Verfallsdatum erreicht: Die USA müssen Impfstoff vernichten – werden Impfzögerer auch in der Schweiz zum Problem?

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Der Impfstoff von Pfizer/Biontech: Davon hat die Schweiz 6 Millionen Dosen bestellt. Bild: Getty

Es war eine Vorsichtsmassnahme. Im April wurde in den USA vorübergehend kein Johnson&Johnson-Impfstoff mehr gespritzt, um ein seltenes Blutgerinsel-Risiko einzuschätzen. Es häuften sich Vorräte an, die jetzt wegen der beschränkt langen Haltbarkeit des J&J-Impfstoffs zu verfallen drohen – und das in einer Zeit, in der sich die ganze Welt bemüht, die Coronapandemie zu stoppen.

Abgelaufener Impfstoff: Droht dieses Szenario auch in der Schweiz? Tatsache ist: Der Bund hat für dieses Jahr 6 Millionen Dosen von Pfizer/Biontech und 13,5 Millionen von Moderna bestellt. Die bis jetzt hierzulande beiden einzigen zugelassenen Impfstoffe würden reichen, um die ganze Bevölkerung zu immunisieren. Haltbar sind beide Vakzine während sechs Monaten ab Herstellung.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) geht nicht davon aus, dass unser Land plötzlich auf abgelaufenem Impfstoff sitzenbleibt. «Der Bund wird eine Weitergabe von Impfstoffen an andere Länder prüfen, sollten diese in der Schweiz nicht benötigt werden», sagt eine BAG-Sprecherin. Mit anderen Worten: Die möglichen überzähligen Moderna- und Pfizer/Biontech-Dosen dürften andere erhalten.

Im Rahmen des Covax-Programms – es geht darum, ärmeren Ländern Zugang zu Impfstoff zu verschaffen – klärt das BAG derzeit sodann ab, ob es 3 der 5,3 Millionen bestellten Dosen von Astrazeneca abtreten könnte. Der Impfstoff, den Forscher der Universität in Oxford entwickelt haben, harrt in der Schweiz noch der Zulassung.

Täglich werden bis zu 100'000 Dosen verimpft

Das offizielle Ziel des Bundes lautet, 75 Prozent der Risikobevölkerung durchzuimpfen. Die restliche Bevölkerung soll flächendeckend Zugang zur Corona-Impfung haben – und sich, so die Wunschvorstellung, möglichst zahlreich immunisieren lassen. Fast ein Viertel der Bevölkerung wurde schon zweimal gepikst, knapp 40 Prozent mindestens einmal. Von den über 65-Jährigen haben sogar rund 80 Prozent schon mindestens eine Dosis erhalten.

Aktuell werden täglich bis zu 100'000 Personen gegen Corona geimpft. Und mit mehr als 2,5 Millionen Impfdosen erhält die Schweiz im Juni die bis jetzt grösste Menge. Bloss: Sorgten am Anfang der Impfkampagne noch sogenannte «Impfdrängler» für Schlagzeilen, hat der Wind gedreht. Seit mehr Dosen verfügbar sind, mehren sich aus den Kantonen Nachrichten, wonach immer mehr freie Impftermine offen bleiben – oder gebuchte Termine unentschuldigt sausen gelassen werden. Auf die Drängler folgen die Zögerer.

In Schwyz soll es ein Bus für Kurzentschlossene richten

Bis Ende Juli hat etwa der Kanton Schwyz noch 15000 freie Termine für Erstimpfungen zu vergeben. «Die Impfbereitschaft unter der breiten Bevölkerung könnte durchaus höher sein», teilt der Kanton diese Woche mit. Ein Impfbus soll die Wende bringen. Im Rahmen eines Pilotversuchs macht er am kommenden Samstag beim Einkaufszentrum Mythen Center in Schwyz von 9 bis 16 Uhr Halt für Spontanimpfungen.

Rudolf Hauri, Präsident der Vereinigung der und Kantonsärzte.

Rudolf Hauri, Präsident der Vereinigung der und Kantonsärzte.

Bild: Peter Klaunzer/Keystone

Nicht wahrgenommene Termine können dazu führen, dass bereits bereitgestellter Impfstoff vernichtet werden muss. Doch offenbar hält sich die Verschwendung in Grenzen. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse haben gezeigt, dass der aufgetaute Impfstoff bei Kühlschranktemperatur länger gelagert werden kann als zu Beginn. «Dies vermindert das Risiko, dass Impfstoff wegen nicht wahrgenommener Termine vernichtet werden muss, erheblich», sagt Rudolf Hauri, Präsident der Vereinigung der Kantonsärzte. Im Kanton Zug seien in den letzten sieben Tagen etwa 5 Prozent nicht zum ersten und 1 Prozent nicht zum zweiten Termin erschienen. Dies habe zu Umorganisationen, aber keinen Problemen geführt.

Der Kanton Luzern wiede­rum gibt Gegensteuer, indem er ab nächstem Montag in den Impfzentren Luzern und Willisau eine halbe Stunde vor Betriebsschluss Spontantermine anbietet.

Impfbereitschaft tiefer bei der jüngeren Generation

Gemäss aktuellen Umfragen dürfte die Impfbereitschaft bei gut 70 Prozent liegen. Sie sinkt mit abnehmendem Alter, was die Zunahme der freien Termine erklären könnte. In den Kantonen Zürich und Bern haben sich bereits 70 Prozent oder mehr Personen gegen Corona geimpft oder einen Impftermin vereinbart, so die NZZ. In ländlichen Gegenden etwa der Zentralschweiz sind es weniger. Und in Graubünden haben sich bisher nur 48 Prozent der über 16-Jährigen zentral angemeldet.

Christoph Berger, Präsident der Eidgenössischen Kommission für Impffragen, zeigt sich derweil nicht beunruhigt über die Zunahme an freien Terminen. Auf Anfrage sagt er:

«Es macht nichts, dass nicht mehr Termine sofort ausgebucht sind, das kann ja noch kommen. Die Impfung ist freiwillig, jede und jeder hat die Möglichkeit, und es gibt gute Gründe, sich impfen zu lassen.»

Und es sei auf jeden Fall gut, dass sich jetzt alle impfwilligen Erwachsenen anmelden könnten.

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