Die Manaus-Variante gibt es auch in Europa – jetzt nimmt sogar Brasilien-Präsident Bolsonaro das Virus ernst

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Hart getroffen von der Pandemie: Die brasilianische Bevölkerung. Keystone
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Brasilien leidet stark unter einer neuen Variante des Coronavirus, als P.1 oder B.1.1.28 bezeichnet. Jeden Tag fallen Tausende Menschen im südamerikanischen Land dieser Variante zum Opfer, wie die dortigen Medien berichten. Epidemiologen schlagen Alarm, der Epidemiologe Eric Feigl-Ding von der Föderation Amerikanischer Wissenschafter in Washington warnt, das schreckliche Potenzial von P.1 sei noch gar nicht begriffen.

In der Schweiz sequenziert Richard Neher vom Biozentrum der Universität Basel all die vielen Varianten von Sars-CoV-2, die laufend entstehen – harmlose und weniger harmlose. Wie besorgniserregend ist denn nun diese brasilianische Variante B.1.1.28? Diese in Brasilien «Manaus-Mutante» getaufte Variante könne Teile der menschlichen Immunantwort umgehen. Daraus ergibt sich eine reduzierte Neutralisation bei einem gewissen Teil der angesteckten Menschen.

«Die Variante ist sicherlich besorgniserregend», sagt der Basler Forscher. Deshalb gelte sie ja auch als «Variant of Concern» im Gegensatz zu den meisten anderen Mutationen. Aber die Dinge seien nicht schwarz-weiss. «Herr Feigl-Ding ist für gewissen Alarmismus bekannt», sagt Neher.

Auch ist nach dem Bioinformatiker Neher nicht klar, ob die brasilianische Variante ansteckender ist als die britische. «Hierzu liegen keine abschliessenden Erkenntnisse vor, da nicht klar ist, ob der Übertragungsvorteil durch höhere Ansteckung oder durch Immunevasion kommt», sagt Neher. Bei der Immunevasion versucht der Krankheitserreger, durch die Mutation der Abwehr des Immunsystems zu entkommen. Gemäss einer wissenschaftlichen Arbeit schätze man nun, dass die brasilianische Variante P.1 ähnlich übertragbar ist wie die britische Variante B.1.1.7.

Impfstoffe produzieren eine robuste Immunantwort

Sofort taucht bei einer neuen Variante die Frage auf, ob die Impfwirkstoffe auch gegen die Mutanten wirken. «Die Impfstoffe produzieren eine sehr robuste Immunantwort», sagt Neher. Die meisten Wissenschafter gehen davon aus, dass diese auch gegen die neuen Varianten schützen. Vielleicht sei der Schutz aber nicht mehr so umfassend, das werde nun in weiteren Studien genauer untersucht werden müssen.

Ob die brasilianische Variante auch in der Schweiz eine wichtige Rolle spielen wird, lässt sich nicht abschätzen. «Die Variante wurde bereits in vielen Ländern Europas nachgewiesen, scheint sich aber gegen die britische Variante B.1.1.7 momentan nicht durchzusetzen», sagt der Virenanalyst am Biozentrum. Auch in Mallorca ist die Manaus-Mutante schon gemeldet worden, was aber nachträglich dementiert wurde. Es handle sich nicht um die Variante B.1.1.28, sondern um eine Nebenvariante B.1.28.1. Das wäre nach Neher eine Variante, die nicht weiter bemerkenswert sei. Die wesentlichen und gefährlichen Mutationen kommen nur in B.1.1.28 vor.

Die indische Variante sticht nicht besonders hervor

Wegen der Manaus-Mutante nimmt nun auch der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro die Coronapandemie plötzlich ernst. Wüten kann eine neue Variante aber auch in Ländern, die sich diszipliniert gegen das Coronavirus gestellt haben. In Indien ist bei Untersuchungen von Virusproben eine neue Coronavariante entdeckt worden.

Dabei handelt es sich um eine Doppelmutation, also eine Variante, bei der zwei Mutationen in einem Virus gleichzeitig vorkommen. Diese Doppelmutation trete bei 15 bis 20 Prozent der Proben aus dem Bundesstaat Maharashtra auf. Noch gebe es keine Hinweise, dass die neue Variante für den momentan starken Ausbruch des Coronavirus verantwortlich sei.

Richard Neher sagt, dass die Forscherinnen und Forscher mittlerweile eine Vielzahl von Varianten mit ähnlichen Mutationsmustern sehen, wie bei der indischen Doppelmutation. Diese Variante steche aber nicht besonders hervor. Die vermehrten Ausbrüche haben nun aber dazu geführt, dass Indien den Export von Impfstoffen blockiert. Diese Verzögerung der Auslieferungen betrifft vor allem ärmere Länder.

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