«Ego Movement»: Ein Aargauer baut schicke E-Bikes

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Daniel Meyer, CEO von Ego Movement, posiert am Firmen-Hauptsitz in einer ehemaligen Druckerei in Zürich. Bild: Severin Bigler

Die Liebe zum Velo muss irgendwann in seiner Kindheit entflammt sein. Ziemlich früh sogar. Denn da, wo er aufwuchs, in Hausen bei Brugg, direkt am Waldrand, da ging ohne fahrbaren Untersatz praktisch gar nichts. Er radelte in die Schule, die Jugendriege und selbst beim Spielen in der Freizeit konnten Daniel Meyer und seine Freunde nicht auf ihr Fahrrad verzichten: «Wir haben Räuber und Poli auf dem Velo gespielt», erzählt Meyer und lacht, wie so oft während unseres Gesprächs.

Meyer ist Mitgründer von Ego Movement, einem Schweizer E-Bike Hersteller, der seit der Gründung 2015 rasant gewachsen ist. Mehrere tausend E-Bikes haben sie selbst im Coronajahr verkauft. Genauere Zahlen gibt es nicht. Zusammen mit seiner Frau Marie So hat Meyer vor fünf Jahren einen ersten Prototyp anfertigen lassen. Da waren sie eben aus Peking zurückgekommen, wo sie beide in den Jahren zuvor gearbeitet hatten. Meyer sagt: «Wir hatten in Asien einen E-Scooter und wollten hier etwas Ähnliches kaufen, fanden aber nichts. Also schauten wir uns E-Bikes an, doch das waren vorwiegend grobschlächtige Gefährte.»

Von seinem Büro in der ehemaligen Druckerei im heute boomenden Norden Zürichs sieht er direkt in eine Art Turnhalle. Ego Movement teilt sich das Gebäude mit einem Fitnessclub. Gestählte Männer und Frauen machen Klimmzüge, Liegestütze oder Sit-ups. Oben hinter einer Glasscheibe sitzen wir am Tisch in Meyers Büro. Er trägt eine rote Chinohose, ein weisses Hemd und einen dunkelblauen Sakko mit Einstecktuch, dazu schwarze Lederschuhe. Stil ist ihm wichtig. Der Sinn für Ästhetik in die Wiege gelegt. Genauso wie die Faszination für alles, was sich bewegt.

Als Kind baut er Modellautos und -flugzeuge zusammen, ist fasziniert von elektrischen Schaltern und Motoren. Eine Leidenschaft, die er vom Vater mitbekommt. Dieser arbeitet damals als Elektroingenieur für die BBC und macht später auch bei der ABB Karriere. Oft arbeitet der Vater im Ausland, meist in Asien, wo er dann auch mit der Familie häufig Ferien macht. Japan, China, Malaysia, Vietnam – schon bevor Daniel Meyer mit der Familie nach Zürich zieht, wo er das Gymnasium und später die ETH absolvieren wird, hat er mehr von Asien gesehen als die meisten in ihrem ganzen Leben.

Auszeichnung mit renommiertem Designaward

Wie der Vater lässt er sich zum Elektroingenieur ausbilden. Schon während des Studiums gründet er sein erstes Unternehmen im Textilbereich. «Ich habe an Abenden und Wochenenden Kundenbesuche gemacht. Dann haben wir bei den Leuten Mass genommen, um die Anzüge schliesslich aus italienischen und britischen Stoffen fertigen zu lassen», erzählt Meyer. Das Studium findet er zwar spannend, aber «etwas eindimensional», wie er heute sagt, zu sehr nur auf die Technik fokussiert, zu wenig an der Marktfähigkeit von Produkten und den Kundenbedürfnissen orientiert.

Die Vorliebe für schöne Stoffe und edle Schnitte ist geblieben, obschon er sein erstes Start-up verkauft hat, kurz bevor er 2009 nach Asien auswanderte. Das kam so: Meyer machte seinen Master an der University of Hong Kong. Er entschliesst, länger zu bleiben, und lernt seine heutige Frau Marie So kennen. Sieben Jahre bleibt er, arbeitet für den Schweizer Marktexpansionsspezialisten DKSH. Erst in Hongkong, dann Vietnam, zuletzt in China. Doch irgendwie war für ihn und seine Frau immer klar, dass sie dereinst in die Schweiz kommen wollen.

Im Gepäck die Geschäftsidee für Ego Movement: Sie wollten E-Bikes mit Stil herstellen. 2015 beginnt alles mit einem ersten Prototypen. Schon im Folgejahr wird das junge Schweizer Unternehmen mit einem Red-Dot-Design-Award ausgezeichnet. Der Preis wird vom Design Zentrum Nordrhein-Westfalen verliehen und gehört zu den weltweit anerkanntesten Auszeichnungen im Designbereich.

Anfangs, da waren sie einfach zu zweit, er und seine Frau. Im Gerolds Garten hatten sie ihren ersten Pop-up-Store. «Wenn ich irgendetwas nicht selbst einstellen konnte, ging ich jeweils zum Velomechaniker um die Ecke, damit er mir helfen konnte», erzählt Meyer. Heute arbeiten rund 35 Leute für ihn und seine Frau, darunter auch neun Velomechaniker. Acht Stores haben sie in der Schweiz, drei in Deutschland. Als Nächstes kommen Genf und Lausanne dazu. Zudem kommt demnächst der erste E-Scooter von Ego Movement auf den Markt. Und dann möchten sie bald auch nach Übersee expandieren.

E-Bikes für Testfahrten gratis nach Hause geliefert

Die Komponenten ihrer preisgekrönten Bikes kommen – wie in der Branche üblich – mehrheitlich aus Asien, einzelne Teile wie spezielle automatische Schaltungen oder Lichtanlagen aus Holland und Deutschland. Aber jedes Bike, das in der Schweiz verkauft wird, wird in Wallisellen montiert, wo Ego Movement vor kurzem eine neue, über 1000 Quadratmeter grosse Produktionshalle bezogen hat.

2500 bis 4500 Franken kosten die Bikes, je nach Kundenwunsch ein bisschen mehr. Denn nichts geht über die Bedürfnisse der Kunden. Deshalb setzt Meyer wie Tesla-CEO Elon Musk auf Direktvertrieb und qualitativ hochstehenden Service. «Unser Aussendienst besucht interessierte Kunden zum Beispiel auch zu Hause für einen kostenlosen Test und man kann sich das Bike fixfertig montiert und fahrbereit liefern lassen», erzählt Meyer. Ein Service, den kein anderer Hersteller anbiete und der während Corona sehr gefragt war.

Apropos Corona: Wie so viele E-Bike-Hersteller war auch Ego Movement im letzten Jahr von Lieferengpässen und -verzögerungen betroffen. Insbesondere bei Shimano-Schaltungen, Bremsen und Federgabeln. Unterdessen sind die meisten der Ego-Movement-Bikes wieder innert zwei bis vier Wochen bei den Kunden. Meyer: «Die Handelsrouten funktionieren wieder besser und wir haben die Lieferketten letztes Jahr den neuen Herausforderungen angepasst.»

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