Projekt vom Bundesamt für Energie: Aarau will eine Sharing-Modellstadt werden, Einwohner sind die Versuchskaninchen

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E-Cargovia (hier in Brugg) wird in Aarau ausgebaut. Bild: Ina Wiedenmann

Da nimmt sich Aarau viel vor: Die Stadt hat sich für die Teilnahme an einem Projekt des Bundesamts für Energie beworben und nun tatsächlich den Zuschlag erhalten. Neben Aarau kommen auch die Gemeinden Martigny VS, Wil SG, Riviera TI sowie – als Verbund – Bülach, Dietikon und Meilen in die Kränze.

In einem «Feldexperiment» sollen über mehrere Jahre hinweg neue, innovative Ansätze für eine nachhaltige Mobilität entwickelt und erprobt werden, teilt der Stadtrat in einer Botschaft an den Einwohnerrat mit. Mit dieser beantragt er einen Bruttokredit von 970'000 Franken. «Die im Projekt gemachten Erfahrungen und daraus gezogenen Schlüsse sollen Hinweise für die Anpassung und Weiterentwicklung der Aktivitäten von EnergieSchweiz beziehungsweise der Bundespolitik im Mobilitätsbereich allgemein liefern.»

Worum geht es genau?

Das Projekt heisst «Monamo» (Modelle nachhaltige Mobilität in Gemeinden). Aarau hat sich konkret unter dem Titel «Die Sharing-Modellstadt» beworben. «Die Stadt Aarau ist überzeugt, dass im Sharing-Ansatz grosses Potenzial zur Verkehrsreduktion beim motorisierten Individualverkehr und zur Energieeinsparung liegt», schreibt der Stadtrat. Grob zusammengefasst: Man will durch gute Infrastruktur in den Quartieren verhindern, dass die Einwohner überhaupt von A nach B reisen müssen – und sollten sie es trotzdem tun, will man ihnen gemeinsam genutzte Verkehrsmittel zur Verfügung stellen.

Die Stadt hat für das Projekt erfolgreich eine breite Trägerschaft angestrebt: «Diverse verwaltungsinterne Stellen, aber auch private Firmen sind an der Umsetzung und der Finanzierung der Massnahmen beteiligt.»

Welche Massnahmen werden umgesetzt?

Vorgesehen sind Mobilitätsmassnahmen in den Bereichen Ver- und Entsorgung, Freizeit sowie Arbeit. Die meisten brauchen noch einige Vorbereitungszeit und sind ab 2022/23 bis zum Projektende 2025 in Betrieb. Dann wird sich zeigen, wie sie bei Einwohnerinnen, Gewerbetreibenden, Touristen und Arbeitgeberinnen ankommen – sie alle werden Versuchskaninchen sein.

Es soll beispielsweise sogenannte mobile Quartierstationen geben, die «eine wichtige Funktion bei der letzten Meile einer Transportkette» spielen soll. «Sie ermöglicht es, Waren jeglicher Art aufzugeben, zu hinterlegen oder abzuholen» – rund um die Uhr. Den Lead der Massnahme mit Prototypcharakter übernimmt die Firma Swisslog; die Fachhochschule Nordwestschweiz und das Altstadtgewerbe sind Partner.

Der Velo-Hauslieferdienst «Voilà» (Trinamo AG) soll ausgebaut werden und ab 2022 beispielsweise Recycling-Gut abholen oder Kurierdienste leisten:

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Hauslieferdienst Voilà. Bild: Barbara Vogt / AAR

 

Gemeinsam mit Arbeitgebern und Verwaltungen grösserer Wohnüberbauungen werde ein Bike-Sharing-Netz aufgebaut und betrieben, schreibt der Stadtrat weiter. Der Auftrag wird ausgeschrieben. Als einzige Massnahme wird das Bike-Sharing über den Projekthorizont hinaus bis 2027 bestehen bleiben.

Das Elektroauto-Sharing «E-Cargovia» wird per 2023 ausgebaut. Im Schachen und der Telli gibt es zwei neue Standorte in Kooperation mit ansässigen Unternehmen. «Die Unternehmen sollen die Möglichkeit erhalten, gezielt Teile der eigenen Firmenflotte in das aufgebaute Angebot auszulagern, wodurch der firmeneigene Fahrzeugpark reduziert werden kann», so der Stadtrat. Ausserhalb der Geschäftszeiten stehen die Autos der Öffentlichkeit zur Verfügung.

In sechs Wohnquartieren werden Begegnungsorte im öffentlichen Raum realisiert und möbliert. Drei davon erhalten fertige Möbel (schon ab 2021), drei Quartiere müssen sie selber bauen, damit «Rückschlüsse zu Akzeptanz, Aneignung sowie zu Vandalismus gezogen werden» können, so der Stadtrat.

In verschiedenen Quartieren werden ab Ende 2021 einzelne Strassenabschnitte zu speziellen Zeiten für den Verkehr gesperrt und zu «Spielstrassen». Über die fünf Projektjahre hinweg sind 20 solcher Nachmittage geplant.

Der «Prozessor» und das «Repair Café» sollen ab 2022 gefördert werden – man soll also Werkzeuge teilen statt kaufen und Kaputtes reparieren statt wegwerfen.

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Benjamin "Beni" Pfeuti eröffnete 2016 das erste Repair Café der Stadt Aarau. Bild: Sandra Ardizzone

 

Es wird ausserdem ein «Kit» für Strassenfeste entwickelt – also Standardausleihmobiliar, «welches inklusive Bewilligung für die Bevölkerung einfach zugänglich sein wird», heisst es in der Stadtratsbotschaft. Geliefert und abgeholt wird es durch den Werkhof (ab 2022).

Was kostet das die Steuerzahlenden?

Aufbau und Betrieb aller «Monamo»-Massnahmen und die Kommunikation kosten rund 2,12 Mio. Franken, inklusive der Eigenleistungen der Stadt. Weil Private noch mitzahlen, entfallen auf die Stadt Bruttokosten von 1,26 Mio. Franken. Rechnet man die Eigenleistungen der Stadt weg, werden 800'000 Franken Drittmittel benötigt. Der Bund steuert 500'000 Franken bei, weshalb der Nettokredit der Stadt 300’000 Franken beträgt. Zusätzlich beantragt der Stadtrat 170'000 Franken, um die Massnahme «Bike Sharing» zwei Jahre über Projektende hinaus beibehalten zu können.

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