Warum Gartenmöbel deutlich teurer werden – und wo die Preise sonst überall Sprünge machen

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Trautes Heim: Doch im Handel von Gartenmöbeln zeigt sich gerade die globale Knappheit von wichtigen Rohstoffen wie Holz. Bild: Imago

Manchmal beginnt in der grossen weiten Welt eine neue Zeit, und die Folgen davon zeigen sich unmittelbar im Alltag beim Einkaufen im Coop, Migros oder Aldi. In den Preisen von Möbeln, besonders Gartenmöbeln, finden derzeit globale Irrungen und Wirrungen ihren Niederschlag. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Preise aktuell deutlich höher. Und nicht nur das. Spielkonsolen kosten mehr, Olivenöl auch. Für Hotels oder Services am Velo muss mehr bezahlt werden. Das zeigen Zahlen des Bundesamts für Statistik. Und – was ungleich wichtiger ist – Heizöl und Benzin sind auf einmal viel teurer. Und nun stellt sich die bange Frage: Wird in den nächsten Jahren alles teurer? Oder etwas technischer formuliert: Steht die Welt vor einer Rückkehr zur Inflation?

Angst vor einer Zinswende am 1000-Milliarden-Markt

Die Nervosität ist verständlich. Auf Inflation könnte eine Zinswende folgen. Denn die Notenbanken müssten ihre Leitzinsen erhöhen. Und die Geschichte zeigt: Zinswenden vollziehen sich selten ohne Crash. An den Börsen wäre heute noch Hype, morgen vielleicht Panik. In der Schweiz werden riesige Summen an Hypotheken geschuldet, über 1000 Milliarden Franken. Die Zinslast darauf würde steigen. Tausende von Haushalten müssten in ihren Budgets dafür Platz finden. Die Nervosität ist also verständlich, aber ist sie berechtigt?

Es kommen viele Dinge zusammen, die Inflationsängste wecken und in der Schweiz die Gartenmöbel teuer werden lassen. In den USA will Joe Biden das Land fit machen für den Wettbewerb mit China. Und der neue Präsident will vermeiden, dass Vorgänger Donald Trump bald ein Comeback feiert. Also will Biden die Wähler überzeugen mit viel Geld für allerlei: Brücken, Strassen, Krippen und Schulen. Er könnte in den nächsten Jahren an die 6 Billionen Dollar ausgeben. Leistet sich die grösste Wirtschaft der Welt eine solche Grandiosität, zieht das überall die Preise hoch.

Dann ist da der China-Faktor. Das Riesenland ist der grösste Verbraucher von Rohstoffen. Der Coronaschock ist überstanden, das zuvor halsbrecherisch schnelle Wirtschaftswachstum setzt wieder ein. Zwar wird die chinesische Bevölkerung bald schrumpfen, aber dafür wird sie reicher. Und jeder einzelne Chinese kann mehr shoppen. Bidens Grandiosität und der China-Faktor sind wichtige Argument all jener, die an einen «Superzyklus» glauben. Dabei müssten für Rohstoffe einige Jahre lang ungewöhnlich hohe Preise bezahlt werden. Obendrauf kommt die grüne Revolution. In einer grünen Wirtschaft sind einige Rohstoffe noch gefragter als zuvor. Um Elektroautos herzustellen, braucht es etwa viel Kupfer oder Lithium.

Wo die Preise überall Sprünge machen

Und so gibt es bereits eine lange Liste von Rohstoffen, die schnell teurer werden oder Rekordpreise erreichen. Holz gehört dazu, Palladium, Kupfer oder Aluminium. Der Preis von Erdöl hat sich im Vergleich zum April 2020 verdreifacht. Ein Index mit den Preisen von über zwanzig Rohstoffen hat sich seither verdoppelt (siehe Grafik). All das schlägt auf die Preise von Lebensmitteln durch. Ein entsprechender globaler Index hat so stark zugelegt wie seit dem Jahr 2011 nicht mehr. Damals begann der Arabische Frühling. Was damals die Menschen auf die Strassen brachte, waren auch steigende Lebensmittelpreise. Brot hatte sich in kurzer Zeit stark verteuert.

Diese Ansammlung globaler Irrungen und Wirrungen kommt im Preisanstieg von Gartenmöbeln zusammen. Holz gehört da zu den wichtigen Bauteilen. Und kein anderer Agrarrohstoff hat eine solche Preisexplosion hinter sich: binnen eines Jahres eine Versechsfachung.

Zugleich können Gartenmöbel ein Lehrstück liefern – nämlich, in welch beschränkter Grössenordnung sich Rohstoffpreise auswirken auf das, was im Laden auf dem Preisschild steht. In modernen Volkswirtschaften machen Rohstoffe meist einen geringen Anteil aus von allen Kosten, die entlang einer Wertschöpfungskette anfallen. Das gilt auch für Gartenmöbel. Hersteller haben neben dem Holz zig andere Ausgaben: Löhne, Mieten oder Werbung. Und danach ist das Gartenmöbel längst nicht beim Kunden. Zuvor muss der Detailhändler seine Kosten reingeholt haben. So bleibt der Preisanstieg bei Möbeln bescheiden im Vergleich zur Preisexplosion von Holz.

Die Zeitenwende am Schweizer Möbelmarkt

Was nicht aus den Augen geraten sollte: Gartenmöbel mögen einen Preissprung gemacht haben, aber davor wurden sie jahrelang billiger. Im Jahr 2009 erlebte die Branche eine Zeitenwende. Zuvor hob sie die Preise jedes Jahr an. Danach mussten sie jedoch runter auf das Niveau im nahen Ausland. Starker Franken und Einkaufstourismus liessen gar keine Wahl.

Und der Preissprung beim Holz ist nicht nur Ausdruck von dauerhaften Trends. Die Branche hatte nicht damit gerechnet, dass nach dem Coronaschock die Nachfrage schnell zurückkehren würde. Nun kann sie nicht viel tun. Bäume wachsen nicht schneller, nur weil der Weltmarktpreis hoch ist. In der Art wurden viele Branchen überrascht. So erleben etwa die USA den grössten Inflationsschub seit 2008. Darum steht keine Zinswende unmittelbar bevor. Notenbanken rechnen vorübergehende Effekte aus den Zahlen zur Inflation heraus. Erst wenn die Inflation dauerhaft ansteigt, gibt es Grund zur Nervosität.

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