22-Millionen-Projekt: Eniwa plant in der Telli eine Biogas-Fabrik

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Visualisierung der geplanten Biogasanlage und Energiezentrale der Eniwa in der Telli Aarau (neben der ARA, links hinten). Sie soll 2023 in Betrieb gehen. Swiss Interactive Ag / Swiss Interactive AG

Demnächst werden die Profile aufgestellt, noch vor den Sommerferien wird das Baugesuch eingereicht: Ein in Gründung begriffenes Unternehmen, bei dem die Eniwa eine federführende Rolle spielen wird, plant, auf dem Brachland südlich der Kläranlage in Aarau 22 Millionen Franken zu investieren. Für ein Gebäude mit einer Biogasanlage.

Es wird gleichzeitig Raum geschaffen für die im Herbst 2019 zurückgestellte Energiezentrale des Fernwärmeverbundes Telli. Nach dem Bau des Gebäudes lässt die Eniwa einen 3,5 Millionen Franken teuren 5-MW-Spitzenlastkessel (basiert auf Gas) installieren. Er soll zum Einsatz kommen, wenn es bei der Fernwärmeversorgung aus technischen (Ausfall einer Heizzentrale) oder klimatischen Gründen (extreme Kälte) zu einem Versorgungsengpass kommt.

Jährlich bis zu 25'000 Tonnen Grüngut nötig

Bei der Biogasanlage geht es um die Ökologisierung der Gasversorgung. Die Gasindustrie hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 den Anteil der erneuerbaren Gase im Gasnetz auf 30 Prozent zu erhöhen. In Aarau sind gemäss der Energie- und Klimastrategie sogar 50 Prozent bis 2030 geplant. Die Eniwa leistet daran ihren Beitrag, hat eben ihren Anteil Biogas an ihrem Basisprodukt «Eniwa Naturgas» von 10 auf 20 Prozent erhöht. «Immer mehr Kunden entscheiden sich der Umwelt zuliebe für Biogas und reduzieren damit ihren CO2-Ausstoss», heisst es in einer Medienmitteilung.

Die Eniwa hat bereits jetzt eigene Biogas-Produktionsanlagen in Reinach und Inwil LU. Für 2023 ist die Inbetriebnahme der Anlage in der Telli vorgesehen. Die Eniwa ist dabei federführend bei der Planung und wird später für den Betrieb zuständig sein. Gehören wird die Anlage aber einem Unternehmen, bei dem die Eniwa zwar grösster Aktionär sein, aber nicht die Mehrheit haben wird.

Die anderen Anteilseigner sind aktuell noch geheim. Der Betrieb einer Biogasanlage ist wirtschaftlich gesehen ein anspruchsvolles Geschäft. Es gibt für die Investitionen keine Subventionen (wie etwa bei der Wasserkraft), sondern nur Förderbeiträge vom Verband der Gasindustrie. Das Biogas ist jedoch von der CO2-Abgabe befreit, welche derzeit 1,9 Rp./kWh beträgt und voraussichtlich weiter steigen wird.

Die Biogasanlage in der Telli wird die Grüngut-Entsorgung in der Region massiv verändern: Die heutige Kompostierung, bei der das Methangas ungenutzt in die Luft entweicht, wird zum Auslaufmodell. Die neue Anlage wird jährlich bis zu 25'000 Tonnen Grüngut (und etwas Speiseresten) verarbeiten können.

Es werden täglich bis etwa 100 Tonnen sein, für deren Hin- und Wegtransport um die 20 Lastwagenfahrten notwendig sind. Die Logistik wird weiterhin in der Hand der Gemeinden respektive der von ihnen beauftragten Grüngut-Entsorger sein. Die Eniwa ist daran, mit ihnen Verträge abzuschliessen. Sie (respektive das in Gründung begriffene Unternehmen) wird pro Tonne Grüngut eine Entsorgungsgebühr von 110 Franken verlangen.

In der Biogasanlage entstehen fünf Arbeitsplätze. Das Grüngut wird rund 14 Tage in einer Trommel vergoren. Dabei entsteht das CO2-neutrale Methangas. Die Anlage in der Telli wird jährlich etwa 15 Gigawattstunden Biogas herstellen, was ungefähr 4 Prozent der aktuellen schweizerischen Biogas-Produktion entspricht. Nach der sogenannten Trockenvergärung fallen feste und flüssige Gärreste an. Der Biodünger wird dann von Landwirten auf die Felder gebracht. Aktuell wird er noch gratis an die Bauern abgegeben.

Unterdruck und drei Wäscher sollen Geruchsbildung verhindern

Sondert das Biowerk unangenehme Gerüche ab? Nein, verspricht Eniwa-CEO Hans-Kaspar Scherrer. In der ganzen, komplett eingehausten Anlage wird ein Unterdruck herrschen. Die Luft der gesamten Anlage wird abgesogen und dreifach gewaschen. Damit wird eine Geruchsbelästigung verhindert.

Wie geht es mit der Energiezentrale Telli weiter? Nach dem Einbau des Spitzenlastkessels wird es eine Phase der Ruhe geben. Eine Heizzentrale mit weiteren Grundwasserwärmepumpen für die Erzeugung von zusätzlicher erneuerbarer Wärme und Kälte wird erst eingebaut, wenn die Kapazitäten der bestehenden Eniwa-Anlage «Torfeld», der neuen Energiezentrale beim KSA und der Fernwärmeanschlüsse der ­FEWAG/KVA Buchs ausgelastet sind.

Ursprünglich war vorgesehen, mittels Wärmepumpe die Restwärme des gereinigten Abwassers der unmittelbar nebenliegenden ARA zu nutzen. Das ARA-Abwasser ist im Winter leicht wärmer als das Grundwasser, aus dem normalerweise Fernwärme gewonnen wird. Ganz am Anfang (Stufe Vorprojekt) war in der Telli auch noch eine Wasserstoffproduktion ein Thema – diese ist aktuell aufgrund fehlender Wirtschaftlichkeit vom Tisch.

 
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