«Aktives Politisieren passt nicht zum Richteramt»: Der Lenzburger David Holliger möchte Zofinger Gerichtspräsident werden

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David Holliger (Die Mitte) aus Lenzburg kandidiert als Gerichtspräsident für das Bezirksgericht Zofingen. Bild: Peter Weingartner

Für die Nachfolge von Gerichtspräsident Ferdinand Andermatt (portiert von der CVP), der in Pension geht, kommt es zu einer echten Wahl. Zwei Personen möchten ihn beerben: David Holliger aus Lenzburg (portiert von der Mitte) und Andreas Zürcher (parteilos) aus Wettingen. Dass er in eine Kampfwahl muss, hat David Holliger überrascht, zumal er erst nach Ablauf der Eingabefrist über die Gegenkandidatur informiert wurde.

Fachwissen und Fingerspitzengefühl

An die Partei Die Mitte (ehemals CVP und BDP) sei er nicht aus wahltaktischen Überlegungen gelangt, sagt der 36-jährige ­David Holliger. Er sieht sich als Mann der Mitte, als keinen Mann der Extreme. Politisch aktiv ist er aber nicht. «Aktives Politisieren passt nicht zum Richteramt, finde ich», sagt der Anwalt, der in Boniswil aufgewachsen ist und nun in Lenzburg wohnt. Andererseits zeige die Portierung durch eine Partei, wofür ein Kandidat steht. Sein Motto, so ist auf der Website der Zofinger Anwaltskanzlei zu lesen, bei der er seit sechs Jahren arbeitet: «Nebst fundiertem Fachwissen umfasst die juristische Tätigkeit auch viel Fingerspitzengefühl, zumal das Recht immer Menschen betrifft.»

Die Juristerei ist David Holliger, der in einer nicht akademischen Familie gross geworden ist, nicht in die Wiege gelegt worden. Geschichte hätte ihn auch interessiert. Aber was anfangen damit auf dem Arbeitsmarkt? Gibt es Stellen? Er hat auf Jus gesetzt und ein Praktikum während des Studiums, zwei Monate am Bezirksgericht Aarau, hat seine Wahl bestärkt. Als Traumjob habe sich bald
das Richteramt herauskristallisiert.

Die bisherige Arbeit decke sich in ihrer thematischen Breite mit der Arbeit, die ihn im Falle einer Wahl am 13. Juni als Gerichtspräsident am Bezirks­gericht Zofingen erwartet. Familienrecht, Vertragsrecht, Strafrecht, Opferhilferecht, Schuldbetreibungsrecht und Konkursrecht. Allerdings muss er da keine Opfer vertreten oder keinen mutmasslichen Straftäter verteidigen. Die Rolle ist die des Richters, der «nach bestem Wissen und Gewissen entscheidet».

Entscheidungsfreude und Sozialkompetenz

«Ein Richter muss entscheiden können», sagt Holliger. Und dies nach gründlicher Klärung der Sachverhalte und der Rechtslage. Ebenso wichtig sei seine Sozialkompetenz, die Fähigkeit, eine Verhandlung zu führen, als Respektsperson Einfühlungsvermögen zu zeigen, mit Beschuldigten und Opfern reden zu können. Er kennt das aus Scheidungsverhandlungen mit Beteiligung von Personen mit unterschiedlichsten Hintergründen. Spannend sei auch dies, denn scheiden liessen sich reiche Banker und Sozialhilfebezüger. David Holliger weiss, wie schlichten geht, auch als langjähriges Mitglied der Schlichtungsbehörde für Miete und Pacht Bremgarten.

Der Wohnsitz als Vor- oder Nachteil?

Mit elf Jahren Arbeit auf den am Bezirksgericht zu behandelnden Rechtsgebieten hat Holliger sich einen breiten Erfahrungsschatz aufgebaut, den er als sein Hauptargument für das Amt des ­Bezirksgerichtspräsidenten bezeichnet. Er kennt die Abläufe am Bezirksgericht durch frühere Tätigkeiten und seine aktuelle Arbeit ebenso wie die Arbeit mit Behörden vom Sozialamt bis zur Staatsanwaltschaft. «Als Richter müsste ich wohl nicht oft in den Ausstand treten müssen», sagt David Holliger. Denn er wohnt nicht in Zofingen, nicht einmal im Bezirk, dessen Stimmberechtigte die Mitglieder des Bezirksgerichts wählen. Nachteil? «Ich bin seit dem 1. Mai verheiratet; die Familienplanung wird ein Thema», sagt er, «und da wird ein Wohnortswechsel in den Bezirk Zofingen in Betracht gezogen werden.» Andererseits gehe es darum, das geltende Recht anzuwenden, da spielt der Wohnort ohnehin keine Rolle.

Nicht planbarer Karriereschritt

Und der Wahlkampf? «Ich werde den Stimmberechtigten Flyer verschicken», sagt David Holliger. Plakate? Wahrscheinlich. Standaktionen? Weniger. Werbegeschenke verteilen passt nicht zum Richterjob, meint er, aber er werde sein Gesicht sicher zeigen. Er möchte vor allem auf seine fachlichen und persönlichen Kompetenzen sowie Erfahrung hinweisen, was ihm mit unaufgeregter und sachlicher Information am besten möglich scheint. Und wenn er nicht gewählt wird? «Ich wäre schon enttäuscht, obwohl ich in diesem Fall sehr gerne als Anwalt weiterarbeite», sagt er. Ihm ist klar, auch wenn das Richteramt ein Traumjob sei: «So etwas ist als Karriereschritt nicht planbar.»

Planbar hingegen sind Aktivitäten im Freien, die er mag, sei es Wandern oder Skifahren. Und dann liest er, keineswegs als Weiterbildung, vielmehr zum Abschalten vom Alltag mit Scheidungen und Verkehrsdelikten und Pflichtverteidigermandaten, gerne Thriller, beispielsweise solche von Sebastian Fitzek.

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