Shaqiri und Maradona beim Trikottausch: Die schönsten Fussballer findet man im «Tschutti Heftli»

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Mehr als bei Panini: In jedem Päckli à 1.50 Franken stecken zehn Bilder fürs «Tschutti Heftli».

Ronaldo gegen Messi, Lewandowski gegen Shaqiri. Diese sensationellen Spielertransfers finden zwar nicht auf dem Spielfeld, dafür aber auf dem Pausenplatz statt. Pünktlich zur EM entfachen die kleinen Klebebilder von Panini das Sammelfieber. Um die Spielerlegenden der Saison wird gefeilscht und gespielt, bis das Album voll ist. Wie ärgerlich, wenn auch im letzten Päckchen vom Kiosk (gekauft für 1.10 Franken) der passende Kopf für das letzte freie Feld fehlt. Für das italienische Familienunternehmen geht es dabei um Summen, die mit den Spielereinkäufen der grossen Klubs locker mithalten können: 2015 erzielte es einen Umsatz von 529 Millionen Euro.

Kunstvolle Illustrationen statt Photoshop-Fotos

Weniger um den «rollenden Rubel» als um das «rollende Leder» geht es hingegen den Machern des «Tschutti Heftlis». Seit 2008 ist es die Schweizer Alternative zu Panini. Statt gebügelter Photoshop-Fotos gibt es hier handgemachte Illustrationen. Der Erlös wird gespendet. Anfangs verpackten die Erfinder die Bilder in einer Dachwohnung in Luzern noch selbst. Inzwischen ist die Produktion von 3,3 Millionen Sammelbildern und den knapp 9000 Alben professionalisiert.

Im Team späht man nicht zum grossen Bruder: «Das ‹Tschutti Heftli› konkurriert nicht mit Panini. Unser Anspruch ist es, die verschiedenen Welten zwischen Kunst, Kultur und Fussball miteinander zu verbinden», sagt Fabian Achermann. Tatsächlich finden sich unter Zeichnern viele Fussballfans. An dieser siebten Ausgabe arbeiteten 24 Künstlerinnen und Künstler aus sieben Ländern von Kiel bis Bilbao.

Beim Basler Künstler Christian Müller landen für das Portrait von Alex Kral Hörnli mit G'hacktem auf dem Papier.

Beim Basler Künstler Christian Müller landen für das Portrait von Alex Kral Hörnli mit G'hacktem auf dem Papier.

Gezeichnet, aus Spaghetti gelegt oder gesprayt treffen die verschiedenen Stile die einzelnen Spieler pointiert. Dem Badener Illustrator Philipp Condrau skizziert zum Beispiel einzig in Rot und Blau den entschlossenen Blick unter den dichten Brauen des Schweizer Goalies Yann Sommers.

Römische Söldner und heutige Superhelden

So aufwendig bearbeitet, werden die Helden vom Platz zu Ikonen. Es gab sogar mal eine Linie, in der Illustrator Felice Bruno seiner zugeteilten Mannschaft den Heiligenschein umlegte. Wer will auch schon Normalos sammeln?

Yann Sommer erkennt man auch in rot-blau: So hat ihn der Badener Illustrator Philipp Condrau gezeichnet.

Yann Sommer erkennt man auch in rot-blau: So hat ihn der Badener Illustrator Philipp Condrau gezeichnet.

Schon die Römer zeichneten die Heldengeschichten ihrer Söldner und Legionäre auf. Angesichts der EM lässt sich dieses Thema leicht ins Heute übertragen. So kam es auch, dass der Legionärspfad Vindonissa in Windisch auf das «Tschutti Heftli» zukam. Am 10. Juni eröffnet im Besucherzentrum eine Werkschau, in der sich Fussballhelden – und Heldinnen – und historische Figuren begegnen.

Die Helden, die dabei sind, sind es aus verschiedenen Gründen. Diego Maradona etwa, der tragische Held. Oder Gelson Fer­nandes, dessen Namen zwar weniger glanzvoll, dessen Tor an der WM 2010 in Südafrika für den Sieg gegen Spanien aber umso entscheidender war.

Fussball verbindet

Für die Werkschau auf Posterformat vergrössert, wird deutlich: Fussballer sind Vorbilder für Generationen, stiften Zugehörigkeit und Gemeinschaft. Ob im Stadion, durch Panini oder eben das «Tschutti Heftli» – Fussball verbindet. «Die Idee lebt vom (Aus-)Tausch und von Begegnungen», sagt Fabian Achermann, «es sind Projekte wie diese Ausstellung, die dem Sammelfieber einen Ort geben.» Und solche Orte braucht es speziell, wo spontane Begegnungen selten geworden sind.

In dieser Ausgabe gestalten die Künstler quer über die Mannschaften hinweg. Daraus ergeben sich zwei Klebeweisen für die 470 Bildli: nach Land oder eben nach Künstler sortiert. Ein kleines Symbol, um Grenzen, die durch die Pandemie mit festem Strich nachgezogen wurden, aufzulösen. Besonders beliebt sind traditionell trotzdem die Schweizer Spieler.

Zuletzt noch ein Tipp vom Sammelprofi für das Turnier: «Wie viele sehe ich Frankreich weit vorn, aber mein Geheimtipp ist Italien.»

Werkschau «Tschutti Heftli»: Ab 10.6. Legionärspfad Vindonissa, Windisch.

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