Oltens Dion Knelsen: Captain, Teamleader, Familienmensch

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Dion Knelsen mit seiner Familie auf der Tipi-Drehscheibe: Addison (7), Viktor (5) sowie Ehefrau Kimberly mit Sofia (2). (Bild: Bruno Kissling)

Dion Knelsen wählt den Spielplatz Lindenweg in Hägendorf als einen seiner Lieblingsplätze aus. «Eine wunderschöne Aussicht! Wir mögen diesen Ort als Familie sehr», sagt er bei sommerlichen Temperaturen und blickt in die Ferne, wo die verschneiten Berge Eiger, Mönch und Jungfrau aus dem Alpenpanorama herausragen. Kaum angekommen, wollen Dion Knelsens 7-jährige Tochter Addison und der 5-jährige Sohn Viktor auf die Tipi-Drehscheibe, worauf der Papa das Spielgerät in Schwung bringt. Wenig später folgen auch Ehefrau Kimberly und das 2-jährige Töchterchen Sofia, die erst vom Mittagsschlaf erwachen ist.

11 Tage sind seit dem viel umjubelten vierten Playoffsieg gegen Sierre vergangen. Drei Tore und ein Assist verbuchte Dion Knelsen an jenem Abend, mitunter der 6:5-Gamewinner in der 89. Minute, der zweiten Verlängerung, welcher gleichbedeutend war mit dem Einzug in die Playoff-Halbfinals. Der Kanadier nimmt auf einer Bank Platz und sagt: «Das war Adrenalin pur! Ich habe für mehr als ein Jahr keine Zufriedenheit mehr im Job gespürt – und dann erlebe ich mit dem Team solche Emotionen. Das waren grossartige Gefühle.»

Corona, die fehlenden Fans, die miserablen Resultate, die Suche nach der eigenen Form. Es sei auf allen Ebenen «eine solch bizarre Saison, wie ich es noch nie erlebt habe», meint Knelsen. «Es war ein einziger grosser Kampf.» Auf einen schwachen Saisonstart folgten acht Siege, daraufhin die Krise mit acht Niederlagen, schliesslich ein solider Endspurt auf Platz fünf. Über Wochen, ja Monate hinweg, hätte nichts funktionieren wollen. «Es war frustrierend. Du versuchst alles Mögliche, arbeitest so hart, aber nichts gelingt dir. Es hatte ein ungesundes Ausmass angenommen, man fühlt sich als Spieler wertlos.» Schliesslich fand der EHC Olten zum Ende der Qualifikation hin rechtzeitig den Erfolg und konnte diesen in die Playoffs adaptieren. «Nun läuft es fast umgekehrt, es macht so viel Spass, dass man es kaum erwarten kann, bis das nächste Spiel kommt. Hätte mir jemand vor fünf, sechs Wochen erzählt, wir würden in den Playoffs solche Momente erleben, dann hätte ich es nicht für möglich gehalten.»

Im Alter von 13 Jahren ausgezogen

Dion Knelsen wuchs mit seinem beiden Brüdern Brandon und Kyle sowie seiner Schwester Dylina in High Level auf, ein 3000-Seelendorf in Alberta 750 km nördlich von Edmonton. Ihr Vater hatte ihnen jeweils bei Wintereinbruch ein eigenes Eisfeld im Garten gebaut, es hielt oftmals über fünf Monate. «Wir waren verrückt nach Eishockey. Andere Kinder verbringen ihre Zeit mit Videogames, wir hatten ein Eisfeld und verbrachten jede freie Minute darauf und spielten selbst bei Schneestürmen oder Minus-35-Grad. Ich hatte eine wunderbare Kindheit.» Im Alter von 13 Jahren zieht Dion Knelsen aus, um seinen Traum als Profi-Eishockeyspieler zu verwirklichen. Er wechselt zum Juniorenteam Red Deer Chiefs, worauf er sich mit 17 Jahren der Universität von Alaska anschliesst. Dort hinterlässt er grosse Spuren, drei von vier Saisons schliesst Knelsen als Topskorer ab. In seiner letzten Uni-Saison absolviert er in der ECHL für die Alaska Aces acht Spiele, erstmals kreuzen sich die Wege von ihm und Garry Nunn.

Bereits drei Jahre zuvor erhält Knelsen das Aufgebot für die U18-WM mit Kanada, spielt dort mit NHL-Grössen wie Steven Stamkos, Logan Couture oder Drew Doughty. Doch der 1,74m grosse Center drängt sich nicht für die NHL auf. «Man geht durch vier Drafts, wird dabei nie gedraftet. Irgendwann muss man den Blickwinkel öffnen und sich damit abfinden, dass es besser ist, seine Karriere in Europa zu lancieren», sagte Knelsen unlängst. 2010 wagt er den Schritt nach Norwegen, bestreitet eine Saison bei Sparta Sarpsborg. Daraufhin spielt er zwei Jahre in Schweden, um dann für drei Spielzeiten wieder für Sarpsborg auf Torejagd zu gehen. Knelsen: «Manchmal denke ich, hätte ich vielleicht grösseren Effort in Nordamerika leisten sollen. Viele Kanadier, die sich durchringen, nach Europa zu gehen, gestehen sich hingegen später ein, dass sie es viel früher hätten tun sollen.»

«Ohne meine Frau wäre ich längst verloren»

In Norwegen wird Knelsen von Rapperswil-Jona entdeckt, er wechselt 2016 in die Schweiz. In seiner zweiten Rappi-Saison steigt er in die NLA auf – und schickt damit Kloten in die Swiss League. Einer weiss also, wie Kloten zu schlagen ist. Knelsen lacht: «Ich denke, unsere jetzige Situation ist nicht mit der von Rappi zu vergleichen. Damals dominierten wir die ganze Liga und selbst dann brauchte es ein glückliches Spiel 7. Aber ich werde die Serie sicher im Hinterkopf behalten.»

In der National League vermag sich Knelsen nicht so recht durchsetzen, er öffnet den Knopf erst, als Rapperswil ihm längst mitgeteilt hat, dass sein Vertrag nicht verlängert wird. Dion Knelsen wechselt zum EHC Olten.

Es ist vielleicht eines der grössten Mankos des bitterharten Sportgeschäfts: als Importspieler in Europa weiss man nie so recht, wo man im nächsten Jahr spielt und lebt. «Wir waren diesbezüglich immerhin noch in einer komfortablen Situation, meine älteste Tochter, Addison, mag sich gerade noch an den Umzug in die Schweiz erinnern. Wir streben als Familie schon etwas Beständigkeit an.» So liegt es ihnen am Herzen, dass die Kinder die normale Schweizer Schule besuchen. «Die Kids machen es sehr gut, lernen beeindruckend schnell Deutsch und haben Freunde gefunden.» Komme er vom Eishockey nach Hause, sei er ganz der Familienvater. Dabei die Emotionen jeweils in der Garderobe zu lassen, gelinge ihm ordentlich. «Er versucht es zumindest immer wieder», sagt Ehefrau Kimberly und lacht. Er entgegnet: «Es ist wie bei jedem anderen Job auch: Manchmal denkt man eben sehr oft auch im Privaten an seinen Job.» Dion Knelsen gerät ins Schwärmen, wenn er über seine Frau spricht. Dass sie seinen Traum als Eishockeyprofi rund um die Welt trage, verdanke er ihr bis ans Lebensende. «Es gibt kaum Worte, die beschreiben, was ich für sie fühle. Ohne sie wäre ich schon längst verloren.»

Den Knelsens gefällts in Hägendorf. «Das Dorf bietet so viel Lebensqualität, die Schule ist eine Gehminute von unserem Zuhause entfernt, Olten liegt sehr nahe. Wir könnten uns nichts besseres wünschen.» Und dennoch haben sie in diesem Jahr besonders hart zu kämpfen – mit Heimweh. «Es gibt sehr viele Tage, an denen wir unsere Heimat vermissen. Meine Frau hat ihre Familie mittlerweile seit eineinhalb Jahren nicht mehr gesehen, ich meine seit zwei Jahren nicht mehr.» Tourismus-Besuche aus Kanada sind seit längerer Zeit nicht gestattet. «Es ist hart», sagt er mit gebrochener Stimme.

«Wir wollen unbedingt hierbleiben»

Kraft tankt Dion Knelsen im Glauben. «Wir glauben an Gott und beten viel für unsere Zukunft. Ich denke, wir sind gute Beispiele, dass man nicht perfekt sein muss, um Christ zu sein», sagt Knelsen. Es sei ein grosser Teil ihres Lebens «und in normalen Zeiten gehen wir regelmässig in die Kirche.» Vor den Spielen betet er in der Garderobe. «Damit mir Jesus Kraft gibt. Ich frage nach Erfolg und Gelassenheit und spreche Dankbarkeit aus, dass ich jeden Tag Eishockey spielen darf. Ich sehe es als grosses Privileg, das tun zu dürfen, was ich liebe.»

Im Januar ist Dion Knelsen 32 Jahre alt geworden und damit im Herbst seiner Profisportler-Karriere angekommen. «Man macht sich oft Gedanken, wie lange die Reise noch weitergehen mag. Die Kids werden älter – ich denke nicht, dass meine Frau mich bis 45 spielen lässt», sagt er und lacht. Sein Vertrag läuft Ende Saison aus, die Verhandlungen mit Olten würden laufen: «Ich hoffe sehr, dass wir uns finden. Mein Interesse, irgendwo sonst zu spielen, hält sich in Grenzen. Wir wollen unbedingt hierbleiben.» Gegen eine Vertragsverlängerung spricht mittlerweile wenig, in den vergangenen 12 Spielen erzielte er 12 Tore und 20 Assists, was 2,6 Punkte pro Partie ergibt. «Es ist verrückt. Ich spiele derzeit das Eishockey meines Lebens. Diese 12 Spiele waren total irre. Ich hatte noch nie solch persönlichen Erfolg. Es würde sich deshalb falsch anfühlen, etwas verändern zu wollen.»

Doch bevor Dion Knelsen seine Zukunft regelt, will er im Halbfinal gegen Kloten wieder seinen Job erledigen. «Wir haben nun so viel Selbstvertrauen, plötzlich denk man daran: Hey, es wird sicher nicht einfach, aber warum sollten wir diese Playoffs nicht auch gewinnen können? Ich bin überzeugt, dass wir noch einige Leute schockieren werden.»

Der EHCO muss auch auf Philipp Rytz verzichten

Der EHC Olten muss im Hinblick auf die Halbfinalserie gegen Kloten nicht nur die Ausfälle von Mason McTavish und Brennan Othmann (beide zurück nach Kanada) sowie von David Stämpfli und Greg Halberstadt (beide nicht spielberechtigt) in Kauf nehmen, sondern zusätzlich auch noch auf die Dienste von Philipp Rytz verzichten. Der Verteidiger zog sich ausserhalb des Eisfelds eine Unterkörperverletzung zu und wird in dieser Saison nicht mehr spielen können. Heute Nachmittag um 15.45 Uhr kommt es im Schluefweg zum ersten Duell. (ku)

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