Kommission als «Feigenblatt»? Zwei Mitglieder der Betriebskommission des Seniorenzentrums zurückgetreten

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Seniorenzentrum Zofingen (Archivbild lee)
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«Konstruktive ­Vorschläge wurden nie angenommen.» Adrian Borer, Einwohnerrat GLP

Zwei Mitglieder der Betriebskommission des Seniorenzentrums sind per sofort zurückgetreten. Ihre Namen tauchen auf der Homepage der Stadt bereits nicht mehr auf. Einer der Zurückgetretenen ist GLP-Einwohnerrat Adrian Borer. Er hat seine Demission am Tag nach der Ankündigung eines Stellenabbaus erklärt. Am 28. Mai wurde bekannt, dass das Zentrum sieben Vollzeitstellen streicht, zwölf Personen wurde gekündigt. Ohne einschneidende Massnahmen würde per Ende 2021 ein Defizit von 1,6 Millionen Franken drohen, hiess es weiter.

Laut Borer war diese Ankündigung aber nur der Auslöser für seinen Rücktritt. «Die Kommission hat seit Beginn viele konstruktive Vorschläge gemacht, die jedoch nie aufgenommen und dementsprechend nicht umgesetzt wurden», sagt er. «In den letzten Monaten wurden wir jeweils nur sehr kurzfristig über schon gefällte Entscheide informiert. In meinen Augen war die Kommission da nur noch ein Feigenblatt.» Auch zum Stellenabbau sei die Kommission nicht konsultiert worden. Grundsätzlich sei dieser nötig gewesen, meint Borer. Aber: «Der Zeitpunkt ist meiner Meinung nach ungünstig. Die zuständige Stadträtin wollte dies nicht öffentlich aussprechen, aber die Analyse der Beratungsfirma zeigt ja offenbar, dass das Seniorenzentrum schon vor der Pandemie einen Personalüberhang hatte. Man hätte also schon vor ein, zwei Jahren eine schrittweise Reduktion ohne Entlassungen einleiten sollen. Wegen des drohenden Defizits fühlte man sich nun unter Zugzwang und nahm die Entlassungen vor – zum für die Betroffenen ungünstigsten Zeitpunkt», sagt Borer. Auch bei zentralen Themen wie der Budgetrunde sei die Kommission nicht involviert worden. «Selbstkritisch muss ich sagen, dass die Kommission zu einem früheren Zeitpunkt vielleicht das Gespräch mit dem Gesamtstadtrat hätte suchen sollen. Dies gilt umgekehrt wohl auch.»

Das Seniorenzentrum in eine Aktiengesellschaft im Besitz der Stadt zu überführen, sei überfällig. «Mit einer stimmigen Eigentümerstrategie und einem Verwaltungsrat, der die strategische Leitung hat, wird das gut kommen. Das Seniorenzentrum soll entpolitisiert werden.»

«Ich bedauere die beiden Rücktritte», sagt die zuständige Stadträtin Rahela Syed auf Anfrage. «Ich habe die Zusammenarbeit mit der Kommission als konstruktiv wahrgenommen.» Borers Analyse, wonach schon früher hätte gehandelt werden müssen, teilt sie nicht: «Leider mussten in den Monaten Dezember, Januar und Februar mehr Todesfälle als in anderen Jahren beklagt werden. Erschwerend kam hinzu, dass die Nachfrage nach Zimmern zögerlich erfolgte. Die leeren Zimmer zwangen uns leider zu diesem Stellenabbau und auch, weil der Kanton die Kurzarbeit nicht bewilligte.» Die Pflege der Bewohnerinnen und Bewohner könne weiterhin mit guter Qualität und motivierten Mitarbeitenden sichergestellt werden.

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