Corina Hugentobler: «Wir spüren eine extrem grosse Dankbarkeit»

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Ein Ausflug auf den Heitern bringt Abwechslung in den Alltag. Bild: zvg

Freiwilligenarbeit ist Corina Hugentobler wichtig. Die Vordemwalderin setzt sich beim Meeting Point Zofingen dafür ein, ein Stück Normalität in das Leben von Menschen mit Fluchthintergrund zurückzubringen.«Ich finde, wir haben hier ein sehr, sehr privilegiertes Leben – da schadet auch eine andere Sicht auf das Leben nicht», sagt Corina Hugentobler. 26 Jahre jung ist die Vordemwalderin, die nach einer Banklehre in der Region in Olten ein Studium in Wirtschaftspsychologie mit dem Bachelor abgeschlossen hat. Jetzt ist sie in einem Start-up im Immobilienbereich tätig.

Neben ihren beruflichen Erfahrungen hat sich Corina Hugentobler immer auch Zeit genommen für unentgeltliche Engagements – beeindruckend viele für ihr Alter. «Beim Turnverein Vordemwald hilft man sowieso mit, wenn man dabei ist», sagt Corina Hugentobler, später habe sie sich beim Jugendrotkreuz engagiert. Und im Oktober 2020 verbrachte sie einen Monat auf der griechischen Insel Chios, wo sie – im Auftrag der Schweizer Hilfsorganisation «Be Aware and Share» (BAAS) – Jugendlichen in einem Flüchtlingscamp Englischunterricht erteilte.

Eher zufällig zum Jugendrotkreuz gekommen

Anfang 2019 sei es gewesen, erinnert sich Corina Hugentobler, dass sie über eine Kollegin erstmals in Kontakt mit dem Jugendrotkreuz gekommen sei. Dieses suchte über einen am Zofinger Bahnhof verteilten Flyer Freiwillige, die einen Spielnachmittag für Personen aus dem Asylbereich leiten würden. Ihre Kollegin habe ihr den Flyer gezeigt und sie habe spontan gesagt: «Hey, das machen wir!» Später stiess eine weitere Kollegin zum Duo – Joana Knausz, Manuela Marending und Corina Hugentobler sind seit den Anfängen im Leiterteam dabeigeblieben.

Vom Spielnachmittag zum Meeting Point

Wirklich grossen Anklang habe der Spielnachmittag nicht gefunden, gesteht Corina Hugentobler. «Eigentlich sollten mit dem Angebot ja Menschen aller Altersklassen aus dem Asylbereich angesprochen werden», erläutert Hugentobler, aber der Begriff Spielnachmittag richte sich tendenziell wohl eher an ein jüngeres Publikum. Deshalb überarbeitete das Leiterteam in der Lockdown-Zeit das Konzept des Angebots und gab ihm mit «Meeting Point Zofingen» auch einen neuen Namen. Nun sei auch begrifflich klarer, dass sich das Angebot sowohl an Jugendliche als auch Erwachsene richte.  «Das funktioniert nun. Nach der Corona-Pause hatten wir auch Familien und Erwachsene dabei», sagt Corina Hugentobler. Ziel des Ganzen sei ja auch, dass sich die Leute nicht nur mit dem Leiterteam, sondern auch untereinander austauschen könnten.
Das Leiterteam versuche, das Programm abwechslungsreich zu gestalten. Das könne mal ein Kinonachmittag, ein Ausflug auf den Heitern mit anschliessendem Bräteln oder ein Bastelnachmittag sein. Manchmal gehe man auch einfach nur zusammen Glace essen oder man spiele. Ein Zvieri gehört immer dazu, für den Anlass selber steht ein Raum im Oxil offen – «cool», wie Corina Hugentobler findet, «weil es dort auch ‹Töggelikasten› und Billardtisch hat».

Spüren grosse Dankbarkeit und viel Vertrauen

«Das Rote Kreuz Aargau trägt sämtliche Kosten für den Meeting Point Zofingen», sagt Corina Hugentobler, die Teilnehmenden wären ja auch gar nicht in der Lage, diese Auslagen zu tragen. Es sei dabei gar nicht so wichtig, was man zusammen unternehme. «Wir spüren eine extrem grosse Dankbarkeit der Leute – und zwar in erster Linie dafür, dass wir uns Zeit nehmen für sie.» Und man spüre mit der Zeit auch, wie sich eine Vertraulichkeit zwischen Teilnehmenden und Team aufbaue. «Für mich war es ein unglaublich ergreifender Moment, als eine Mutter von drei Kindern, die zu Beginn sehr verschlossen war, auf mich zukam, um mit mir lange über ihre Flucht zu reden», betont Corina Hugentobler. Dieses Vertrauen zu spüren, habe sie stark berührt.

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Corina Hugentobler engagiert sich in der Freiwilligenarbeit. Bild: Thomas Fürst

 

Oder Hamid, ein 27-jähriger Syrer. Er habe von Anfang an am Meeting Point teilgenommen und schon bald aktiv mitgeholfen. Auch wenn er heute nicht mehr am Meeting Point teilnehmen könne, weil er am Samstag arbeiten müsse, so ermutige er Menschen mit Fluchthintergrund immer wieder, am Anlass teilzunehmen. Hamid sei zu einem guten Freund geworden, mit dem das Leitungsteam immer noch vieles unternehme – einfach auf privater Basis. Die Konfrontation mit anderen Lebensgeschichten mache ihr immer wieder bewusst, «dass vieles im Leben nicht so selbstverständlich ist, wie wir das gerne glauben würden», betont Corina Hugentobler. «Das Engagement beim Jugendrotkreuz lehrt mich, auch an kleinen Dingen im Leben Freude zu haben», sagt die 26-Jährige.

Nach dem Abschluss ihres Studiums ist Corina Hugentobler daran, in der Berufswelt ihren Platz zu finden. Trotzdem wird sie sich weiterhin in der Freiwilligenarbeit engagieren. Der Meeting Point Zofingen müsse weiterhin in ihrem Leben Platz haben, sagt die Vordemwalderin entschlossen. «Es ist ja auch ein sehr geringer Zeitaufwand, sich einmal monatlich drei Stunden für andere Leute einzusetzen.» Damit nicht genug. Ganz zum Schluss des Gesprächs verrät Corina Hugentober auch noch, dass sie sich erst kürzlich noch als Mentorin zur Verfügung gestellt hat. Sie betreue eine junge Türkin mit Ziel, dieser bessere Deutschkenntnisse zu vermitteln. «Die 28-jährige Frau war in ihrem Heimatland als Lehrerin tätig und musste feststellen, dass sie nach ihrer Flucht in die Schweiz wieder am Punkt null in ihrem Leben steht», sagt Corina Hugentobler leise. – Da ist sie schon wieder, die etwas andere Sicht auf das Leben, die Corina Hugentobler nicht verdrängen will.

Weitere Informationen unter www.srk-aargau.ch

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