Demenz: Nach einem Alzheimer-Medikament macht nun eine Impfung weitere Hoffnung

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Der bekannte deutsche Schalke-04-Manager Rudi Assauer war ein prominenter Alzheimer-Betroffener. 2019 ist er 74-jährig gestorben. Rolf Vennenbernd / EPA

Vor einigen Tagen hat die US-Firma Biogen in den USA die Zulassung für den Wirkstoff Aducanumab erhalten. Ein Alzheimer-Medikament, das in der Schweiz von der Firma Neurimmune in Zusammenarbeit mit der Universität Zürich entwickelt worden ist. Nun kündigt ein slowakisches Forschungsteam des Pharmakonzerns AXON Neuroscience im Fachmagazin «Nature Aging» eine Impfung gegen die Demenzerkrankung an. 

Unterschiedliche Zielrichtung von Impfung und Medikament

Das Medikament und die Impfung haben dabei unterschiedliche Zielrichtungen. Die Biogen-Medikament Aducanumab zielt auf die Ablagerungen im Gehirn, welche durch den Eiweissstoff Amyloid entstehen und wohl massgeblich zu Alzheimer beitragen. Die slowakische Impfung bekämpft dagegen Protein Tau, das ebenfalls für eine entstehende Demenz verantwortlich gemacht wird. Denn das Tau-Protein häuft sich im Gehirn von Alzheimer-Patienten an und führt dort zu Verklumpungen. Diese Klumpen lassen die Nervenzellen zugrunde gehen. Wie gross der Einfluss des Tau-Proteins und auch des Amyloid auf die Demenz ist, ist allerdings noch nicht geklärt.

Die slowakischen Forscher haben den Impfstoff namens AADvac1 innerhalb einer Phase-2-Studie an 200 Probandinnen und Probanden getestet. Bei diesen war zuvor eine milde Alzheimer-Demenz festgestellt worden. Nach der Impfung wurde über zwei Jahre in regelmässigen Abständen geprüft, ob die Versuchspersonen Nebenwirkungen entwickelten und wie viele Antikörper sie bildeten. Denn die Impfung mit AADvac1 bildet Antikörper, die spezifische Stellen des Tau-Proteins angreifen.

Die Studie mit dem Impfstoff zeigte allerdings nicht, ob sich der Verfall im Hirn verlangsamte, stoppte oder gar rückgängig gemacht wurde. Gezeigt werden konnte nur, dass der Impfstoff sicher ist und dass Antikörper gebildet wurden. Deren Wirkung ist aber noch nicht klar.

Ein anderes gebildetes Protein deutet auf eine Wirkung hin

Trotzdem sei das ein Erfolg und die nicht nachgewiesene Wirkung spräche nicht gegen die Impfung, sagen die slowakischen Forscher. Zum einen sei die Zahl der Probanden klein und damit möglich, dass diese nicht wegen des bekämpften Tau-Proteins Alzheimer entwickelten. Zudem haben sich durch die Impfung Neurofilament-Leichtketten-Proteine im Gehirn der Geimpften angesammelt. Dieses Protein gilt als Marker, der anzeigt, dass sich Abbauprozesse abspielen. Das könnte darauf hinweisen, dass auch der Verfall der Hirnleistung gebremst wurde.

Der Demenzspezialist Felbecker hält diesen Weg für sinnvoll

Für den Demenzspezialisten Ansgar Felbecker vom Kantonsspital St.Gallen könnte eine Impfung gegen Tau-Proteine Sinn machen. «Aber an diesem Punkt waren wir schon mit vielen anderen Substanzen», sagt der Präsident des Vereins Swiss Memory Clinics. Phase-2-Studien-Ergebnisse müssten in grossen Phase-3-Studien bestätigt werden und vor allem müsste das Präparat dort auch die klinische Wirkung zeigen – das sei das Wichtigste, sagt Felbecker. Und ergänzt:

«Tau anzugreifen, macht aber vermutlich Sinn, es gibt aber bereits Tau-Antikörper in Phase-3-Studien.»
Demenzspezialist Ansgar Felbecker von der Klinik für Neurologie am Kantonsspital St.Gallen.

Demenzspezialist Ansgar Felbecker von der Klinik für Neurologie am Kantonsspital St.Gallen.

Peter Ruggle

Es gibt auch Versuche mit Impfungen, die wie das Biogen-Medikament Aducanumab das Eiweiss Amyloid bekämpfen. Diese waren nach Felbecker allerdings bis jetzt nicht erfolgreich. Ein Zürcher Ansatz dazu habe vor zehn Jahren zu schweren Nebenwirkungen geführt. «Es gibt aber weiterhin Arbeitsgruppen, die an besseren «Amyloid-Impfungen» arbeiten», sagt Felbecker, der diese Impfung für eine durchaus spannende Idee hält.

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