SRF führt Interviews mit Experten per Videotelefonie – und spart fast eine halbe Million Franken

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Dreht an der Sparschraube: Nathalie Wappler, SRF-Direktorin. Keystone

Das Schweizer Fernsehen ergreift in seinen Sparanstrengungen ungewöhnliche Massnahmen: In den Sendungen führen die Journalisten Gespräche mit Experten in Videokonferenzen am Computer. Die Auskunftspersonen werden nicht mehr von einem Aufnahmeteam besucht und gefilmt. Man sieht als Fernsehzuschauer, wie ein Experte in seinem Büro oder dem Wohnzimmer sitzt und in einen Computer spricht.

Auf Anfrage erklärt Gregor Meier, stellvertretender Chefredaktor Video des Schweizer Radios und Fernsehens:

«Während der Corona-Pandemie haben sich Interviews per Videokonferenz bewährt. Sie sind zeitsparend, kostengünstig und werden vom Publikum akzeptiert.»

Die eingesparte Zeit könnten die Autorinnen und Korrespondenten beispielsweise für vertiefte Recherchen oder die Produktion von eigenen Geschichten verwenden. «Insgesamt können wir dank Videotelefonie schneller und mehr Inhalte auch für die Online-Kanäle realisieren», betont Gregor Meier.

Die Recherchen würden erschwert, sagen die Journalisten

Am SRF-Hauptsitz am Leutschenbach in Zürich sind allerdings viele Journalisten nicht begeistert von der neuen Anordnung. Man erfahre von den Experten oft Interessantes in den persönlichen Gesprächen vor oder nach den Kamera-Aufnahmen, sagen sie. Diese Kontakte fielen nun weg. Das erschwere die Recherchen – und es mache die Arbeit ein Stück weit steriler.

Kritik meldet auch die Mediengewerkschaft SSM an. Silke Treusch, zuständig für SRF, sagt:

«Wir sind nicht gegen die Digitalisierung der Arbeitsschritte. Aber das darf nicht auf Kosten der Kameraleute und der journalistischen Qualität gehen.»

Wie gross ist die Summe, die das Schweizer Fernsehen mit den Interviews am Computer einspart? Gregor Meier verweist darauf, dass das Schweizer Fernsehen bereits bekanntgegeben habe: Die Produktionsstandards würden in allen Sendungen überprüft und wenn möglich vereinfacht. Während der Pandemie habe sich das Publikum an Interviews per Videotelefonie gewöhnt. Aus diesem Grund werde dieses Stilmittel längerfristig eingeführt. Das genaue Einsparpotenzial werde noch berechnet. «In den ersten Schätzungen gehen wir von Einsparungen von rund 400'000 Franken aus», sagt Meier.

Neue Sparrunde wegen Corona

Werden nun nicht nur in den Nachrichtensendungen, sondern auch in Magazinen wie der «Rundschau» Experten in Videokonferenzen zu sehen sein? Gregor Meier verneint diese Frage. Die Videotelefonie komme zum Zug, wenn «wir einzelne, kürzere Einschätzungen von Expertinnen und Experten für unsere Newsbeiträge verwenden wollen.» In den anderen Fällen würden die Interviews nach der Pandemie wieder an den Schauplätzen oder im Fernsehstudio aufgezeichnet.

In den Sendern der SRG wurden schon vor 2020 Einsparungen geplant, die einen Stellenabbau zur Folge haben. Die Pandemie führte dann zu einem weiteren Rückgang an Werbe- und Sponsoring-Einnahmen. Das Schweizer Fernsehen muss darum zusätzlich 16 Millionen Franken einsparen.

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