Kölliken: Diese Hunde sind auf zwei Beinen und zwei Rädern unterwegs – und laufen sogar den Jakobsweg

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Annabelle Gossweiler aus Kölliken hat den «Happy Handicap Shop» ins Leben gerufen. Britta Gut

Schnell flitzt Happy auf dem Vorplatz hin und her. Doch dafür benützt die Hündin nicht ihre vier Beine. Happy ist ab der Brust gelähmt, dank eines Rollwagens kann sie sich trotzdem fortbewegen und lässt sich auch nicht von Absätzen und Randsteinen aufhalten. Happy kommt ursprünglich aus Rumänien, sie wurde von Annabelle Gossweiler adoptiert. Die Köllikerin ist Besitzerin eines ganzen Rudels, bestehend aus den Hündinnen Happy, der ebenfalls gelähmten Becca und den beiden Angsthündinnen Kaya und Viorel.

Sie halte schon Hunde, seit sie 18 Jahre alt sei, erzählt Gossweiler. Zu Hunden aus dem Ausland kam sie über Facebook. «Dort fand ich 2016 eine Gruppe von Menschen, die einer älteren Dame in Bukarest dabei halfen, einen Shelter für Hunde aufzubauen.» Im späteren Shelter lebte auch die Hündin Kathy, die keine Hinterläufe mehr hatte. «Alle, die ich gefragt habe, haben mir davon abgeraten, Kathy zu adoptieren, doch ich war mir sicher.» Gossweiler flog mit ihrem Partner nach Bukarest und lernte die Besitzerin des Shelters kennen. «Die Reise war sehr speziell, wir waren in einem fremden Land und kannten die Leute aus dem Shelter vorher nicht.» Die Reise erwies sich jedoch als Erfolg und Gossweiler nahm Kathy mit nach Hause.

Happy mit ihrem Rollstuhl.

Happy mit ihrem Rollstuhl.

Britta Gut

Auf das Leben mit einem behinderten Hund sei sie nicht vorbereitet gewesen, sagt Gossweiler. «Man kann sich noch so informieren und viel lesen, es reicht einfach nicht.» Den ersten Rollwagen für die Hündin hätten sie blauäugig gekauft. «Es störte mich im Nachhinein viel daran. Er klapperte.» Kathy starb nach sieben Monaten in der Schweiz. «Sie litt an Herzwürmern, das wussten wir aber schon bei der Adoption.» Nach dem Tod der Hündin wollte Gossweiler eigentlich keinen gelähmten Hund mehr. «Aber man bekommt, was man braucht und nicht, was man will», sagt sie und lacht.

Auch bei Abby war sie mit dem Rollwagen nicht zufrieden und fing an, selbst am Gefährt rumzuwerken. «Mein Vater hatte eine eigene Werkstatt, das Schrauben und Handwerken wurde mir also praktisch in die Wiege gelegt.» Bald entdeckte die Köllikerin, dass beim Anpassen von Rollwagen eine Marktlücke besteht. «Zu Beginn habe ich nur an unseren Rollis und an denen von Freunden geschraubt, später aber auch Kundenaufträge angenommen.» Die ehemalige Lastwagenfahrerin eröffnete Mitte letzten Jahres ihr kleines Geschäft «Happy Handicap Shop». Sie baut selbst keine Rollwagen, passt die bestehenden aber auf Mass an die Hunde an und bietet auch Beratung für Hilfsmittel an.

Ab dem 29. Mai laufen sie etappenweise den Jakobsweg

Neben ihrer Arbeit für ihr Geschäft ist Gossweiler auch Präsidentin des Vereins für behinderte Hunde. Dieser ist vor allem für die Aufklärung, Information und Vernetzung da, wie sie sagt. «Normalerweise organisieren wie auch den ‹Handicap Day› mit verschiedenen Ständen mit Ärzten, Physiotherapeuten und vielem mehr.» Der Verein sei für jede Art von Handicap da, auch für blinde oder taube Hunde. «Wir unterstützen auch Tierheime, die Handicap-Hunde aufnehmen, davon gibt es nicht viele», sagt Gossweiler. «Ab dem 29. Mai laufen wir zudem etappenweise den Jakobsweg, wir wollen zeigen, dass das auch mit behinderten Hunden geht», sagt sie.

Für den Winter gibt es auch Schlittenkufen für die Hunde.

Für den Winter gibt es auch Schlittenkufen für die Hunde.

Britta Gut

Das Leben mit gelähmten Hunden ist finanziell und zeitlich aufwendig. Ein Rollwagen, wie ihn Happy hat, kostet 800 Franken. Eingeschränkt fühlt sich die 40-Jährige jedoch nicht. «Es braucht einen Moment, bis die Hunde im Gestältli und Rollwagen sind, aber wir können so mit ihnen auch wandern. Sobald der Untergrund zu uneben ist, tragen sie die Hunde in speziellen Rucksäcken.» Aus Mitleid habe sie die Hunde nicht adoptiert, betont Annabelle Gossweiler: «Die Hunde sind nicht bemitleidenswert.» Die Adoption habe sich so ergeben. «Es hat viel mehr etwas mit dem Hund zu tun als mit seiner Behinderung. Die ist sekundär.»

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