Aus für Lenzburger Kanti-Träume? Ein Landverkauf mit brisanten politischen Implikationen

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Das Zeughaus- (vorne links) und das Artoz-Areal (Mitte rechts). Claudio Thoma

Im letzten Herbst kündigte die Firma Artoz Crea AG an, sie werde das Fabrikareal der Artoz Papier AG (gegen 100 Angestellte) unweit des Bahnhofs Lenzburg verkaufen. Im für Verkäufer besonders attraktiven Bieterverfahren. Damals ahnte noch kaum jemand, wie gross der Wert der etwa 3 Hektaren Bauland ist – oder wie stark die Landpreise auch in Lenzburg gestiegen sind.

Der Deal ist zwischenzeitlich vollzogen. «Auf dem Artoz-Areal ist ein lebenswertes Quartier geplant», steht als Titel über einer Medienmitteilung. Absender ist der 1963 gegründete, an der Börse kotierte Fonds Immo Helvetic. Er ist in der Region bekannt als Besitzer des «Suhre-Parks» in Suhr (96 Mietwohnungen und Gewerbe, etwa ein Migros-Supermarkt). Immo Helvetic erwarb 80 Prozent der Grundstückanteile, die beiden Brugger Unternehmen Gross Generalunternehmung AG und Wartmann Immobilien AG je 10 Prozent.

Das Grundstück dürfte etwa 70 Mio. Fr. gekostet haben

Wie immer in derartigen Fällen ist der Verkaufspreis geheim. An der letzten Lenzburger Ortsbürgergemeinde ist von einem Votanten ein Quadratmeterpreis von 2300 Franken genannt worden. Die Grössenordnung scheint zu stimmen, wie mehrere Insider gegenüber der AZ bestätigten. Das Areal hat also für etwa 70 Millionen Franken die Hand gewechselt.

Die Absicht der neuen Besitzer ist klar: Sie planen mittelfristig auf dem Artoz-Areal eine Wohnüberbauung. In der Medienmitteilung heisst es:

«Das Ziel ist es, ein lebenswertes Quartier für breite Bevölkerungsschichten zu entwickeln.»

Und weiter: «Dabei sollen eine nachhaltige Bauweise, neueste Technologien angewendet und moderne zeitgemässe Wohnungen mit identitätsstiftender Architektur entwickelt werden.»

Es droht eine Planungszone

Das Artoz-Areal ist flächenmässig etwa halb so gross wie das «Im Lenz»-Quartier (ehemals Hero). Gemäss kantonalen Raumplanungsvorstellungen ist das Artoz-Areal ein Wohnschwerpunkt. Es wird darum Wohnraum für etwa 500 Personen geschaffen werden müssen. Allerdings gibt es, was die Raumplanung anbetrifft, ein Problem: Der Stadtrat hat die Fläche zwischen der Industrie- und der Zeughausstrasse (faktisch das Artoz- und das Zeughausareal) im Herbst aus der laufenden BNO-Revision ausgeklammert.

Es droht sogar eine Planungszone, die alles blockieren würde. Das hängt damit zusammen, dass sich Lenzburg für eine der beiden neuen Mittelschulen bewirbt und dabei das ortsbürgereigene Zeughaus-Areal im Vordergrund steht – allenfalls unter einer Teilinanspruchnahme der Artoz-Liegenschaft für eine spätere Erweiterung der Schule.

Die neuen Besitzer können warten, bis das Kanti- respektive das BNO-Problem gelöst ist: Denn bis Ende 2024 (allenfalls 2025) werden die Gebäude noch von der Artoz Papier AG genutzt. Diese will bis dann einen neuen Standort gefunden haben.

Zeughaus-Areal 50 Prozent mehr wert?

Der hohe Landpreis für das Artoz-Areal ist in Lenzburg hochpolitisch. Denn er deutet an, wie viel das Zeughaus-Grundstück wert ist. Der Stadtrat hätte es gerne dem Kanton im Baurecht oder allenfalls zum Kauf angeboten – für die Kanti. Doch ein entsprechender Antrag ist an der letzten Ortsbürgergemeinde an die Exekutive zurückgewiesen worden. Mit dem Auftrag abzuklären, ob andere Nutzungen (etwa Wohnungen) für die Ortsbürger längerfristig nicht finanziell lukrativer wären. Bei einem «Artoz-Preis» wäre das Zeughausareal mindestens 45 Millionen Franken wert (als Kaufpreis im Gespräch waren bisher 30,7 Mio. Fr.).

Kein neuer Antrag zu Zeughaus/Kanti

Der Stadtrat Lenzburg hat am Mittwoch die Traktandenliste für die Ortsbürgergemeindeversammlung vom 14. Juni publiziert. Das Zeughaus-Areal kommt dabei nicht als Geschäft vor – was die Position von Lenzburg im Kampf um die Kanti kaum stärken dürfte.

Das Zeughaus-Areal ist aber Thema einer öffentlichen Informationsveranstaltung, die unmittelbar nach der Ortsbürgergmeind stattfinden wird. Dort will der Stadtrat etwa über finanzielle Aspekte und den Alternativstandort «Wil» orientieren. In der gestrigen Medienmitteilung heisst es:

«Der Stadtrat setzt sich für einen Mittelschulstandort in Lenzburg ein.»
 
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