Jetzt fährt im Aargau das erste strombetriebene Postauto

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Hier wird der Elektrobus aufgeladen. Auf dem Dach des Perronbereichs wird der nötige Strom mit Solarzellen gleich vor Ort produziert. zvg

Jetzt beginnt im Aargau die Elektrozukunft bei den Postautos. Um das erste batteriebetriebene Fahrzeug in der Aargauer Flotte beziehungsweise in der ganzen Nordwestschweiz vorzustellen, lud PostAuto an den Bahnhof Brugg. Hier ist es ab nächster Woche im fahrplanmässigen Einsatz. Und zwar unter der Woche auf der Linie 361 Brugg, Bahnhof/Campus–Unterwindisch und am Wochenende auf der Linie 368 Brugg–Schinznach Bad.

Das «Tüpfelchen auf dem i» ist, dass der nötige Strom (übers Jahr gesehen) mit Solarzellen auf dem Perrondach der Haltestelle Brugg, Bahnhof/Campus, produziert wird. Hier wird der Bus über einen Pantografen während der 12-minütigen Standzeit jeweils aufgeladen.

Bus verbraucht so viel Strom wie 19 Haushaltungen

Dort hat die regionale Energiedienstleisterin IBB Energie AG (IBB) auf dem Dach des bestehenden Busperrons eine Fotovoltaikanlage errichtet. Die so gewonnene Energie fliesst laut Eugen Pfiffner, CEO der IBB, vorläufig noch ins Stromnetz, später geht die Solarenergie in einen lokalen Zwischenspeicher. Aus diesem bezieht dann die Ladestation den Strom direkt zum Zwischenladen des Batteriebusses. Motto: «Lokaler geht es nicht.»

Übers Jahr produziert die Anlage mindestens 85'000 Kilowattstunden (kWh) Strom. Der Bus verbraucht in dieser Zeit rund 80'000 kWh. Das entspricht etwa dem Verbrauch von 19 Vier-Personen-Haushalten.

Ziel sei, sagte der PostAuto-Schweiz-Chef Christian Plüss bei der Vorstellung des neuen Fahrzeugs, bis 2040 CO2-neutral unterwegs zu sein. Das hier sei ein Anfang. Und schon bis 2024 sollen insgesamt 100 (von 2500 Postautos) Fahrzeuge mit alternativem Antrieb unterwegs ein.

Fast lautlos unterwegs: Das werden auch Anwohner spüren

Beim Elektro-Postauto der Firma Scania handelt es sich um einen 12 Meter langen Bus mit drei Türen für den speditiven Ein- und Ausstieg. Das Modell ist eines der ersten Serienfahrzeuge mit Elektroantrieb dieses Herstellers. PostAuto-Unternehmer Voegtlin-Meyer AG setzt den Bus ein.

Zu erkennen ist er am auffallenden Äusseren. Während der Fahrt werden die Fahrgäste feststellen, dass laute Motorengeräusche fehlen, so Patrick Zingg, Leiter Markt und Kunde von PostAuto Nord. Zudem beschleunigt der Bus gleichmässig und ohne das sogenannte Schaltrucken. Von der deutlich leiseren Fahrweise werden auch die Anwohner profitieren. Die Region Brugg-Windisch mit 13 Linien und städtischen sowie Überlandstrecken sowie grossen Steigungen (Bözberg) sei dafür besonders geeignet, hiess es bei der Präsentation des Busses.

Noch kostet so ein Fahrzeug samt Infrastruktur viel Geld

Noch sind Elektrobusse deutlich teurer als Dieselfahrzeuge. Hinzu kommt, dass mit der Einführung eines Batteriebusses auch eine Ladeinfrastruktur nötig geworden ist (so wie bei den Regionalen Verkehrsbetrieben Baden-Wettingen RVBW, die auch bereits so einen Versuch machen).

PostAuto konnte den Kanton Aargau sowie Brugg und Windisch als Partner gewinnen. Der Kanton finanzierte die Ladeinfrastruktur. Der Bus passe genau in die Mobilitätsstrategie, sagte Carlo Degelo, Leiter Verkehr beim Kanton: «Es ist uns ernst mit der Umsetzung der Mobilitätsstrategie.» Man habe für diese Innovation gern etwas mehr bezahlt, «das ist es uns wert».

Brugg und die Windisch leisten einen einmaligen Förderbeitrag. Der Klimafonds der Schweizerischen Post übernimmt die Betriebsmehrkosten. Die IBB ist für die Finanzierung, den Bau und Betrieb des Anschlusses für die E-Ladestation und der Fotovoltaikanlage verantwortlich.

Die Brugger Frau Stadtammann Barbara Horlacher freut sich, dass so eine Innovation erneut in der Region zum Einsatz kommt. Sie sei überzeugt, sagte sie, dass die Bevölkerung dieses Postauto wahrnehmen und hoffentlich auch selbst viele Beiträge zur Nachhaltigkeit leisten wird. Freude herrscht auch in Windisch bei Gemeindepräsidentin Heidi Ammon. Sie sieht das Ganze (nachdem in der Region vor einigen Jahren schon Brennstoffzellenpostautos getestet wurden) gar unter dem Slogan «Vom Römerdorf zum Technikerdorf».

Einen Nachteil hat der Elektrobus allerdings: Wie bei einem Elektroauto hört man kein Motorengeräusch mehr, man muss also als Verkehrsteilnehmer künftig noch aufmerksamer sein.

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