Woher stammt Sars-CoV-2? Ein Hochsicherheitslabor in Wuhan wird immer noch als Ursprungsort gehandelt

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Ein Sicherheitswärter hält Journalisten vor dem Wuhan Institute of Virology (WIV) zurück. Hinten erhält eine Delegation der WHO Zutritt. Bild: Ng Han Guan/AP (Wuhan, 3. Februar 2021)

Am 30. Dezember 2019 informierte das «Program for Monitoring Emerging Diseases» über eine Lungenentzündung, deren Ursache noch unbekannt war. Vieles hat man inzwischen erforscht. Doch wo der Erreger seinen Ursprung hat, ist noch nicht restlos geklärt. Schnell machte im Frühling 2020 das Gerücht die Runde, das Coronavirus könnte aus einem Labor in Wuhan entwichen sein.

Im Mai 2020 forderte die Weltgesundheitsversammlung die WHO auf, zusammen mit Partnern die Ursprünge von Sars-CoV-2 zu ermitteln. Im Herbst wurden in einer gemeinsamen Studie von China und der WHO Resultate veröffentlicht, mit denen das Forscherteam ein zoonotisches Überspringen des Virus vom Tier auf den Menschen als «wahrscheinlich bis sehr wahrscheinlich» bewertete.

Als Ursprungsort gilt dabei der Tiermarkt in Wuhan, auf dem Tiere auf katastrophale Art und Weise eingepfercht und behandelt werden.

Als extrem unwahrscheinliche These bezeichnet

Die Hypothese, dass die Pandemie durch einen Zwischenfall in einem Labor ausgelöst werden worden sein könnte, wird im Untersuchungsbericht der Chinesen und der WHO dagegen als extrem unwahrscheinlich bezeichnet.

Nun fordern 18 Wissenschafter in einem Brief im Fachmagazin «Science», dass die These eines Laborunfalls genauer überprüft werden soll. Einer der Mitunterzeichner ist Richard Neher vom Biozentrum der Universität Basel, der in der Schweiz die Coronaviren sequenziert. «Der WHO-Bericht hat keine wirklich aussagekräftigen neuen Erkenntnisse geliefert und die Möglichkeit eines Laborunfalls nur am Rande behandelt. WHO-Generaldirektor Tedros Ghebreyesus hat selbst gesagt, dass er eine genauere Untersuchung begrüssen würde», sagt Neher.

Nur am Rande behandelt

«Nur 4 der 313 Seiten des WHO-Berichts und seiner Anhänge befassten sich mit der Möglichkeit eines Laborunfalls», schreiben die Forscher im «Science». Als Wissenschafter mit einschlägigem Fachwissen stimmten sie mit dem WHO-Generaldirektor, den USA und 13 weiteren Ländern sowie der Europäischen Union darin überein, dass mehr Klarheit über die Ursprünge dieser Pandemie notwendig seien und das auch machbar sei.

Doch für wie wahrscheinlich hält Richard Neher die Laborthese? «Ich glaube nach wie vor an einen natürlichen Ursprung als wahrscheinlichste Quelle, aber andere Hypothesen sollten ernsthaft untersucht werden.» Das Wuhan Institute of Virology (WIV) hat sich auf die Erforschung von Coronaviren spezialisiert, sammelt Proben von Wildfledermäusen auf der Suche nach neuen Viren und führt Experimente durch. Diese Forschung an Krankheitserregern habe uns viel an Biologie gelehrt und Infektionskrankheiten weltweit eingedämmt.

Aber: In Anbetracht der Tatsache, dass das WIV zu dieser Zeit genau diese Viren untersucht hat, sei ein Zusammenhang zumindest eine ernstzunehmende Möglichkeit. Neher sagt:

«Ich denke, die Möglichkeiten für einen Laborunfall sind vielfältig und meist eine Verkettung unglücklicher Ereignisse ohne böswillige Absicht.»

Er verweist auf eine Recherche der US-Autorin Allison Young im März. Sie zeigt auf, dass Sicherheitsverletzungen in US-Labors immer wieder vorkämen. Ein Beispiel zeigt, wie Angestellte eines US-Labors mit gefährlichen Pockenviren in Glasfläschchen in einer Kartonbox zu Fuss unterwegs waren.

Wäre eines dieser Fläschchen mit diesem Variolavirus zerbrochen und in die Umwelt gelangt, hätte das schreckliche Folgen haben können. Wenn Sicherheitslecks in US-Labors möglich seien, müsse das auch für das Coronavirus in Wuhan genau geprüft werden, schreibt Young. Gerade auch um Verschwörungstheorien, die im Zusammenhang mit der Laborthese schnell die Runde gemacht haben, den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Informationen aus Wuhan nicht verbergen

Um die Laborthese zu klären, fordern die Wissenschafter, dass Gesundheitsbehörden und Forschungslabors ihre Informationen der Öffentlichkeit zugänglich machen müssten. Damit gemeint ist auch das Wuhan Institute of Virology, wo Informationen nach Neher nur spärlich zu erhalten sind. Er ist sich aber nicht sicher, ob dies bei westlichen Instituten in gleicher Lage komplett anders wäre

Immerhin halten die 18 Wissenschafter in ihrer «Science»-Publikation auch fest, dass chinesische Wissenschafter trotz der damals herrschenden antiasiatischen Stimmung viel riskiert hätten, um der Welt wichtige Informationen zu liefern.

Das bestätigt Neher: «Die chinesischen Kollegen haben das Genom des Virus ausgesprochen schnell sequenziert und veröffentlicht. Auch waren die klinischen und epidemiologischen Daten aus China ausserordentlich wichtig für unser Verständnis der Pandemie.» Die Forscher fordern im «Science» nun die gleiche Entschlossenheit, um einen sachlichen, wissenschaftlich fundierten Diskurs über dieses schwierige, aber wichtige Thema zu fördern.

Tiermarkt bleibt der Favorit

Generell gilt, dass die Erreger von Fledermäusen stammen, die im Süden Chinas in Höhlen leben und der Erreger schliesslich am Tiermarkt in Wuhan übersprungen ist. Der australische Forscher Edward C. Holmes von der Universität Sydney hat dort auf dem Tiermarkt viele Spuren gefunden, welche diese These untermauern.

Allerdings ist nach Neher nicht klar, ob eine solche Zoonose wirklich im besagten Markt stattgefunden hat oder ob der Tiermarkt nur ein Hotspot war. «Es gibt Berichte von frühen Fällen ohne Verbindung zum Markt», sagt Neher.

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