Nach dem Öffnungsturbo steigen in Dänemark die Ansteckungen – passiert das auch der Schweiz?

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Mit den Öffnungen steigen in Dänemark auch die Corona-Ansteckungen wieder an. Gäste in einem Restaurant in Kopenhagen am 1. Juni 2021. Imago

Alles unter Kontrolle, eigentlich. Die Dänen haben schon längst eine App, die Impfung, Test oder Genesung anzeigt. Dieser Coronapass ist nötig, um ins Restaurant, in die Uni und in die Sporthalle zu kommen. Und sie zwingt einen Grossteil der Bevölkerung zu regelmässigem Testen. Die gute Übersicht über die Ansteckungen war die Grundlage dafür, dass die Skandinavier schon früh den Öffnungsturbo gezündet hatten.

Doch jetzt stellt sich ein Problem: Während die Fallzahlen fast überall in Europa sinken, passiert in Dänemark das Gegenteil: Die Ansteckungen sind in den letzten Wochen angestiegen. So weit, dass im aktuellen 7-Tages-Vergleich Dänemark mit Litauen und den Niederlanden in Europa an der Spitze liegt. Gleichzeitig ist Dänemark eines der ganz wenigen Länder, deren Kontaktzahl R noch über 1 liegt, was bedeutet, dass die Pandemie weiter wächst: 1,1 ist der Wert. In der Schweiz sind es 0,84.

Dänen fürchten, zu Europas Verschmähten zu werden

Die Entwicklung erstaunt, zumal Dänemark seit Februar eine stabile Lage hatte, aber dennoch noch bis Ende April seinen vorsichtigen Kurs mit geschlossenen Schulen beibehielt. Was macht das Land falsch?

Gar nichts, sagt die Regierung. Der Anstieg der Infektionen sei mit den Öffnungen zu erwarten gewesen und nicht besorgniserregend. In den Spitälern gäbe es keine Probleme, sagt Gesundheitsminister Magnus Heunicke. Dänemark habe «starke Werkzeuge». Dazu gehören unbeliebte lokale Lockdowns: Steigen die Zahlen in einem Stadt- oder Wahlkreis zu stark, müssen Schulen, Sport- und Kultureinrichtungen sofort wieder schliessen – nicht aber Restaurants und Bars.

Kritiker warnen jedoch mit Blick auf den Sommer: Es stelle sich die Frage, ob nicht andere Länder die Dänen oder Dänemark bald verschmähten, sagte der Epidemiologe Viggo Andreasen. Sein Fachkollege Peter Busk bezeichnete die Millionen verschlingende Teststrategie als «völlig wahnsinnig», da sie offenbar nicht wirke.

Keine Impftermine für Unter-45-Jährige

Ein wichtiger Grund für die Entwicklung dürfte bei den Impfungen liegen. Das Land hat als eines von ganz wenigen beschlossen, weder Astrazeneca noch Johnson&Johnson zu verwenden. Der Grund ist das kleine Thrombose-Risiko, das aber viele Staaten nicht davon abhält, möglichst alle Impfstoffe zu einzusetzen.

Da Dänemark zu einem wichtigen Teil auf diese beiden Impfstoffe gesetzt hatte, hat sich das Impfprogramm deutlich verlangsamt – zumal streng nach Alter geimpft wird: Personen unter 45 Jahren müssen noch Wochen auf ihre erste Impfung warten. Die Regierung hat deshalb die Gesundheitsbehörde beauftragt, eiligst die beiden Impfstoffe nochmals zu überdenken.

Im Vergleich scheint die Schweiz vieles richtig zu machen, doch das Beispiel Dänemark kann auch eine Warnung sein. Wie auch in Deutschland sind mit der Öffnung nochmals steigende Zahlen möglich. Und was das Impftempo angeht, liegt die Schweiz derzeit gar noch leicht hinter Dänemark. Beide Länder haben zwar viele vollständig Geimpfte, aber im internationalen Vergleich wenige Personen, die erst ihre erste Impfung erhalten haben.

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