Neue Corona-Zahlen zeigen: So stark war jede Aargauer Gemeinde bisher betroffen

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Solothurn macht es schon länger, Zürich ebenso und nun auch der Aargau: Am Montag hat das Departement Gesundheit und Soziales die Anzahl der laborbestätigten Infektionszahlen pro Gemeinde publiziert. Es hat ein Gesuch der AZ zur Dateneinsicht gestützt auf das Öffentlichkeitsgesetz gutgeheissen.

Die Daten zeigen einerseits das Infektionsgeschehen der letzten zwei Wochen (Tabelle am Artikelende) und anderseits die Gesamtzahl aller Infektionen seit dem 11. Mai 2020, als das Contact-Tracing-Center seine Arbeit aufnahm.

Bei der Interpretation der Daten gilt es einiges zu beachten:

  • Die Fallzahlen fliessen nach Wohnort in die Statistik ein, nicht nach Ansteckungsort. Es ist gut möglich, dass die Infektion an einem anderen Ort passierte.
  • In der Statistik des Kantons Aargau sind 95 Prozent aller Infektionen mit dem Wohnort verzeichnet. Die Mehrheit der fehlenden Infektionen stammt aus der Zeit vor dem 11. Mai 2020.
  • Für Gemeinden mit weniger als 500 Einwohner macht der Kanton aus Datenschutzgründen keine Angaben (in der Karte grau).
  • In kleinen Gemeinden sorgen schon wenige Fälle für einen hohen Pro-Kopf-Wert.
  • Nicht alle Infizierten lassen sich testen und gewisse Infektionen verlaufen ohne Symptome. Die tatsächliche Zahl der Fälle dürfte überall etwas höher liegen.

Turgi: Über 40 Kinder und Lehrer an Schule infiziert

Die Zahlen zeichnen das Infektionsgeschehen also nur sehr beschränkt nach. Dennoch geben sie einen Einblick in den Verlauf der Pandemie und lassen sich zum Teil sogar mit Ereignissen verknüpfen.

Das gilt zum Beispiel für Turgi. In der Gemeinde mit knapp 3000 Einwohnern hatte jeder zehnte Einwohner Corona, genau: 11,5 Prozent. Anteilsmässig ist Turgi die am stärksten betroffene Gemeinde im Aargau. Ein Grund dafür dürfte der grosse Corona-Ausbruch von Ende Januar an der Primarschule sein: Mindestens 37 Schüler und acht Lehrpersonen hatten sich infiziert, viele mit einer der neuen, ansteckenderen Virusvarianten. «Deshalb wurde unter anderem mittels Massentests deutlich mehr getestet als in anderen Gemeinden», sagt Gemeindeammann Adrian Schoop. Wenn ein Kind positiv gewesen sei, seien gemäss Contact-Tracing alle Familienmitglieder getestet worden. Dadurch fand man weitere Fälle. In einer kleinen Gemeinde wie Turgi summiere sich das schnell, so Schoop.

Adrian Schoop, Gemeindeammann von Turgi, führt die hohe Infektionszahl auf die Massentests nach dem Ausbruch an der Schule zurück.

Adrian Schoop, Gemeindeammann von Turgi, führt die hohe Infektionszahl auf die Massentests nach dem Ausbruch an der Schule zurück.

Britta Gut

Auch Fislisbach und Spreitenbach weisen überdurchschnittlich viele Infektionen pro Einwohner auf. In Fislisbach wurden zwei grössere Corona-Ausbrüche bekannt: Im Alterszentrum erwischte es 50 Bewohner und 20 Angestellte. Im März mussten wegen mehrerer Infektionen über 300 Primarschüler und Kindergärtler in Quarantäne. Kantonsärztin Yvonne Hummel forderte die ersten bis vierten Klassen zum Testen auf.

Spreitenbach geriet Ende Juni mit einem Superspreader-Event in den medialen Fokus. In der Tesla-Bar steckten sich mehr als 20 Personen an. Der Massenauflauf im Shoppi Tivoli und von der Polizei aufgelöste Partys rückten Spreitenbach erneut ins Rampenlicht.

 

Wie stark sich diese Ereignisse auf die Fallzahl der Gemeinde auswirkten, ist unklar. «Die Vorfälle, die öffentlich bekannt wurden, hatten sicher einen Einfluss, aber man müsste das genauer analysieren», sagt der Spreitenbacher Gemeindepräsident Markus Mötteli. Er nennt mehrere mögliche Gründe für die überdurchschnittliche Infektionszahl. Etwa, dass viele Spreitenbacher in der Stadt Zürich arbeiten oder dass die Verhältnisse in Spreitenbach städtisch sind. Ausserdem sei der Anteil Menschen, die in grossen Häusern enger zusammen wohnen, grösser als andernorts.

Mehr Infektionen im Osten

Turgi, Fislisbach und Spreitenbach liegen im Bezirk Baden. Der Blick auf die Zahlen verrät, dass die Pandemie den Ostaargau leicht stärker heimsuchte als den Westen. Sechs der zehn stärkstbetroffenen Gemeinden gehören zu den Bezirken Baden und Zurzach.

Dass die Pandemie im Osten stärker wütete, zeigt auch eine Aussage von Adrian Schmitter. Der CEO des Kantonsspitals Baden sagte im Januar gegenüber Tele M1:

«Der Aargau ist nicht homogen. Wir waren im Frühling viel schneller voll als die Spitäler im Westen des Kantons.»

Er führte das auf die Nähe zu Zürich zurück – wie auch das Gesundheitsdepartement. In der zweiten Welle passierte laut Schmitter dasselbe: «Wir waren schon im Oktober voll mit 14 Betten.» Nur, weil immer wieder Patienten ans Kantonsspital Aarau überwiesen werden konnten, habe man die Situation bewältigen können. Das KSA verfügt über mehr Intensiv-Kapazitäten als das KSB.

Das macht deutlich, wie sehr sich die Pandemie im ganzen Land ausbreitete. In der ersten Welle litten vor allem das Tessin und die Romandie unter vielen Infektionen. In der Deutschschweiz wiesen nur einzelne Gemeinden erhöhte Fallzahlen auf – so etwa Ammerswil, wie die «NZZ» aufzeigte. Das Eindämmen der lokalen Ausbrüche gelang besser, ein Übergreifen auf umliegende Dörfer und Städte konnte verhindert werden.

Nach dem ersten Cluster blieb Ammerswil von weiteren Ausbrüchen verschont. Heute es die Gemeinde mit den wenigsten Fällen im Aargau (19). Anteilsmässig ist Möriken-Wildegg die am wenigsten betroffene Gemeinde (1,9 Infektionen auf 100 Personen).

Das Gesundheitsdepartement äussert sich nicht zu Fragen nach den Gründen, warum die Zahlen in gewissen Gemeinden höher sind als in anderen.

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