Kunsthaus Zofingen: Blicke in äussere und innere Horizonte

wolken.jpg
Links: Prall gefüllte Wolke, die zu platzen droht: Karolin Schreibers «Wolke». Rechts: Naturschauspiel oder doch nicht? Rachel Bühlmanns Inszenierung «Wolke». Bilder: mif
Meyer_Brandis_Moon_Goose.jpg
«Schwerelosigkeitstraining für den Weltraumflug: Die Künstlerin Agnes Meyer-Brandis mit ihren Gänsen im Teich.»

Die Grenzen zwischen Himmel und Erde lassen sich immer wieder verschieben – durch den Positionsbezug und durch stete Bewegung. Der Künstler Ernst Waldner empfindet dies als Ausdruck von Freiheit: «Glücklicherweise nehmen wir unsere Augenhöhe, unseren Horizont immer mit, wenn wir hinauf- und hinuntersteigen.» Unseren Horizont wählen wir also immer selbst. Je nach Ort verschiebt sich die Trennlinie, fällt unten, oben oder auch die Trennlinie selbst mehr ins Gewicht.

Für Künstler ist dies eine faszinierende Möglichkeit, sich eine eigene Schule des Sehens zu erschaffen. Geradezu programmatisch gelingt dies der Fotografin Rachel Bühlmann, die selbst unmittelbar in der Nähe des Kraftwerks Gösgen wohnt. An einem Nebeltag nimmt sie aus erhöhter Perspektive ein eindrückliches Bild auf. Einem mystischen Hauch gleich durchstösst die Dampfsäule aus dem im Nebel vergrabenen Atommeiler den Horizont und verbindet die Nebelbank mit dem Alpenpanorama. Alles daran scheint Natur zu sein.

Innere, äussere und flüchtige Horizonte

Bei Karolin Schreiber verdichtet sich die Wolke zum prallen Gebilde. Sie hat sich den äusseren Horizont einverleibt. Zum inneren raumgreifenden Horizont implodiert, droht sie nun zu platzen. Raumgreifend aneinander reiht dagegen Esther Amrein ihren schmalen Papierstreifen mit schemenhaften Übergängen zwischen Himmel und Landschaft, die sie mit «Flüchtiger Horizont», «Spaziergänge zum Horizont» betitelt. Dem aus dem Gebrauch geratenen Begriff des Gesichtskreises haucht sie in der figurativen Umsetzung neues Leben ein. Wer sich in diesen Kreis begibt, ist in einem Radius von rund einem Meter eng von 360 Grad Horizont umhüllt. In ihrer Komposition «ebenda», die sich aus verschiedenen kleinen Bildern an der Wand zusammensetzt, begibt sie sich unter den Horizont. Bettlägerig und zugedeckt werden Kissen und Bettdecken zu nicht zu überblickenden Gebirgszügen und Alpenformationen.

Das gemeinsam mit Rosângela de Andrade Boss realisiertes Tuschezeichnungs-Dyptichon «Cortina» nimmt eine Herangehensweise des berühmten Schweizer Landschaftsmalers Caspar Wolf (1735–1783) auf. Der Pionier der Alpenmalerei hat die Alpen mit wissenschaftlichem Blick skizziert. Seine im Nachgang aus den präzisen Skizzen erstellten Landschaftsbilder waren Vorbild für ­zahlreiche Alpenmaler. «Cortina» verschränkt Makroskopisches mit ­Mikroskopischem zum Landschaftsgemälde.

Verspielte und explorative ­Horizonterforschung

Gewohnt verspielt leistet auch der bekannte Künstler Roman Signer seinen Beitrag. Das Kunstvideo zeigt, wie drei Ballons flach über die Wüste Nevadas segeln und ein Absperrband abwickeln. Das Band bildet Wegleitung und Gesichtshorizont der Kamera, das ihm durch die karge flache Landschaft folgt.

In ihrer explorativen Neugier haben Signer und der im Obergeschoss ausstellende Ernst Waldner gemeinsame Anknüpfungspunkte. Mit Akribie widmet sich Waldner der Horizontalen in der Landschaft, sucht nach Formenmustern und löst diese wieder auf. Mitunter in zwei grossformatigen Landschaftsansichten, die nicht nur die Landschaft zeigen, sondern auch die Luft, die Spiegelungen und Gerüche spürbar macht, die über dieser Landschaft hängen.

Ebenso berückend wie belustigend ist Agnes Meyer-Brandis Blick auf die Landschaft. Ihr Dokumentarfilm «The Moon Goose Colony» dokumentiert mit wissenschaftlichem Gestus die Weltraumausbildung von Gänsen für den Mondflug. Ihre intensive Zusammenarbeit mit Gänsen vom Küken bis zum erwachsenen Tier hält seltene Bilder bereit, die einen stetig schmunzeln lassen.

Indem sie einen auf eine ausgedehnte Reise hinter den Horizont mitnimmt, ist «Horizonte» mehr als eine Ausstellung. Sie ist ein Erlebnis, das bewusstmacht, wie man selber seine Horizonte setzt – und glücklicherweise auch setzen kann. In dieser Erkenntnis wohnt viel Freiheit.

Die Ausstellung

«Horizonte» dauert von Samstag, 17. April, bis Sonntag, 20. Juni. Öffnungszeiten: Donnerstag, 18 bis 21 Uhr, Samstag und Sonntag, jeweils 11 bis 17 Uhr.

Informationen zu den Rahmenveranstaltungen (je nach Möglichkeiten aufgrund der Corona-Bestimmungen): www.kunsthauszofingen.ch

Ihr Eintrag wird nach einer Überprüfung online gestellt.
Keine Kommentare vorhanden
Heute auf zofingertagblatt.ch
Frage des Tages
Marktplatz
regiostellen.ch
Blum Innenausbau AG
Schreinermonteur, Mitarbeiter, Dagmersellen
Alberati Architekten AG
Architekt|in 60-80% / dipl. Bauleiter|in HF 80%, Mitarbeiter, Zofingen
Teilzeitselle im Stundenlohn, Mitarbeiter,
Gyger-Brack AG
Zimmermann EFZ, Mitarbeiter, Zofingen
Gyger-Brack AG
Zimmermann EFZ, Mitarbeiter, Zofingen
Gyger-Brack AG
Zimmermann EFZ, Mitarbeiter, Zofingen
regioimmo.ch
Abo-Service

Normal-Abo (e-Paper/Digital inkl.)

Schnupper-Abo / Probe-Abo

Digital-Abo

Leserangebote
Partner