Für einmal ohne Schweissperlen zum Erfolg, dafür mit zwei Wünschen

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Da war es wieder, das Wettkampffieber, die Aufregung vor dem Rennen, die Hoffnung, dass alles gut geht, dass die Leistungen und die Zeiten stimmen. Diesmal stand Natascha Badmann aber nicht selber am Start. Die Rede ist vom ersten Ironman nach einem Jahr Covid-19-Pause in St. George im US-Bundesstaat Utah am 1. Mai. Die Küngoldingerin sass vor ihrem Computer. Sie war angefragt worden, ob sie für eine Live-Schaltung erreichbar wäre. Als sechsfache Siegerin des Ironman Hawaii und mit eindrücklichem Palmarès ist Badmann eine gefragte Expertin. Die Uhr zeigte 15 Uhr, die Schweizer Topfavoritin Daniela Ryf war in Utah soeben gestartet, als es bei Natascha Badmann wie vereinbart in der Leitung klingelte. Sie freute sich, mit den ehemaligen Profis Michael Lovato und Dede Griesbauer, die den Anlass kommentierten, zu plaudern und mit ihnen die Performances der Profis live zu analysieren.

Mit emotionalem Videodas Geheimnis gelüftet

Doch dann erschien Andrew Messick am Bildschirm, CEO der Ironman-Group. «Er ist sonst nie dabei bei solchen Live-Schaltungen», dachte Badmann. Messick begrüsste die Schweizerin, die den Ironman geprägt hat und sagte: «Schau, ich habe da etwas für dich» und startete einen Videoclip. «Ich hatte Gänsehaut, der Film ist wunderschön und zeigt viele meiner unglaublichen Hawaii-Momente», sagt die 54-Jährige. Zu sehen sind Rennszenen, Zieleinläufe, Siegerehrungen. Der Sprecher bezeichnet Badmann als «keine gute Schwimmerin», aber als «wunderbare Radfahrerin» und beschreibt, wie sie auf der Laufstrecke dem Publikum zuwinkte, Athleten motivierte, Babys küsste. Badmann habe alle spüren lassen, dass sie den Ironman auf Big Island liebt und dass man das Rennen, trotz der Strapazen, geniessen könne. Dem Video folgte die Bemerkung: «Willkommen in der Hall of Fame des Ironman».

«Die Überraschung war perfekt, ich habe mich mega gefreut.» Natascha Badmann, sonst selten um eine Antwort verlegen, war für einen Moment sprachlos. Es sei vielleicht die grösste Ehre überhaupt, in die Hall of Fame aufgenommen zu werden. Seit 1993 werden auf diese Weise Personen geehrt, die den Triathlon und den Ironman geprägt haben. «Es ist wie ein Oscar für einen Schauspieler, einfach ohne roten Teppich und mit weniger Glamour», sagt Badmann. Sie gewann 1998 als erste Europäerin den Langdistanz-Triathlon auf Hawaii, fünf weitere Siege folgten 2000, 2001, 2002, 2004 und 2005. Damit, aber auch mit schwierigen Momenten wie dem Sturz 2007, machte Badmann den Ironman in Europa bekannt.

Die Ehrung erfülle sie mit Stolz, sagt Badmann und erwähnt im selben Atemzug zwei Wünsche: «Wäre ich nicht perplex gewesen, hätte ich zu Andrew Messick gesagt, noch cooler als die Hall of Fame wäre eine separate Startkategorie für ehemalige Profis.» Jene Legenden müssten sich nach ihrem Rücktritt bei der Age Group einschreiben, was viele nicht möchten. «Dort nehmen wir anderen Startplätze und Ränge weg, obwohl wir nur noch mitmachen und den Anlass weiter geniessen möchten.»

Ihr Herz und ihre Seele sind mit Hawaii verbunden

Ihr zweites Anliegen ist es, dass auch die Trainer der «Hall-of-Fame-Athleten» eine Auszeichnung erhalten: «Ein Erfolg ist ein Mosaik, es braucht viele kleine Steine, bis das Bild fertig ist. Man schafft das nicht alleine.» Sie spielt dabei auch auf ihren langjährigen Trainer und Lebenspartner Toni Hasler an, der sie 1989 überhaupt zum Sport brachte und ihr Talent förderte: «Er machte mit seiner Pionierarbeit in vielen Dingen meinen Erfolg möglich und prägt den Triathlon im Hintergrund seit mehr als 25 Jahren.»

2016 bestritt Natascha Badmann, 20 Jahre nach ihrem Debüt, ihren letzten Ironman Hawaii als Profi. 2018 flog sie nochmal nach Kona, um Athleten zu unterstützen, die unter den Fittichen von Trainer Toni Hasler standen. Und nun wäre es nach drei Jahren wieder soweit, dass die Aargauerin auf jene Insel zurückkehren könnte, in die sie sich beim ersten Landeanflug 1996 verliebt hat. «Mein Herz, meine Seele sind mit Hawaii verbunden», sagt sie, «und durch die schönen Rennen habe ich so viel zurückbekommen für all die Trainings und das Herzblut, was ich investiert habe.» Und so erstaunt es nicht, dass die «Queen of Kona» sagt, dass die Ehrung «wunderbar», aber nicht vergleichbar sei mit einem Zieleinlauf. «Ich habe wahnsinnig viel gemacht für jeden meiner Siege. Keinen einzigen würde ich hergeben oder gegen diese Ehrung tauschen wollen. Für die Aufnahme in die Hall of Fame habe ich ja keinen einzigen Tropfen geschwitzt.» Zumindest nicht unmittelbar.

Anreise zur Ehrungsfeier auf eigene Kosten

Die Ehrungszeremonie ist im Herbst in der Rennwoche auf Hawaii geplant. Weil die Aufnahme in die Hall of Fame eben nicht so grosses Kino ist wie eine Oskar-Verleihung, würde nicht die Ironman-Organisation, sondern Natascha Badmann selbst das Flugticket bezahlen. Ob sie nach Kona fliegt, hängt von vielen Faktoren ab. «Zum einen ist offen, ob der Anlass wirklich stattfinden wird. Und nach so langer Zeit im Lock- und Slowdown weiss ich nicht, ob ich im Oktober reiselustig bin. Und eigentlich geht es für mich gar nicht, nur anzureisen, ohne mitzumachen – wo wir wieder beim Age-Group-Problem sind.»

Vorerst gibt Natascha Badmann ihre Erfahrungen als Motivationsrednerin und in Seminaren weiter und geniesst es, ihre geliebten Disziplinen täglich ausüben zu können. «In anderen Ländern dürfen aktuell oder seit Monaten nicht einmal die Profis ins Schwimmbecken steigen.» Sie hofft, dass sich die epidemiologische Lage entschärft, dass «wieder in aller Welt ähnliche, offene Trainings- und Wettkampfbedingungen» herrschen, dass man wieder faire internationale Sportfeste feiern kann. «Weil Erlebnisse, wie ich sie auf Hawaii sammelte, einfach glücklich machen.»

Mehr zu Natascha Badmanns Tätigkeit als Motivationsrednerin und ihren Seminaren gibt es hier.

Hier geht es zu einem ausführlichen Interview mit Natascha Badmann und Toni Hasler.

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