«Ein Leben ohne Schildkröten könnte ich mir nicht vorstellen»

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Verschiedene Gattungen können ihren Bauchpanzer mit Hilfe eines Scharniers hochklappen und so den gesamten Panzer verschliessen. Bilder: Thomas Fürst
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Zutraulich und neugierig streckt diese Schildkröte ihren Kopf.

Die Temperaturen sind eher kühl, der Himmel verhangen. «Sie kommen zu einer ungünstigen Zeit», sagt Robert Frösch bei der Begrüssung. «Heute werden sich die Schildkröten kaum zeigen», meint der 74-jährige Zofinger mitten in seinem Garten. Ein Garten weit abseits vom Durchschnitt. Kein englischer Rasen, keine Gemüsebeete. Dafür Freigehege so weit das Auge reicht, in denen die Natur üppig spriessen darf. «Ja, eigentlich ist der ganze Garten ausschliesslich für meine Schildkröten da», sagt Robert Frösch.

Die Schildkröten begleiten Robert Frösch schon sein Leben lang. «Bereits mein Vater hielt Schildkröten», sagt Frösch, und so sei er fast zwangsläufig mit diesen Tieren aufgewachsen. Er schätze, dass sein Vater die ersten Schildkröten in den 1930-er- oder 1940-er-Jahren – von einer Tante aus Marokko bei deren Besuchen in der Schweiz – geschenkt bekommen hat.

In Erinnerung geblieben ist Frösch ein Kauf seines Vaters aus dem Jahr 1954. Damals habe der grosse Detailhändler mit dem orangen M im Signet doch tatsächlich Schildkröten verkauft. «Das wäre heute absolut unmöglich», schüttelt Frösch den Kopf, aber es sei zu bedenken, dass es damals noch kaum Fachgeschäfte und Tierschutzgesetze gegeben habe. Sein Vater habe mehrere der aus Jugoslawien eingeführten Schildkröten gekauft, die letzte sei erst im April verstorben.

SIGS hat wichtige Aufklärungsarbeit geleistet

Die Haltung von Schildkröten aus dem Mittelmeerraum und anderen Gebieten der Welt hat in der Schweiz eine lange Tradition. Allerdings gab es in der Schweiz, wie die Episode mit dem Schildkrötenverkauf in der Migros verdeutlicht, lange Zeit erstaunlich wenig Wissen darüber, wie diese Tiere in unserem Klima gehalten werden sollen. Schildkröten seien in grosser Zahl aus ihren Herkunftsländern in die Schweiz importiert worden und starben oft nach kurzer Zeit aufgrund falscher Haltung, wie die Schildkröten-Interessengemeinschaft Schweiz (SIGS) auf ihrer Website schreibt.

Erst 1985 wurde mit der Gründung der SIGS durch eine Gruppe engagierter Schildkrötenhalter die Aufgabe in Angriff genommen, das Wissen um eine artgerechte Haltung und Zucht zu vermehren, um den Tieren ein gutes Leben zu ermöglichen sowie den Import weiterer Tiere zu minimieren. René Pletscher war in den 90ern deren Präsident.

Als Regionalsektion der SIGS sind die Schildkrötenfreunde Mittelland, zu deren Gründungsmitgliedern der ehemalige ZT-Fotograf René Pletscher gehörte, in der Region Zofingen Anlaufstelle für alle Fragen rund um die Schildkrötenhaltung. Auch Robert Frösch, als Kassier und Webmaster Vorstandsmitglied bei den Schildkrötenfreunden, schätzt den regelmässigen Austausch unter den rund fünfzig aktiven Mitgliedern des Vereins.

Schildkröten aus aller Welt

Die Schildkröten sind eine der ältesten Tiergattungen der Erde. Sie erschienen in der Erdgeschichte schon vor 230 Millionen Jahren. Ihre Anpassungsfähigkeit hat den gepanzerten Tieren das Überleben bis in die heutige Zeit ermöglicht, obwohl viele Arten aufgrund menschlicher Einflüsse heute als akut gefährdet gelten. Es gebe momentan etwa 340 verschiedene Arten, weiss Robert Frösch. Die Spanne reiche dabei von mediterranen Landschildkrötenarten, Wüstenschildkröten und den besonders zahlreichen, kleineren Wasserschildkrötenarten in Nordamerika und Südostasien über gross werdende Fluss-Schildkröten in Südamerika, Riesenschildkröten auf einigen Inselgruppen, Weichschildkröten in Asien und Schlangenhalsschildkröten in Australien bis hin zu den grössten, den Lederschildkröten, die neben den Meeresschildkröten eine eigene Familie bilden. Dabei ist die Europäische Sumpfschildkröte die einzige Schildkrötenart, die – wenn auch selten – in der Schweiz natürlich vorkommt.

Frösch selber hält aktuell 16 verschiedene Arten in seinem Garten. Auch diese kommen aus aller Welt: Die meisten aus den USA, die mit einem Gewicht von etwa 30 Kilogramm schwersten Tiere kommen aus Myanmar, viele aus dem südeuropäischen Raum, einige aus Südamerika. Einzig der afrikanische Kontinent sei unter seinen Schildkröten nicht vertreten, sagt Frösch.

Trotz harter Schale empfindsame Tiere

Es sei enorm faszinierend und wirke ungemein entschleunigend, Schildkröten zu beobachten, findet Robert Frösch. Und er habe auch das Gefühl, dass ihn die Tiere kennen würden. Dann überlegt Frösch kurz und fügt an: «Es kann aber auch sein, dass ich das falsch interpretiere. Vielleicht bin ich auch nur die Person, die ihnen jeden Tag um die gleiche Zeit das Futter bringt.» Wichtig sei auf jeden Fall, dass sich die Tiere frei und ohne Stress bewegen könnten. Denn trotz ihrer harten Schale würden sie sehr empfindlich auf jede Art von Veränderung reagieren. Er wisse von einem Züchter aus Deutschland, der jedes Jahr sehr erfolgreich Schildkröten-Nachwuchs gezüchtet habe. «Dann hat er in seinem Gehege einen einzigen Baum gefällt», erzählt Frösch – mit der Folge, dass der Züchter in den folgenden zehn Jahren keinen Schildkröten-Nachwuchs mehr verzeichnen konnte.

Eine Schildkröte ist kein Haustier

Die Anschaffung von Schildkröten müsse gut überlegt sein, betont Robert Frösch. «Man sollte sie im Freiland halten können, keinesfalls in einer Wohnung», führt er aus. Und auch von einer Vermehrung sei abzusehen, denn in den Schildkröten-Auffangstationen in der Schweiz – die grösste mit rund 3000 Tieren befindet sich im waadtländischen Chavornay – herrsche grösstenteils Platzmangel.

Platzmangel, das sei für seine Schildkröten ein Fremdwort, ist sich Robert Frösch sicher. «Es ist ein guter Garten für Schildkröten», sagt er, «sie haben hier viel mehr Platz als vorgeschrieben ist und sie können sich hier relativ frei bewegen.» Und doch müsste er langsam, aber sicher daran denken, die Zahl seiner Schildkröten zu reduzieren. Doch wenn man dem 74-jährigen Zofinger zuhört, wie er über seine Schildkröten spricht, dann weiss man, wie schwer es ihm fallen würde, sich auch nur von einem seiner Tiere zu trennen. «Ja», sagt er denn auch abschliessend, «ein Leben ohne Schildkröten könnte ich mir nicht vorstellen.»

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