Der Aargau erlebt den kältesten Mai seit 30 Jahren – Regen, Sonne, Temperatur im grossen Jahresvergleich

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Symbolbild (Getty Images)
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Auf den Bus zu rennen und gleichzeitig die Maske überzuziehen, ist mühsam. Auf den Bus zu rennen, die Maske überzuziehen und den Regenschirm zu schliessen, während das Wasser in den Nacken rinnt, ist noch einiges mühsamer. Fast könnte einem der Gedanke beschleichen, die Welt habe sich gegen uns verschworen: Ausgerechnet in diesem Frühling, in dem wir sowieso eingeschränkt sind und uns so sehr nach frischer Luft und Gesellschaft sehnen, treibt uns das Wetter in die eigenen vier Wände. Seit Wochen ist es kalt und windig. Und seit Wochen scheint es zu regnen.

Zwar gibt es einige Hartgesottene, die sich auch bei strömendem Regen nicht aus der Gartenbeiz vertreiben lassen. In der Daunenjacke und einer Wolldecke über den Knien, schlürfen sie ihren Aperol Spritz unter dem Regendach und tun so, als ob die Sonne scheint. Doch den meisten drückt das Wetter auf die Stimmung. «Es ist doch viel zu kalt für Mitte Mai» oder «so viel Regen ist für diese Jahreszeit nicht normal», hört man sich die Menschen enervieren.

Doch ist es wirklich ein aussergewöhnlich wüster Mai oder geht uns das schlechte Wetter stärker an die Nieren, weil wir uns nicht in der warmen Gaststube vergnügen können und unsere Nerven sowieso schon angeschlagen sind? Nein, zeigt ein Blick in das Wetterarchiv, unser Eindruck täuscht nicht: Der diesjährige Mai ist ein meteorologisches Trauerspiel.

2019 und 2021 teilen sich den Rang des kältesten Mai

Ludwig Zgraggen von MeteoSchweiz prognostiziert eine Durchschnittstemperatur von 11.2 Grad Celsius an der Messstation Buchs/Suhr für Ende Mai. Seit Messbeginn im Jahr 1985 war der Mai nur zwei Mal noch kälter. Im Jahr 1987 mit 10.1 Grad im Schnitt und im Jahr 1991 mit 10.2 Grad. Im Jahr 2019 betrug die Durchschnittstemperatur ebenfalls 11.2 Grad. Das heisst, seit 30 Jahren gab es im Aargau keinen kälteren Mai mehr.

Zgraggen bestätigt: «Es ist ein kalter Mai». Er betont aber auch, dass ein solcher Monat früher nicht als so aussergewöhnlich wahrgenommen worden wäre:

«Vor 1980 war ein solcher Mai völlig normal, das gab es etwa alle fünf Jahre.»

Durch die Klimaerwärmung sei es aktuell im Vergleich zur Periode vor 1980 etwa zwei Grad wärmer. «Die Menschen erwarten heute, dass im Mai die Sonne scheint und sie kurze Hosen tragen können.» Wenn es dann einmal viel regne oder kalt sei, dann falle das den Menschen mehr auf: «Wir haben uns an die Klimaerwärmung gewöhnt.»

Der diesjährige Mai ist sonnenarm

Wie viel es Ende Mai geregnet haben wird, kann momentan nur geschätzt werden. Zgraggen geht von einer Niederschlagsmenge von 133 bis 167 Millimetern aus, das entspricht 120 bis 150 Prozent der Norm. Vergleicht man die Werte seit 1985, ist der Monat dieses Jahr sicher eher nass, doch gab es auch Jahre mit deutlich mehr Niederschlag. Etwa im Jahr 1994 mit 232.1 Millimetern.

Letztes Jahr war der Aargauer Mai eher trocken: Die Niederschlagsmenge betrug nur 70 Millimeter, was 63 Prozent der Norm entspricht. Im Vergleich dazu müssen wir uns dieses Jahr mit mehr Regen abfinden. Doch der Meteorologe relativiert: «Die absolute Regenmenge ist dieses Jahr gar nicht so hoch, es regnet einfach relativ häufig ein bisschen. Das verstärkt das Gefühl der Menschen von viel Regen.» Und auch nicht überall in der Schweiz regnet es momentan viel: Im Tessin etwa sei es in diesem Mai sogar überdurchschnittlich trocken.

Durch den häufigen Regen scheint auch die Sonne in diesem Mai weniger. Ende Monat wird die Messstation in Buchs/Suhr voraussichtlich auf 161 Stunden Sonnenschein kommen, im Schnitt also etwa fünf Stunden am Tag. Das ist unterdurchschnittlich. Nur in zwölf der 36 aufgezeichneten Jahren gab es weniger Sonnenschein. Den meisten Sonnenschein im Aargau gab es im Jahr 2011 mit 272 Stunden. Die Jahre 210 und 2013 waren die sonnenärmsten Jahre für den Mai: Nur 106 Stunden Sonne konnten die Aargauerinnen damals geniessen, das sind gerade einmal knapp dreieinhalb Stunden am Tag. Letztes Jahr um dieselbe Zeit war es aber deutlich sonniger: 238 Sonnenstunden wurden im Aargauer Mai gemessen, das sind 137 Prozent der Norm und etwa siebeneinhalb Stunden am Tag.

Das Pfingstwochenende wird wechselhaft

Grund für das momentane Hudelwetter ist ein Tiefdruckgebiet über Nordeuropa: «Nordwestliche bis westliche Winde bringen kühle Polarluft zu uns», sagt der Meteorologe Zgraggen. Dementsprechend sei der diesjährige Mai denn auch windiger als sonst:

«Wir messen Böen mit bis zu 80 km/h, das ist eher aussergewöhnlich für diese Jahreszeit.»

Normalerweise würden die Winterstürme Ende März aufhören.

Ein Ende des grauen Himmels ist in den nächsten Tagen nicht in Sicht. Es bleibt kühl und regnerisch. Wer auf ein warmes, sonniges Pfingstwochenende auf der Terrasse gehofft hat, der wird ebenfalls enttäuscht. «Pfingsten wird wechselhaft», sagt Roger Perret von MeteoNews. Im Aargau sei es zwar auch am Wochenende zwischendurch sonnig, besonders am Sonntagnachmittag gäbe es aber viele Wolken und teilweise Regen. Wen es in die Natur zieht, der sollte auf den Montag setzen: Besonders warm werde es auch dann nicht, aber immerhin scheint voraussichtlich die Sonne.

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