«Wenn die Eisheiligen Bodenfrost bringen, dann wird es kritisch»

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Franziska und Andreas Müller haben ihre Freiland-Kulturen noch vollständig mit Vlies bedeckt. Bild: Thomas Fürst

Die Bise weht und es ist schneidend kalt. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch, 14. April, sind die Temperaturen wieder unter die Nullgradgrenze gefallen, weitere Nächte mit Minustemperaturen folgten. Nicht gerade zur Freude der Obstbauern in der ­Region, die sich in erster Linie Sorgen machen um die bereits blühenden Kirschbäume.

«Das Wetter passt zur Jahreszeit», sagt hingegen Andreas Müller vom Biohof Müller im Säget. Hier, auf Rothrister Boden, aber mit Postadresse Strengelbach, betreiben Franziska und Andreas Müller auf 24 Hektaren einen vielseitig ausgerichteten Landwirtschaftsbetrieb mit Schwerpunkt Gemüsebau. «Ich habe keine Bedenken und auch keine Schäden», sagt Müller, der seine Freiland-Kulturen komplett mit Vlies abgedeckt hat, zusätzlich diverse Salatsorten, Fenchel und Kohlrabi im Tunnel zieht. Das Problem sei ja nicht die jetzt herrschende Kälte, die für den April normal ist, führt Müller weiter aus, sondern die viel zu warmen Temperaturen von Ende Februar, Anfang März, die die Natur zum frühen Austreiben verleitet haben. Die Eisheiligen seien für ihn viel kritischer, gibt Müller weiter zu verstehen, denn im Mai seien die Kulturen nicht mehr oder nicht mehr vollständig mit Vlies gedeckt. «Wenn es dann Bodenfrost gibt, wird es kritisch.»

Einer der Bio-Pioniere in der Region

Franziska und Andreas Müller bewirtschaften den Hof im Säget, der seit 1995 nach den offiziellen Richtlinien von Bio Suisse produziert, in vierter Generation. Sie bewirtschaften einen vielseitigen Betrieb mit dem Schwerpunkt Gemüsebau, bieten saisonales Frisch- und Lagergemüse an. Weiter bauen Franziska und Andreas Müller Urdinkel an, kultivieren auf 10 Aren Himbeeren, verarbeiten die Äpfel ihrer 40 Hochstammbäume im Herbst zu Süssmost und bieten zwei Pferden einen Pensionsplatz an. Und dann komme auch noch ein wenig Futterbau dazu, welcher wichtig sei für die Vorbereitung der Böden im Hinblick auf den Gemüse­anbau, fügt Andreas Müller an.

Mit ihrem frühen Entscheid für den Biolandbau gehören die Müllers zusammen mit Hansueli Frei und Dieter Scheibler zu den ersten Bio-Bauern der Region. «Die Richtung war eigentlich schon vorgegeben», sagen Franziska und Andreas Müller, «Andreas hat seine Lehre auf einem Bio-Bauernhof absolviert.» Franziska Müller hat die Bäuerinnenschule sowie eine Ausbildung als Pflegefachfrau und Wundexpertin absolviert und ist in beiden Berufsfeldern aktiv. «Für mich ist die Kombination beider Berufe perfekt», sagt sie.

Die Nachfrage nach ihren Produkten sei im ersten Lockdown vom März 2020 stark angestiegen. «Im Hofladen haben wir einen wahnsinnigen Schub verspürt. Wir wurden damals fast ein wenig überrannt», sagen die beiden. Darauf hätten sie mit der Installation eines Gemüseschranks reagiert, an dem die Kundschaft an sieben Tagen rund um die Uhr frisches Gemüse beziehen kann. «Uns war es ein wichtiges Anliegen, unsere Stammkundschaft nicht mit längeren Wartezeiten zu verärgern», betont Franziska Müller. Später habe der Kundenzustrom wieder ein wenig nachgelassen, doch sie sei überzeugt, dass zumindest ein Teil der gewonnenen Kundschaft auch verbleibe, wenn die Pandemie einmal vorbei sein wird. «Nicht nur weil wir biologische Produkte verkaufen, sondern weil es den Leuten unserer Einschätzung nach vermehrt wichtig geworden ist, Produkte aus der Region zu essen.»

Schweizer gaben 2020 für Bio-Produkte 3,8 Mrd. Franken aus

Ganz allgemein vermeldete der Schweizer Detailhandel für das vergangene Jahr Rekordzahlen. Wegen geschlossener Restaurants und Homeoffice kochten Herr und Frau Schweizer vermehrt zu Hause, wegen geschlossener Grenzen blieb der Einkauf im grenznahen Ausland aus. Im Sog dieser Entwicklung stieg auch der Absatz von Bioprodukten stark an, wie Bio Suisse, der Dachverband der Bio-Produzenten, kürzlich vermelden konnte. In der Schweiz kauften Konsumenten 2020 biologisch produzierte Lebensmittel im Wert von mehr als 3,8 Milliarden Franken. Gegenüber 2019, als der Wert noch bei 3,2 Milliarden Franken lag, bedeutet dies eine Steigerung von 19,1 Prozent. Der Marktanteil der Bio-Lebensmittel erreichte damit 10,8 Prozent, ein halbes Prozent mehr als 2019. Die beliebtesten Bio-Produkte blieben dabei die gleichen wie im Vorjahr: Eier (Marktanteil: 28,9 Prozent), Brot (26,2 Prozent) und Gemüse (23,9 Prozent).

Während die Gesamtzahl der Landwirtschaftsbetriebe in der Schweiz seit Jahren rückläufig ist, ist die Zahl der nach biologischen Richtlinien arbeitenden Landwirtschaftsbetriebe im Ansteigen begriffen. Gab es in der Schweiz 1996 noch fast 80 000 landwirtschaftliche Betriebe, wurden 2019 nur noch 50 038 gezählt, davon waren 7284 Biobetriebe; das sind 252 Betriebe mehr als im Vorjahr beziehungsweise mehr als doppelt so viele wie 1996. Heute ist jeder sechste Hof in der Schweiz Bio.

«Bio ist auch für uns eine gute Lösung», betonen Franziska und Andreas Müller, «weil wir auf dieser Basis gesunde, saisonale Lebensmittel ohne den Einsatz von chemisch-synthetischen Hilfsmitteln produzieren können.» Gleichzeitig halten sie aber auch fest, dass nicht jeder Landwirt biologisch produzieren müsse. «Man soll nur Bio machen, wenn man auch davon überzeugt ist», halten die beiden abschliessend fest.

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