Olympische Sommerspiele 2021 in Tokio: Wieder verschieben oder durchboxen?

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Pascal Kamber vs. Michael Wyss

Michael Wyss: Am 23. Juli, also in knapp drei Monaten, sollen die um ein Jahr verschobenen Olympischen Sommerspiele in Tokio beginnen. Japan hat letzte Woche wegen steigender Corona-Infektionen und der starken Ausbreitung neuer Virus-Varianten aber zum dritten Mal den Notstand für die Olympia-Stadt erklärt. Dennoch denkt OK-Präsidentin Seiko Hashimoto nicht über eine Absage nach. Auch wollen sich die Organisatoren mit dem IOC über die offene Frage einer Zulassung japanischer Zuschauer unterhalten. Ausländische Fans und die Familien internationaler Athleten hat Japan bereits ausgeschlossen. Für mich gibt es in der Planung des grössten Sportanlasses der Welt deshalb zu viele Unbekannte, um mit gutem Gewissen die Durchführung weiterzuverfolgen. Die Olympischen Spiele sind für jede Sportlerin und jeden Sportler das Grösste. Darum wären eine weitere Verschiebung oder Absage schlimm. Aber sich in grosser Unsicherheit vorzubereiten, ist nicht viel besser.

Pascal Kamber: Ich kann deine Bedenken nachvollziehen, frage mich aber trotzdem, warum ausgerechnet die Olympischen Spiele nicht stattfinden sollen, während in anderen Sportarten der Motor läuft, als ob es keinen Virus gäbe. Stichwort Fussball: Die Spieler fliegen für internationale Partien mit ihren Klubs oder Nationalmannschaften quer durch Europa und dürfen in diesem Sommer als «Höhepunkt» an einer Europameisterschaft teilnehmen, die auf dem ganzen Kontinent ausgetragen wird. Noch dazu mit Zuschauern im Stadion. Mit diesen unterschiedlichen Bestimmungen habe ich grosse Mühe. Entweder gelten für alle Sportarten die gleichen Corona-Massnahmen oder nicht. Solange aber Fussballer, Eishockeyaner oder Tennisprofis halbwegs normal spielen dürfen, ist es doch nicht mehr als gerecht, wenn auch alle anderen olympischen Sportarten zum Zug kommen.

mwy: Es gibt da doch ein paar Unterschiede. In Tokio werden sich deutlich mehr Sportlerinnen, Sportler und Betreuer treffen, aus deutlich mehr verschiedenen Ländern und von deutlich mehr verschiedenen Sportarten. Auf diese Durchmischung «freut» sich ein Virus, denn er kann sich trotz engmaschigen Kontrollen je nachdem bestens ausbreiten und neue Mutationen bilden. Ausserdem ist das Nichtzulassen von ausländischen Fans bereits beschlossene Sache, weshalb ein schöner Teil des Geistes von Olympischen Spielen hinfällig ist. Ich weiss, dass es im heutigen Sport nicht nur um Ehre und Stolz, sondern um sehr viel Geld geht,  aber Olympische Spiele ohne bunt durchmischte Fan- und Sportlergruppen haben für mich bei weitem nicht die Ausstrahlung, die sie haben sollten. Ich wäre für eine weitere Verschiebung, nicht zuletzt, um allfälligen Verzichten ganzer Länder vorzubeugen.

pka: Einverstanden, aus epidemiologischer Sicht macht eine Verschiebung Sinn. Finanziell spricht aber einiges dagegen. Bereits der Entscheid, die Spiele erst im Sommer 2021 durchzuführen, hat zu Mehrkosten von 2,3 Milliarden Euro geführt. Mittlerweile muss Japan als Gastgeberland voraussichtlich 12,8 Milliarden Euro für den Event berappen. Experten gehen davon aus, dass es am Ende sogar mindestens 20 Milliarden sein werden. Angesichts dieser wahnsinnigen Summen – und aus Rücksicht auf die japanische Bevölkerung, die die Zeche bezahlen muss – wäre es kein kluger Entscheid, wenn das IOC die Spiele nochmals um ein Jahr verschieben würde.

mwy: Und schon sind wir wieder bei der Frage: Was ist wichtiger, Geld oder Gesundheit? Ich persönlich sage, selbstverständlich mit dem komfortablen Hintergrund, in der wohlhabenden Schweiz leben zu dürfen, mir ist die Gesundheit und eine möglichst bald zu Ende gehende ausserordentliche Lage wichtiger.

pka: Und was sagst du jenen Sportlerinnen und Sportlern, die seit fünf Jahren jeden Tag alles ihrem Ziel untergeordnet haben, in Tokio zu starten? Manch einer würde sich die Frage stellen, ob es sich lohnt, diesen Aufwand nochmals ein Jahr in Kauf zu nehmen.

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