Wärmeverbünde in Wikon und Reiden wollen zusammenspannen

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Die Partner des vorgesehenen Wärmeverbunds (von links): Urs Fellmann (ehemaliger Dagmerseller Gemeinderat und Präsident ad interim der Genossenschaft Wald Wiggertal), André Wyss (Gemeinderat in Wikon), Stefan Hodel (Präsident der Korporation Reiden), Willi Zürcher (Gemeinderat in Reiden) und Christof Blättler (Präsident der Korporation Wikon). Bild: Corinne Wiesmann
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So könnte der Wärmeverbund Reiden-Wikon im Jahr 2044 aussehen.

Die Korporation Wikon als grosse Waldbesitzerin plant eine neue Hackschnitzelheizung mit einem Wärmeverbund an der Industriestrasse. Im September 2020 orientierte die Korporation an einer Veranstaltung über das Grossprojekt (wir berichteten). Die Baukosten wurden damals mit 8,59 Millionen Franken beziffert.

Hintergrund ist, dass der Holzmarkt in den letzten Jahren eingebrochen ist und der Absatz von Holz kaum mehr kostendeckend ist. Somit kann der natürlich nachwachsende Rohstoff nicht mehr genutzt werden. Der Korporationsrat Wikon hat deshalb im Sommer 2019 entschieden, anhand einer Machbarkeitsstudie mögliche Lösungen für dieses Absatzproblem zu finden. Die Studie kam zum Ergebnis, dass sich ein Wärmeverbund wirtschaftlich an der Industriestrasse in Wikon realisieren und betreiben lässt. Durch die Realisierung will die Korporation die gesetzlich definierte Nutzfunktion der Wälder ausserdem erneut sicherstellen.

Wikoner Unternehmen die ersten Abnehmer

Der Wärmeverbund soll in Etappen zuerst Industriebetriebe in Wikon mit CO2-neutraler Wärme beliefern. Als Schlüsselkunden nannte die Korporation im vergangenen Herbst die Firmen Schildknecht, Planzer und Flachglas. In einer zweiten Etappe sollen sich Unternehmen an der Industriestrasse in Reiden anschliessen und vom neuen klimaneutralen Wärmeverbund profitieren können.

Laut Christoph Blättler, Präsident der Korporation Wikon, will die Firma Zürcher Landtechnik GmbH aus Wikon ebenfalls Kunde des Wärmeverbunds werden. «Verschiedene andere Unternehmen aus Wikon und Reiden haben uns mitgeteilt, dass sie sich bei der nächsten Heizungserneuerung ebenfalls anschliessen wollen», sagt Blättler.

Die Korporation will eine neue Heizzentrale an der Industriestrasse in Wikon realisieren. Dafür ist eine Umzonung des dafür vorgesehenen gemeindeeigenen Grundstücks in eine Zone für öffentliche Bauten notwendig. Abklärungen mit der kantonalen Dienststelle Raum und Wirtschaft (rawi) seien im Gang. Die Stimmbevölkerung Wikons wird voraussichtlich an der Herbst-Gemeindeversammlung über die Teilzonenplanrevision abstimmen können.

Existierende Verbünde ins Netz integrieren

Parallel zur Akquirierung möglicher Kunden ist eine neue Partnerschaft aufgegleist worden. In Wikon und Reiden existiert bereits je ein Wärmeverbund der Einwohnergemeinden rund um die Schulhäuser. Im Wärmeverbund Reidens wird bereits heute zu 85 Prozent mit Holz geheizt, in Wikon schon vollständig. Laut einer gemeinsamen Mitteilung haben in den letzten Monaten Gespräche unter den verschiedenen Wärmeanbietern dieser Verbünde stattgefunden. «Es sind etliche gemeinsame Synergien erkannt worden. Somit möchten die Verbünde in Zukunft partnerschaftlich zusammenspannen», heisst es.

Der Grund für das Zusammengehen: In Reiden stehen bei der Heizzentrale des Wärmeverbunds kurzfristig Investitionen an. Beim bestehenden Wärmeverbund in Wikon werden Erneuerungen in zirka zehn Jahren nötig sein. Beide Wärmeverbünde könnten von einem möglichen Anschluss an die geplante neue Heizzentrale an der Industriestrasse profitieren.

Diese Heizzentrale hätte eine viel höhere Wärmeleistung und einen besseren Wirkungsgrad. Ziel sei, dass der kommunale Wärmeverbund von Reiden in zirka 20 Jahren von der Heizzentrale in Wikon aus beliefert würde. Derjenige von Wikon soll 2032 in den Wärmeverbund Industriestrasse integriert werden.

Um eine Auslegeordnung zu machen, Variantenstudien zu erörtern und eine Vision zu entwickeln, trafen sich Vertreter der Einwohnergemeinden und der Korporationen von Reiden und Wikon in den letzten Monaten. Weiter sind zwei Planungsbüros mit Szenarien-Analysen beauftragt worden.

«Geprüft wurde intensiv und variantenreich, wie sich ein möglicher Zusammenschluss realisieren lässt und wann der richtige Moment dafür ist. Ferner wurde auch bei jeder Variante die Auswirkungen auf ein mögliches gemeinsames Tarifmodell geprüft und nachgeführt», heisst es in der Mitteilung weiter.

Zusammenschluss in einer Aktiengesellschaft denkbar

Die Erkenntnis aus allen Berechnungen sei, dass ein Zusammenschluss in einer gemeinsamen Organisation – zum Beispiel einer Aktiengesellschaft – das Sinnvollste sei. Schrittweise soll so bis in zirka 20 Jahren aus den aktuell drei Heizzentralen alles auf eine Heizzentrale an der Industriestrasse in Wikon zusammenwachsen. «Ziel wäre, an nur noch einem Ort Energie zu produzieren», sagt der Reider Gemeinderat Willi Zürcher, der für Bau und Infrastruktur verantwortlich ist. Mit der vollständigen Umstellung des bestehenden Wärmeverbunds auf Holz könne die Energiestrategie des Bundes – Klimaneutralität bis 2050 – umgesetzt werden. «Man sollte nicht nur von Netto null reden, sondern auch handeln», fügt Zürcher hinzu.

Der Wikoner Gemeinderat André Wyss spricht von einem «grossartigen Projekt». Die Gemeinde Wikon sei als Waldbesitzerin Mitglied der Korporation und ebenfalls daran interessiert, dass das Holz kostendeckend verwertet werden könne. «Das Projekt ist ein grosser Schritt zur Erreichung der Klimaziele und im Sinne der Energiestrategie des Gemeinderats Wikon», sagt er.

Die Partner des vorgesehenen Wärmeverbunds (von links): Urs Fellmann (ehemaliger Dagmerseller Gemeinderat und Präsident ad interim der Genossenschaft Wald Wiggertal), André Wyss (Gemeinderat in Wikon), Stefan Hodel (Präsident der Korporation Reiden), Willi Zürcher (Gemeinderat in Reiden) und Christof Blättler (Präsident der Korporation Wikon). Bild: Corinne Wiesmann

Der politische Weg und der Zeitplan

Politisch wird in den November-Versammlungen den Korporationen und den Einwohnergemeinden in Reiden und Wikon die Frage einer Beteiligung vorgelegt. Laut dem Wikoner Korporationspräsidenten Christoph Blättler wird über die Höhe der finanziellen Beteiligungen momentan noch verhandelt. Auch die Genossenschaft Wald Wiggertal – der fünfte Partner im Boot – wird über die Beteiligungsfrage an ihrer Generalversammlung im November abstimmen.

Nur wenn alle Abstimmungen im Sinne dieses Zusammenschlusses bei allen fünf Partnern positiv ausfallen, kann die gemeinsame Organisation im Januar 2022 gegründet und im Anschluss die Arbeit aufgenommen werden. Wenn alles nach Plan läuft, ist der Baustart für den Wärmeverbund an der Industriestrasse auf den Sommer 2023 vorgesehen. Auf die Heizperiode 2024 hin könnte die CO2-neutrale Wärme auf diese Weise den Bezügern zur Verfügung gestellt werden. (ben)

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