Warten statt testen: Warum es im Aargau harzt mit dem Testen und wann es richtig losgehen soll

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Ein Schüler aus Meggen LU nach dem Corona-Spucktest. Im Aargau soll das Projekt an Schulen und Firmen übernächste Woche starten. Eveline Beerkircher

Der Kanton Aargau sieht regelmässige Tests in Firmen und Schulen als «wichtigen Pfeiler der Pandemiebekämpfung». «Wir wollen mehr Tests statt Quarantäne», wird Kantonsärztin Yvonne Hummel in einer Mitteilung des Gesundheitsdepartements vom 26. Februar zitiert. Bis zu 200'000 Tests pro Woche sollen im Aargau stattfinden. 100'000 in Schulen und Heimen und «mindestens so viele» in Unternehmen.

Laut Bundesamt für Gesundheit sollen 40 bis 60 Prozent der mobilen Bevölkerung zwischen 15 und 65 Jahren getestet werden, um genug Infizierte zu erkennen, damit die Fallzahlen trotz Lockerungen nicht steigen.

Kantonsärztin will ab Mitte Juni 200'000 Personen pro Woche testen

Im Aargau erreiche man diese Zielgrösse, indem ab Mitte Juni jede Woche 200'000 Personen getestet werden, sagt Hummel. Rund 100'000 Tests braucht es, um alle Schulen und Heime zu testen. «Wenn nicht alle mitmachen, können mehr Betriebe testen», sagt die Kantonsärztin.

Von diesem Ziel ist der Aargau im Moment noch weit entfernt. Seit der Bundesrat am 27. Januar beschlossen hatte, die Teststrategie zu erweitern und die Kosten für Massentests zu übernehmen, wurden im Aargau ein Pilotprojekt gestartet und abgeschlossen, ein Anmeldeportal für Firmen geschaffen, und der Regierungsrat hat 1,5 Millionen Franken für das Hauptprojekt «Repetitives Testen» bewilligt. Breit getestet wurde seither noch nicht.

Während des Pilotprojekts, das vom 3. bis 26. März dauerte, wurden insgesamt 7233 Einzelproben erhoben. Aktuell wird in vier Pflegeheimen, fünf Schulen, zwei Betrieben und drei Betreuungsinstitutionen getestet, die bereits beim Pilotprojekt dabei waren.

Feldschlösschen sieht im Bündnerland, dass es funktioniert

Das Interesse für regelmässige Tests wäre durchaus vorhanden. 330 Betriebe mit rund 40000 Mitarbeitenden haben sich auf der Website des Kantons registriert. Wie es weitergeht, wissen sie noch nicht.

Feldschlösschen-Sprecherin Gaby Gerber sagte bereits Anfang März zur AZ, die internen Abläufe seien vorbereitet und sobald die Tests zur Verfügung stehen, sei man bereit. Eineinhalb Monate später wartet Feldschlösschen immer noch.

Gaby Gerber ist Mediensprecherin bei Feldschlösschen.

Gaby Gerber ist Mediensprecherin bei Feldschlösschen. Thomas Wehrli

Gleichzeitig werden an den Feldschlösschen-Standorten im Kanton Graubünden die Mitarbeitenden bereits seit dem 10. Februar wöchentlich getestet. «Das weckt verständlicherweise auch bei den Mitarbeitenden am Hauptsitz in Rheinfelden und anderen Standorten in der Schweiz Begehrlichkeiten», sagt Gerber.

Gerber hofft, dass es im Aargau bald möglich ist, dass Feldschlösschen am Testprogramm für Firmen teilnehmen kann. Sie befürchtet nämlich, dass das lange Warten sich negativ auf die Motivation auswirkt.

«Es könnte fälschlicherweise der Eindruck entstehen, dass das Testen gar nicht so wichtig ist, weil weitere Öffnungsschritte umgesetzt sind, während das Testen noch in Planung ist.»

Dass die Firmen langsam ungeduldig werden, spürt auch Apotheker-Präsident Lukas Korner. Er hatte Anfragen von Unternehmen aus der Region, die bei ihm Selbsttests beziehen wollten, um die Mitarbeitenden regelmässig testen zu können.

Korner musste ihnen absagen. «Gemäss Bundesamt für Gesundheit dürfen wir keine Selbsttests an Firmen verkaufen.» Er würde dies durchaus sinnvoll finden. «Vor allem, weil der Aargau beim repetitiven Testen noch nicht so weit ist wie andere Kantone.»

Komplexität des Projekts führte zu Verzögerungen

Ursprünglich sollte das Hauptprojekt Anfang April starten. So steht es in der Mitteilung vom 16. März. In jener vom 9. April heisst es dann, dass in den Firmen «frühestens Anfang Mai» und «schrittweise» mit dem Testen begonnen werden soll. Der Aufbau der Infrastruktur und die Komplexität des Vorhabens erforderten einen gewissen Vorlauf, begründete das Gesundheitsdepartement die Verzögerung.

Der Nachbarkanton Baselland hatte damit offenbar weniger Schwierigkeiten. Dort wird seit dem 19. März an allen Schulen getestet, und auch in Firmen finden regelmässig Tests statt. In der Woche vom 28. März wurden 34978 Einzelproben abgegeben – fast fünfmal so viele wie während des Pilotprojekts im Aargau.

Philipp Grolimund, Präsident Aargauer Schulleiterverband.

Philipp Grolimund, Präsident Aargauer Schulleiterverband. Chris Iseli

Trotzdem hat Philipp Grolimund, Präsident des Aargauer Schulleiterverbands, Verständnis, dass es im Aargau etwas länger dauert. Er sagt:

«Wichtiger als die Geschwindigkeit sind eine saubere Logistik sowie eine gute Information und Kommunikation.»

Für grössere Kanton wie den Aargau, sei die Organisation schwieriger als für kleinere Kantone wie Baselland, so Grolimund.

Vieles hängt von der Einstellung der Eltern ab

Seitens Kanton hätten die Schulen diese Woche Informationen erhalten zu den Rahmenbedingungen der Tests und zur Anmeldung, sagt Grolimund. Auf dem Schulportal wurden die Schulleitungen am Mittwoch gebeten, bis Ende Woche eine kurze Umfrage auszufüllen, um dem Kanton die Planung zu erleichtern.

Grolimund rechnet damit, dass viele der 250 Schulen im Aargau bereit sind, beim Projekt mitzumachen. Ausschlaggebend seien neben den Rahmenbedingungen auch die Eltern. «Es gibt Eltern, die würden regelmässige Tests sehr befürworten; andere lehnen sie – wie alle Massnahmen – partout ab», sagt Grolimund.

Fällt im Mai die Maskenpflicht an Schulen?

Der Schulleiterpräsident findet regelmässiges Testen an Schulen sinnvoll, obwohl Erfahrungen in anderen Kantonen zeigen, dass nur sehr wenige positive Fälle entdeckt werden. «Die Tests sorgen für Sicherheit», sagt Grolimund. Ausserdem hofft er, dass dank der Tests vielleicht bald die Maskenpflicht an Schulen aufgehoben wird.

Laut Mitteilung im Schulportal sollen im Mai Lockerungen vorgenommen werden, «sofern es die epidemiologische Lage erlaubt». Diese würden die Maskenpflicht sowie die Durchführung von Schulreisen betreffen.

«Konzepte müssen an die Gegebenheiten der Kantone angepasst werden»

Organisatorisch ist das Test-Projekt bei Kantonsärztin Yvonne Hummel angegliedert. Dass es andernorts schneller vorwärtsgeht, erklärt Hummel damit, dass andere Kantone im Rahmen von Pilotversuchen eigenverantwortlich und früher mit dem Testen begonnen hätten. «Damals war unklar, ob das Testen machbar ist und welchen Nutzen es hat.»

Kantonsärztin Yvonne Hummel.

Kantonsärztin Yvonne Hummel. Britta Gut

Hummel betont, der Aargau sei «der erste der grossen Kantone, der mit dem re­petitiven Testen begonnen und im Rahmen eines strukturierten Pilotprojektes detaillierte Erfahrungen gesammelt hat».

Der Kanton könne auch nicht einfach ein funktionierendes Konzept eines anderen Kantons übernehmen. Die Konzepte müssten an die Gegebenheiten der Kantone angepasst werden.

Aargau setzt auf Bündner IT-Lösung

Das Bundesamt für Gesundheit stellt keine IT-Lösung für regelmässige Tests zur Verfügung, sondern empfiehlt die Lösung «2weeks» des Kantons Graubünden und «together we test» der Hirslanden-Gruppe.

Der Aargau hat sich laut Hummel für die Bündner-Lösung entschieden. Zum Zeitpunkt der Evaluation sei jene von Hirslanden noch nicht bereit gewesen, um einen Testlauf durchzuführen.

Die IT-Frage ist also geklärt, und die Kantonsärztin ist «sehr zuversichtlich», dass das Hauptprojekt im Mai anläuft. Ob das Ziel, bis Mitte Juni 200'000 Personen zu testen, erreicht werden kann, könne sie aber erst nächste Woche definitiv sagen.

Kurierdienst holt die Speichelproben in Apotheken ab

Die Vorbereitungen für einen Start des Projekts am 3. Mai laufen. Laut AZ-Informationen sollen ab dann in 90 Apotheken im ganzen Kanton Sammelboxen aufgestellt werden, in welche die teilnehmenden Institutionen die gesammelten Speichelproben werfen können. Ein Kurierdienst soll die Proben zweimal täglich in den Apotheken abholen und ins Labor bringen.

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