Der abtretende Feldheim-Leiter Urs Brunner: «Ich habe für diese Aufgabe gelebt»

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«Ein Symbol für die Harmonie»: Urs Brunner vor der Sonnenkugel des Künstlers Gottlieb Soland, die zuvor im Sonnenkreisel stand. Er rettete sie vor der Verschrottung und liess sie restaurieren. Sie soll bald vor dem Feldheim einen definitiven Platz finden. Bild: Marc Benedetti

Urs Brunner (66) hat die Leitung des Feldheims bereits offiziell an seinen Nachfolger Roland Meier übergeben (Ausgabe vom 3. April). Bis Ende Monat wird der ehemalige Heimleiter noch arbeiten. Dann verabschiedet er sich in den Ruhestand. Kein einfacher Moment für ihn, das spürte man am Interview-Termin. Brunner hat das regionale Alters- und Pflegezentrum mitgegründet und führte es seit der Eröffnung am 17. April 1990.

Urs Brunner, was ist das für ein Gefühl, die Leitung des Feldheims nach so langer Zeit abzugeben, spüren Sie eine gewisse Erleichterung?

Urs Brunner: 32 Jahre waren es (seine Stimme stockt). Es war eine sehr interessante, spannende und vielseitige Aufgabe. Ich war bis zuletzt voll dabei, und die Übergabe ist nicht so einfach. Aber ich denke von meinem Alter her ist es notwendig, dass ich die Leitung nun in jüngere Hände geben konnte.

Ihr Abschied fällt mit der Covid-19-Pandemie in eine Krisenzeit.

Die Virus-Misere hat es mir einfacher gemacht loszulassen. Die letzten Monate waren sehr herausfordernd mit den wechselnden Massnahmen, die fürs Wohl unserer Bewohner und das Umfeld umgesetzt werden mussten. Diese sind teilweise auf Unverständnis gestossen. Glücklicherweise ist im Feldheim aber niemand an Covid-19 gestorben. Nun gibt es einige Lockerungen. Unsere Bewohnerinnen und Bewohner können seit 1. April wieder Besuche bei ihren Angehörigen machen, wenn sie geimpft sind. Den Erweiterungsbau haben wir ebenfalls zu Ende gebracht.

Hätten Sie sich eine «normalere» Zeit für Ihren Abschied gewünscht?

(lacht) Ich sage immer: Es ist so, wie es ist. Es wäre sicher angenehmer gewesen, wenn wir eine normale Zeit gehabt hätten, aber ich nehme es sportlich so an. Es kommen wieder andere Zeiten. Wir brauchen einfach Geduld.

Was werden Sie vermissen – und was eher nicht?

Sicher werde ich das Feldheim, seine Bewohnerinnen und Bewohner, mein Kader und die Mitarbeitenden vermissen. Ich werde Abstand nehmen und meinen Tag mehr so gestalten und nehmen können, wie es kommt. Ein Vorteil ist auch, dass mein Alltag nicht mehr so fest verplant sein wird. Ich habe mich in letzter Zeit ein wenig vorbereitet: Ich bin ein Abendmensch, mein Start ist jetzt nicht mehr vor 8 Uhr morgens.

Wie würden Sie Ihren Führungsstil bezeichnen?

Mir ist wichtig, dass man die Leute mitnimmt. Du musst führen, aber im Einklang und nicht diktatorisch. Sonst hast du keine Chance im sozialen Bereich.

Haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Sie als Chef gerngehabt?

Die Anerkennung habe ich bekommen. Ob sie mich immer gerngehabt haben, weiss ich nicht (lacht). Das ist wohl nicht möglich. Ich habe alle Angestellten mit dem Namen gekannt und sie immer ernst genommen.

Wie gingen Sie mit der grossen Verantwortung als Heimleiter um, Stichwort abschalten?

Das war nicht immer einfach … Manchmal nahm man Probleme mit nach Hause. Ich hatte aber ein gutes Familienumfeld, das ist enorm wichtig. Meine Frau Agnes hat Nachtwache im Feldheim gemacht und ich konnte mich, zu dem, was möglich war, mit ihr austauschen. Wichtig ist auch, ein gutes Kader zu haben, mit dem du dich gut aussprechen kannst und gegenseitige Abmachungen treffen kannst.

Mit der Technik und den Mails hatten Sie es nicht so. Wenn man etwas von Urs Brunner wollte, rief man am besten an. Richtig?

Ja, ich bin kein Mail-Mensch. Ich erhielt zu gewissen Zeiten täglich Dutzende von Mails. Ich war kein Hirsch im IT-Bereich, habe aber versucht, mitzuhalten. Roland Meier hat das sicher besser inne als ich. Die heutige Zeit macht mir eher etwas Mühe. Kürzlich fuhr ich mit dem Zug, und alles schaute in ein Handy. Man redet nicht mehr miteinander. Die Jungen kommunizieren auch, aber auf eine andere Weise. Ich wünschte mir, dass man auch ohne die technischen Geräte wieder aufeinander zugehen würde. Deshalb haben mich auch die Anlässe im Feldheim immer sehr wichtig gedünkt.

Was wünschen Sie Ihrem Nachfolger Roland Meier?

Primär wünsche ich ihm alles Gute, viel Freude und Durchhaltewillen. Ich will ihm aber keine Empfehlungen abgeben. Roland konnte in den letzten vier Jahren das Haus kennenlernen und weiss, wie wir ticken. Es wäre schön, wenn er das Feldheim in diesem Sinne und Geist weiterführen könnte. Ich bin mir aber bewusst, dass es auch Änderungen geben wird. Gut finde ich, wenn man jeweils step by step vorgeht und nicht das Kind mit dem Bade ausschüttet.

Vor dem Feldheim hatte Reiden ein Bürgerheim im Reidermoos. Ist es wahr, dass Reider dort für 50 Franken pro Tag Kost und Logis und Betreuung erhielten?

Das ist seinerzeit wahrscheinlich noch günstiger gewesen. Im Bürgerheim lebten Leute, die soziale und wirtschaftliche Probleme hatten. Gemäss dem Bürgerortsprinzip war ihre Heimatgemeinde für sie zuständig. Der Betrieb war mit einem Landwirtschaftsbetrieb verbunden und die Heimbewohner mussten nach Möglichkeit im Bauernhof oder im Haushalt helfen. Das war eigentlich noch kein Altersheim.

Waren Sie stolz, das moderne Feldheim anno 1990 eröffnen und leiten zu können?

Stolz wäre eine falsche Aussage. Aber ich hatte grosse Freude und Motivation, an meinen Heimatort zurückzukommen und ein solches Projekt andenken und umsetzen zu können. Ich hatte ein Konzept und Strategien für eine solche Siedlung erstellt, zusammen mit dem damaligen Gemeinderat Reiden. Umgesetzt haben den Bau zwei Gemeinde-Verbände mit 14 Gemeinden. Die Neueröffnung des Feldheims war eine grosse Aufgabe und es war schon 1989 eine enorme Herausforderung, qualifiziertes Pflegepersonal zu finden. Deshalb sind wir immer sehr dankbar gewesen, im Feldheim Nachwuchs ausbilden zu dürfen. Aus- und Weiterbildung ist sehr wichtig. Als Arbeitgeber dürfen wir nicht den Fachkräftemangel bejammern, sondern müssen etwas Konkretes dagegen tun. Wir haben momentan 25 Auszubildende, das umfasst Grundbildungen wie Weiterbildungen.

Wie hat sich das Feldheim verändert in den Jahren?

Vor 30 Jahren lebten hier viele noch selbständige mobile Senioren. Die Leute waren Hotelgäste im Haus A, dem damaligen Altersheim, und verpflegten sich im Speisesaal. Heute können sie auf den Wohngruppen essen und wir liefern das Essen auf die Etagen, weil die Bewohner bedürftiger geworden sind. Einige unserer Bewohner sind zwar noch mobil. Aber der Schritt zum Pflegezentrum war wichtig. Manche haben soziale Indikationen und können – trotz Hilfe der Spitex – nicht mehr alleine zuhause leben. Ich bin überzeugt, dass wir auch in Zukunft Pflegezentren haben müssen. Es gibt Stimmen, die sagen, wir bräuchten sie nicht mehr. Wenn jemand pro Tag mehr als eineinhalb Stunden Dienstleistung braucht, ist der Eintritt in ein Zentrum angebracht. Wir sind effizient und können die Leute hier gut beherbergen und pflegen.

Wie haben sich die finanziellen Rahmenbedingungen entwickelt?

Heute müssen die Bewohner die Vollkostenrechnung bezahlen. Zur Zeit der Eröffnung des Feldheims 1990 haben Bund, Kanton und Gemeinden à fonds perdu ins Haus investiert. Heute müssen die Senioren auch die Abschreibungen und Zinsen der Liegenschaft mitbezahlen. Das wollte die Politik so. Personen, welche zu wenig Einkommen haben, können zur Finanzierung des Heimaufenthaltes Ergänzungsleistungen (EL) beantragen. So kann auch heute jede Person einen Heimaufenthalt selber bezahlen.

Würden Sie wieder Heimleiter im Feldheim werden, wenn Sie nochmals anfangen könnten?

Ja, ich würde es sofort wieder machen. Wenn man eine Aufgabe mit Herzblut und Engagement erfüllt, braucht es dich vollumfänglich. Ich zählte die Zeit und die Stunden nicht und habe für diese Aufgabe gelebt. Ich habe es nie bereut.

Haben Sie schon Pläne für Ihren Ruhestand?

Aufgaben habe ich weiterhin. Nach einer bewussten Phase des Rückzuges werde ich gerne mehr Zeit mit meiner Ehefrau Agnes verbringen und vieles tun, das in den letzten Jahren nicht möglich war: Ferien, spontan reisen und Begegnungen. Weiterhin werde ich mich sozial und kulturell engagieren. Bei Bedarf im Vorstand der Wohnbaugenossenschaft Wohnen im Alter (WIA) Reiden. Wir realisieren aktuell ein weiteres, grosses Bauprojekt im Gässlifeld mit 28 altersgerechten Wohnungen mit Dienstleistungen. Unter normalen Umständen wäre ich nach meinem Abschied Ende April nach Italien gefahren, um in einer Schule besser Italienisch zu lernen sowie anschliessend einige Zeit die italienische Kultur und viele historische Stätten in Umbrien besser kennenzulernen. Das ist verschoben. Dann haben wir auch ein Grosskind, für das ich mehr Zeit haben werde, bald soll es ein zweites geben. Ich bin auch gerne in der Natur und gehe gerne in den Bergen wandern.

Zur Person

Urs Brunner wurde am 17. April 1955 geboren und wuchs in Reiden auf. Seine Eltern führten das Schuhhaus Brunner mit Schuhmacherwerkstätte an der Hauptstrasse, welche sein Bruder heute als Orthopädie-Schuhwerkstatt weiterführt. Brunner war viele Jahre Abteilungsleiter der Pfadi Reiden und in der Pfarrei engagiert. Nach einer Banklehre bei der Volksbank Neuenkirch in Reiden (heute Valiant) absolvierte er die Hochschule für Wirtschaft in Luzern und schloss als Betriebsökonom HWV ab. Danach arbeitete er zuerst bei Banken und stieg dann quer in den Sozialbereich ein. Im Dezember 1989 trat er seine Stelle als erster Heimleiter im Regionalen Alters- und Pflegezentrum Feldheim mit Sitz in Reiden an. Den abtretenden Heimleiter hat es immer gereizt, eine soziale Führungsaufgabe im öffentlichen Bereich mit betriebswirtschaftlichen Elementen unter Einhaltung eines öffentliches Leistungsauftrages (beschränkte Mittel) erfolgreich und optimal zu verbinden, sagt er. Urs Brunner lebt mit seiner Frau Agnes unweit des Feldheims, sie haben zwei erwachsene Töchter. (ben)

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Urs Brunner (rechts) bei der Stabsübergabe am 1. April an seinen Nachfolger Roland Meier (links). In der Mitte Hans Luternauer, Präsident des Gemeindeverbands Regionales Alters- und Pflegezentrum Feldheim.
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