Oltens Cédric Hüsler: «Hallo zusammen, ich bin wieder da»

picture-2120212464-accessid-81524996.jpg
Cédric Hüslers Comeback nach viermonatiger Verletzungszeit war Gold wert für den EHC Olten. (Bild: freshfocus/Marc Schumacher)

Schon das Einspielen lässt erahnen, dass dieses Samstagabend-Spiel, dieses vierte Spiel der Halbfinalserie gegen Kloten, nicht zu vergleichen sein wird mit den drei Partien zuvor. Cédric Hüsler bringt im Warmup nicht nur seinen Körper auf Betriebstemperatur, sondern auch sein Mundwerk, sucht schon vor dem ersten Bully den Kontakt zum Gegner. Er befreundet sich schnell einmal mit Klotens Rebell Marc Marchon, auch Gähler und Seiler gesellen sich dazu und lassen sich von Hüsler, der den Job als Oltner Unruhestifter vollumfänglich erfüllt, provozieren. Erst fallen bloss nette Worte, worauf an der Mittellinie dem Gegner erste Stockschläge verpasst werden. Was Hüsler ihnen im Trashtalk schon vor Spielbeginn gesagt hat? Er muss nach dem Spiel schmunzeln und sagt mit einer gesunden Portion Humor: «Ich habe sie begrüsst. ‘Hallo zusammen, ich bin wieder da. Wir haben uns ja lange nicht mehr gesehen’.»

Tatsächlich ist die Überraschung gross, als Cédric Hüsler und auch Philipp Rytz im Oltner Lineup des vierten Spiels figurieren. Eigentlich war Hüsler auf bestem Wege dazu, seinen Wadenbeinbruch vom 23. Dezember im Spiel in Sierre so weit auskuriert zu haben, dass ein Comeback just auf Beginn der Halbfinalserie möglich erschien. Doch dann erfuhr er einen Rückfall, verspürte in den täglichen Eistrainings Schmerzen und musste die Rückkehr verschieben. Nun, mit dem 0:3-Rückstand nach Siegen, gab es für ihn kein Halten mehr. «Ich habe mich ab Donnerstag sehr gut gefühlt und wollte unbedingt einen Input geben, meinen Teil dazu beitragen, ein Stück Emotionen reinbringen, dass wir noch einmal einen Schritt machen und damit ernsthaft daran glauben, dass wir diese Serie noch wenden können. Es ist noch ein weiter Weg, aber das war schon mal ein Anfang», sagt Hüsler.

«Sie haben dem Team viel Energie gegeben»

Auch das Comeback von Verteidiger Philipp Rytz zeichnete sich nicht ab – ganz im Gegenteil: Sein Saisonende war in Absprache mit Ärzten bereits verkündet worden, doch dank schnellem Heilungsprozess seiner Unterkörperverletzung und Abklärungen bei verschiedensten Ärzten, die ihm letztlich grünes Licht erteilten, war er bereit für einen Einsatz. Rytz: «Es ist phänomenal, zurück zu sein. Hüsler war lange verletzt und ich musste drei Spiele zusehen. Es ist extrem schwierig, von aussen tatenlos zuzusehen. Wir haben viel miteinander gesprochen, man sieht einiges, will gerne helfen. Wir wollten noch einmal etwas Playoffhockey reinbringen  und aufzeigen, dass wir für das Team da sind. Dabei wollen wir sicher nicht gefährlich spielen, aber Präsenz markieren.» Das ist den beiden mehr als nur gut gelungen, hatten die beiden doch stets nahe am Abgrund gespielt, doch nie darüber hinaus und somit keine einzige Strafe eingefangen.

Auch Trainer Fredrik Söderström freute sich über die Comebacks von Cédric Hüsler und Philipp Rytz: «Sie haben dem Team viel Energie gegeben. Ich bin glücklich, dass sie zurück sind. Sie waren eine wertvolle Motivationsspritze.» Söderström hatte Gefallen gefunden an Hüslers Einsatzbereitschaft, der den Job als Unruhestifter erfüllte. «Er sprach ständig mit den Gegenspielern. Ich konnte sehen, wie er ihnen unter die Haut geht, sie nervt und aus der Fassung bringt. Das gehört in den Playoffs auch dazu. Er war schon bis zu seiner Verletzung eine wichtige Persönlichkeit für das Team und strahlt eine unglaubliche Mentalität aus.»

Wird Spiel 5 ein ähnlich emotionales Battle?

Was erwartet der EHC Olten heute Abend, 19.45 Uhr, für ein Spiel fünf in Kloten? Philipp Rytz sagt: «Ich denke, wir sollten uns auf ein ähnliches Battle vorbereiten wie am Samstag. Wenn man die Teams anschaut, dann sieht man, dass sie breiter aufgestellt sind. Wir müssen vielleicht anerkennen können, dass sie etwas mehr spielerische Qualitäten haben. Aber wir haben gesehen, was mit Kampf und Einsatzbereitschaft alles möglich ist. Auch wir können Akzente setzen.»

Klar ist, dass der EHCO defensiv viel stabiler auftreten muss.  Drei fahrlässige Fehler, die zu Toren führen, wird es wohl kein zweites Mal mehr dulden. «Da müssen wir den Hebel ansetzen. Die Arbeit vor unserem Tor müssen wir verbessern und die Fehler, die zu Toren führen können, unterlassen.» Und wer weiss: Finden die Oltner ein weiteres Mal den Weg unter die Haut des Gegners, dann lässt es sich sehr wohl das Glück ein zweites Mal erzwingen.

Der EHCO verhindert das Saisonende

Als am Samstagabend ein Drittel absolviert war, da musste man sich aus Sicht des EHC Olten fragen: Wie will man das Saisonende verhindern, wenn man dem sowieso schon talentierteren Gegner die Tore auch noch auf dem Silbertablett serviert? 2:3 stand es nach 20 Minuten. Und der EHC Kloten wusste wohl selber nicht so recht, wie er zu seinen drei Toren gekommen war. Allen Treffern gingen mehr oder weniger gravierende, individuelle EHCO-Fehler voraus.

Aber wenn man etwas in dieser Saison bezüglich der Oltner Mannschaft gelernt hat, dann die Tatsache, dass ihre Kampfmoral gross ist und aufgeben keine Option ist. «In diesem Moment kam uns zugute, dass wir in der laufenden Meisterschaft schon viele, schwierige Phasen durchlebt und immer wieder einen Weg aus ihnen herausgefunden haben», befand Oltens Headcoach Fredrik Söderström.

Im zweiten Drittel erbrachte der EHCO jedenfalls eindrücklich den Beweis dieser mentalen Stärke. Diese 20 Minuten gehörten zum Besten, was die Oltner in dieser Saison zu bieten hatten. Das Tor der Klotener wurde unablässig bestürmt – und der Lohn kam auch endlich in Form von Treffern. Stan Horansky mit einem «doppelten Ablenker» und Leonardo Fuhrer sorgten für die Wende im Mitteldrittel. Wiederum Horansky – nach toller Vorarbeit von Garry Nunn – führte den EHCO zu Beginn des Schlussdrittels mit dem 5:3 auf die Siegstrasse. Auch wenn der EHC Kloten natürlich in der Folge noch mal einen Gang höher schaltete und dem Anschlusstreffer mehrmals nahe kam – unter anderem sah Robin Figren seinen Penalty vom starken Simon Rytz abgewehrt – hielten die Oltner erfolgreich dagegen. Sie wurde zwar gebogen, aber die zerbrachen nicht angesichts des gegnerischen Drucks.

Das ist aus Sicht der EHC Olten die erfreuliche Erkenntnis aus diesem Spiel. Es war quasi die Bestätigung, dass man mit dem favorisierten Gegner nicht nur mithalten kann, sondern auch in der Lage ist, selber Akzente zu setzen.

Bleibt die grosse Frage, ob dieser Auftritt in Spiel vier mehr als nur ein Strohfeuer war vom EHCO? Denn klar ist: Die Mannschaft ist immer noch nur eine Niederlage vom Saisonende entfernt. «Viele Experten haben uns bereits abgeschrieben nach der dritten Niederlage», bemerkte Oltens Headcoach Fredrik Söderström. «Aber jetzt haben wir das erste Mal richtiges Playoff-Hockey gezeigt und eine klare Message gesendet: Wir sind noch nicht bereit für die Sommerferien!»

Söderström lobte dabei vor allem die Art und Weise, wie seine Mannschaft auftrat: «Mit Emotionen, mit Härte, aber eben ohne Strafen zu nehmen. Es ist eine Gratwanderung, die uns diesmal gut gelungen ist.» Der Schwede hatte auch mit Freude festgestellt, dass seiner Mannschaft endlich auch mal «hässliche Tore» gelungen waren und vor allem, «dass wir unser Selbstvertrauen zurückgewonnen haben. Die ersten Spiele haben wir auch deshalb verloren, weil wir gar nicht richtig an unsere Chance geglaubt haben.»

Der Schlüssel in Spiel 5? «Wir müssen diszipliniert und geduldig bleiben», so Söder-ström. Und – ganz wichtig: «Wir dürfen ihnen nicht mehr solche Tore schenken.» In der Tat: Ein zweites Mal wird Kloten diese gravierenden Fehler bestrafen.

Ihr Eintrag wird nach einer Überprüfung online gestellt.
Keine Kommentare vorhanden
Heute auf zofingertagblatt.ch
Frage des Tages
Marktplatz
regiostellen.ch
Garage Grundbacher AG
Werkstattkoordinator, Kader, Aefligen
Garage Grundbacher AG
Automobil-Mechatroniker, Mitarbeiter, Aefligen
Blum Innenausbau AG
Schreinermonteur, Mitarbeiter, Dagmersellen
Metzgerei Kreienbühl AG
Verkäuferin/Koch/Fleischfachfrau Veredelung, Mitarbeiter, Reiden
Swissglasboy GmbH
AVOR Glasmontage, Mitarbeiter, Bützberg
TRICO AG
Polymechaniker/in EFZ/Produkto, Mitarbeiter,
regioimmo.ch
Abo-Service

Normal-Abo (e-Paper/Digital inkl.)

Schnupper-Abo / Probe-Abo

Digital-Abo

Leserangebote
Partner