühling spitzt sich die Situation nochmals zu: «Praktisch alle Händler sind mittlerweile ausverkauft», sagt Strebel. Er ist sich sicher:

«Caravaning ist die Ferienform, die die Leute in diesen Coronazeiten wollen.»

Seine Kunden seien dabei durchwegs gemischt, vom Rentnerehepaar bis zur jungen Familie sei alles dabei. Beim Mietgeschäft, das für die Firma nicht Haupteinnahmequelle ist, beobachtet Strebel ähnliches wie Andy Heggli. Er sagt:

«Wir haben zwar ebenfalls viele Buchungen, aber auch schnell wieder Annulationen, sobald sich die Coronasituation verschlechtert.»

Strebel geht jedoch langfristig davon aus, dass sich der Boom zum Eigenheim auf vier Rädern, ob gemietet oder gekauft, auch nach der Pandemie halten kann. Das zeigen ihm die bereits eingegangenen Bestellungen für das Jahr 2022.

Lieferfristen haben sich deutlich verlängert

«Ich kann bestätigen, dass die Nachfrage derzeit sehr gross ist», sagt auch Karin Oberholzer, Geschäftsführerin der Beromio GmbH in Auw, die Wohnmobile verkauft. Tatsächlich könne man von einem eigentlichen Boom reden, sagt die Wohnmobilhändlerin. Genaue Zahlen will sie nicht nennen. Jedoch seien auch ihre Ausstellungsmodelle praktisch alle ausverkauft.

Die grosse Nachfrage mache sich auch in den Lieferfristen für neue Modelle bemerkbar. Oberholzer sagt:

«Die Lieferfristen sind deutlich länger als in anderen Jahren.»

Wer nun kurzfristig noch ein Wohnmobil für die Ostertage oder Frühlingsferien mieten oder kaufen will, müsse Kompromisse eingehen, direkt bei den Händlern oder Vermietern nachfragen und sich im Notfall halt mit dem begnügen, was noch verfügbar ist.

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