FDP-Stadtrat Andreas Rüegger: «Wir müssen uns in Aarau besser verkaufen»

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Andreas Rüegger bei einer Pause vom Telemark-Skifahren, seiner Passion. (Bild: zvg)

Was wollten Sie als Kind werden?

Militärpilot.

Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?

Rasenmähen bei den Grosseltern.

Wem wären Sie lieber nie begegnet?

Einem früheren Vorgesetzten.

Wen, der tot ist, möchten Sie gerne wiedersehen?

Meine Grosseltern.

Wenn Sie Macht hätten zu befehlen, was Ihnen heute richtig scheint, würden Sie es befehlen, gegen den Widerspruch der Mehrheit?

Ich versuche in der Regel nicht zu befehlen. Mit stichhaltigen Argumenten, Zuhören und lösungsorientiertem Handeln lässt sich mehr bewegen, als schiere Macht auszuüben. Sich auch mal gegen die Mehrheit durchzusetzen gehört zur Politik und unserem Rechtsstaat. Nicht immer sind Entscheide so zu fällen, wie es der Mehrheit im Einzelfall gefällt. Die Entscheide eines Stadtrats haben sich an die rechtsstaatlichen Vorgaben zu halten. Es gehört leider auch dazu, dass ich für einen Teil der Bevölkerung unliebsame Entscheide treffen muss. Zum Glück werden viele dieser Entscheide durch den Gesamtstadtrat getroffen und somit von allen getragen.

Was fehlt Ihnen zum Glück?

Ich bin glücklich und mir fehlt nichts.

Wofür sind Sie dankbar?

Ich bin dankbar dafür, dass ich in der schönen Schweiz leben darf. Das ist nicht selbstverständlich und wir alle müssen Sorge tragen um die Vorzüge unserer freien Gesellschaft, um unsere Natur und um unseren Wohlstand.

Halten Sie sich für einen guten Freund?

Ja. Ich habe aber leider für viele Freunde zu wenig Zeit, weshalb ich wirklich ein schlechtes Gewissen habe.

Was bezeichnen Sie als Heimat?

Zofingen. Hier bin ich geboren, hier habe ich meinen Lebensmittelpunkt und hier gefällt es mir. Aber Heimat könnte auch überall dort sein, wo ich mich geborgen und wohlfühle.

Welche Speisen essen Sie aus Heimweh?

Wurstweggen.

Welche Hoffnung haben Sie aufgegeben?

Es allen recht zu tun.

Welche Probleme löst eine gute Ehe?

Ob Ehe oder Partnerschaft spielt keine Rolle. Wenn man einen Menschen an der Seite hat, den man liebt und von dem man geliebt wird, gibt das Halt und erdet.

Warum sind Sie Politiker geworden?

Ich will meiner Heimatstadt etwas zurückgeben. Ich habe in den letzten Jahren einiges bewegen können und bin motiviert dies auch in der nächsten Legislatur zu tun.

Was reizt Sie an der Aufgabe als Stadtrat?

Mich reizt die Möglichkeit, die Stadt Zofingen mitgestalten und weiterbringen zu können. Wir können es uns in vielen Bereichen nicht mehr leisten, so weiterzufahren wie bisher, und müssen uns vorwärtsbewegen. Andere Regionen des Kantons sind sehr dynamisch unterwegs und wir müssen aufpassen, dass wir nicht abgehängt werden.

Bezahlen Sie Ihre Steuern gerne?

Nein, wer tut das schon gerne? Steuern bezahlen gehört aber klar dazu und ermöglicht unserer Gesellschaft, gemeinschaftliche Aufgaben zu lösen. Der Stadtrat Zofingen hat mit den letzten Rechnungsabschlüssen gezeigt, dass mit einer gescheiten, qualitativen Orts- und Raumplanung das Zofinger Steuereinkommen auch ohne Steuererhöhung anwachsen kann, damit die erforderlichen Investitionen ohne untragbare Verschuldung finanziert werden können.

Wofür werden zu viele Steuergelder ausgegeben und wofür zu wenig?

Für bürokratische Vorgaben wird zu viel ausgegeben. Viele Abläufe könnten vereinfacht werden, wenn unnötige Vorschriften aufgehoben werden. Mehr Augenmass und Pragmatismus bei der Erfüllung staatlicher Aufgaben ist dringend nötig. Das sage ich, was viele erstaunen mag, als Jurist. Wir können uns das formalistische Getue schlichtweg nicht mehr leisten! Mehr investieren müssen wir dagegen in die Umsetzung der Klimastrategie des Bundes. Mit der Erarbeitung der regionalen Energiestrategie, die ich als zuständiger Stadtrat zusammen mit dem Regionalverband anstossen durfte, sind wir auf dem richtigen Weg. Nur mit dem Einsatz aller ist die Energiestrategie 2050 realisierbar. Hier wartet noch viel Arbeit auf uns alle. Ich bin aber zuversichtlich, dass die Schweizer das schaffen, wenn wir auf die richtigen innovativen, technischen Lösungen setzen. Von Verboten halte ich auch im Energiebereich nichts, es müssen die richtigen Anreize geschaffen werden. Ich fordere, dass wir den Weg der «blauen» technisch-ökologischen Revolution beschreiten und uns nicht von den von links-grün geforderten Verboten einschnüren lassen.

Welches Buch liegt gerade auf Ihrem Nachttisch?

«Verborgen im Gletscher» von Arnaldur Indriðason, ein isländischer Krimi.

Was werden Sie als wiedergewählter Stadtrat als Erstes in die Wege leiten?

Bei der Digitalisierung der Verwaltung sind wir noch in der Steinzeit. Hier müssen wir noch einiges an Arbeit und Geld investieren. Die fortschreitende Digitalisierung sehe ich als Chance, die wir auf dem Werkplatz Schweiz nützen müssen. Zofingen hat mit der neuen Bau- und Nutzungsordnung und dem 2012 erfolgten Landabtausch in der Industriezone gute Voraussetzungen geschaffen, dass eine wirtschaftliche Weiterentwicklung stattfinden kann. Ziel muss es sein, im Hightech-Bereich tätige Firmen in Zofingen und der Region anzusiedeln und zu stärken.

Kinderfestweggen oder Kinderfesttorte?

Ich bin klar der salzige Typ, daher Wurstweggen.

Wie sieht die – für Sie – optimale Besetzung des Stadtrats aus den 11 Kandidatinnen und Kandidaten aus?

Alle grossen Parteien sind mit mindestens einem Vertreter im Stadtrat. Wichtiger als die Parteizugehörigkeit ist, dass Zofingen von einem progressiven, innovativen Stadtrat in die nächste Legislatur geführt wird. Für meine Partei hoffe ich natürlich nebst meiner Wiederwahl auf die Wahl von André Kirchhofer. Wir würden ein gutes Team bilden.

Was ist das beste Argument, das gegen eine Wahl von Ihnen spricht?

Um indirekt mein auf dem Kopf stehendes Wahlplakat zu zitieren: «Wählen Sie mich nicht, wenn Sie alles auf den Kopf stellen wollen.»

Kinderfest mit Gefecht oder ohne?

Klar mit Gefecht. Ich bin selber schon seit meiner Jugend aktiv bei den Kadetten und anschliessend bei den Freischaren dabei. Ein Kinderfest ohne Gefecht und Schönwetterprogramm ist nicht einmal ein halbes Kinderfest.

Was mögen Sie an Zofingen – und was überhaupt nicht?

Zofingen hat sehr viel zu bieten. Wir haben eine wunderschöne Altstadt und unbezahlbare Naherholungsräume. Dazu müssen wir Sorge tragen. Mir gefällt aber nicht, dass Zofingen sich viel zu schlecht verkauft und sein Licht unter den Scheffel stellt. Wir müssen in der Region klar den Ton angeben und uns in Aarau auch besser verkaufen.

Was gibt Ihnen Energie für die Politik?

Ohne die Unterstützung meiner Familie ginge es nicht. Ich geniesse meine Freizeit in der Natur und vor allem in den Bergen beim Telemark-Skifahren oder beim Wandern.

Welcher Film hat Sie nachhaltig beeindruckt?

Stanley Kubricks «2001 – A Space Odyssey» ist ein audiovisuelles Kunstwerk voller versteckter Symbolik, das auch nach x-fachem Genuss noch immer rätselhaft bleibt. Seit einem Vortrag als Kantonsschüler über den Film hat es mir hier den «Ärmel reingezogen».

Wie gedenken Sie das Stadtratsmandat mit ihrem übrigen Berufsleben zu vereinbaren?

Mit meiner aktuellen Tätigkeit als Abteilungsleiter beim Bauinspektorat des Kantons Basel-Landschaft ist die Vereinbarkeit gegeben, was ich in den letzten fast vier Jahren unter Beweis stellen konnte.

Erachten Sie die Entschädigung für das Stadtammann-Amt als angemessen?

Ja. Im kantonalen Vergleich ist die Entschädigung sicherlich angemessen.

Welche Partei ist im aktuellen Stadtrat übervertreten, welche untervertreten?

Aktuell ist die SP übervertreten. Die SVP hätte sicher einen Sitz im Stadtrat zugute. Eine angemessene Vertretung aller Parteien tut der Zusammenarbeit aller Parteien gut und ermöglicht es dem Stadtrat im Einwohnerrat seine Geschäfte besser zu vertreten.

Sind Sie eher ein Alphatier oder ein Teamplayer?

Ich bin ein Teamplayer, eine Stärke, auf die ich sehr stolz bin. Gerne übernehme ich aber auch den Lead, dann bin ich aber eher einer, der einen kooperativen Führungsstil pflegt. Das Alphatier «heraushängen» liegt mir gar nicht.

Was können Sie besser: sprechen oder zuhören?

Zuhören liegt mir, was für einen Stadtrat unabdingbar ist. Nur wer zuhören kann, kann auch die Bedürfnisse der Bevölkerung verstehen und entsprechend handeln.

Welches Ressort würden Sie am liebsten übernehmen?

Meine Präferenz liegt, auch wegen meiner beruflichen Tätigkeit als Bau- und Raumplanungsjurist, bei den Ressorts Bau und Planung. Dass ich das Ressort Tiefbau erfolgreich geführt habe, zeigt, dass von rund 200 Geschäften im Einwohnerrat (ohne Jahresberichte, Budget und Wahlen) gut ein Drittel davon aus dem Ressort Tiefbau kamen. Bis auf drei Einwohnerratsvorlagen wurden all diese Vorlagen wie beantragt vom Einwohnerrat genehmigt.

31 Fragen an Kandidierende

Das ZT hat den Kandidierenden für den Zofinger Stadtrat mit einem Fragebogen auf den Zahn gefühlt. Die Fragen sind einerseits dem berühmten Fragebogen von Max Frisch entnommen, andererseits sind sie von der Redaktion zusammengetragen worden. Die Kandidierenden hatten eine maximale Zeichenzahl zur Verfügung sowie einen Joker. (jam)

 

Bisher erschienen:

SP-Kandidatin Rahela Syed

FDP-Kandidat André Kirchhofer 

SP-Kandidat Lukas Fankhauser

Zur Person

Alter: 52
Zivilstand: verheiratet
Kinder: 2 Kinder im schulpflichtigen Alter (14- und 11-jährig)
Höchste Ausbildung: lic. iur., Fürsprecher
Beruf: Abteilungsleiter Bauinspektorat Basel-Landschaft
Hobbys: Telemark-Skifahren, Velofahren, Bergwandern, Lesen

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