FCA-Stürmer Shkelzen Gashi ist und bleibt ein Optimist

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Beim Trainingsauftakt des FC Aarau dreht Shkelzen Gashi seine Runden. (Bild: Freshfocus/Marc Schumacher)

Shkelzen Gashi ist wieder da. Mit Vorfreude, mit Spass, diese zwei Wörter baut er zuverlässig  in seine Sätze ein. Adrett gekleidet, in weissem Hemd und schwarzer Anzughose, ist er Teil der Runde, die zum Trainingsauftakt die Fragen der Journalisten beantwortet. Gashi wirkt erholt und gelöst, manchmal schelmisch und sehr oft zu Scherzen aufgelegt. Ein Eindruck, der sich bis ins Nachmittagstraining hält, wo das Hemd dem blauen Funktionsshirt weicht. Gashi flachst, die laute Stimme schallt über den Platz. Da hat einer Spass.

Spass, der in der Vorsaison  zuweilen zu kurz kam. Zu viel war geschehen neben dem Feld. Dinge, die Gashi beschäftigten und die Gedanken im Kopf kreisen liessen.

Der Mittelstürmer startet gut in die Saison, in den ersten acht Spielen schiesst er sechs Tore. Dann folgt im November 2020 der Schock. Bei einem Routineuntersuch wird bei Ga­shi eine Krankheit entdeckt, die ihn über Monate hinweg in die Rolle des Zuschauers drängt. Gashi braucht Ruhe, Spaziergänge sind das Maximum an Bewegung, das ihm der Arzt erlaubt. An Training ist nicht zu denken. Nach und nach kämpft sich Gashi zurück. Kaum wieder auf dem Rasen, zieht er sich eine hartnäckige Verletzung an der Wade zu. Von 36 Meisterschaftsspielen wird er am Ende nur in 13 auf dem Feld stehen.

Gashi erinnert sich an die «Glücksmomente»

Gashi hat mit dem Erlebten seinen Frieden geschlossen. «Wenn ich hätte aussuchen können, hätte ich die Erfahrungen natürlich nicht machen wollen», sagt er. Doch Gashi ist Optimist, der aus all den unruhigen Monaten des Bangens und des Zweifelns die «Glücksmomente» herausfischt, wie er das nennt. Den Augenblick etwa, als ihm Anfang April im Cup gegen Winterthur das 3:0 glückt und er ein euphorisiertes Aarau in den Halbfinal geleitet. Oder die vielen Spieltage – ob auswärts oder daheim – die er auf der Tribüne verbringt. Als ihm der Blick aufs gesamte Spielfeld beschert wird, und er die taktischen Feinheiten, die Bewegungen, die Pässe und die Sprints wahrnimmt und zu einem Gesamtkunstwerk vermengt. Die Beobachterrolle behagt ihm. «Ich habe es geliebt», sagt Gashi. «Als Spieler auf dem Feld schaust du normalerweise nur auf den Ball und deine eigene Leistung. Und auf einmal siehst du alles.»

Gashi, der Optimist. Auch die Wochen und Monate, in denen er viel Zeit abseits der Mannschaft verbringt, können dem Wesen Gashis nichts anhaben. Er sei immer der Gleiche geblieben, sagt er. Einer, der die Menschen um sich herum antreibt und besonders die Jungen voranbringen will. Einer, den die Mitspieler mögen – und der die Mitspieler ebenso mag.

Wenn Gashi fit ist, wird er die Captainbinde tragen

Vier Wochen Ferien hatten die Spieler des FC Aarau vor dem Trainingsauftakt. Zeit alleine, «um die Batterien aufzuladen», wie Gashi sagt. Irgendwann, gegen Ende der Auszeit, begann Gashi die Kollegen zu vermissen. «Wenn du praktisch ein Jahr lang zusammen bist, egal ob es regnet, schneit oder die Sonne scheint, dann schweisst das zusammen.» Der Teamgeist, sagt Gashi, habe ihm gefehlt.

In der kommenden Saison, die in wenigen Wochen beginnt,  wird Gashi die Captainbinde tragen, wie Trainer Stephan Keller an der gestrigen Medienkonferenz bekannt gab. Wenn er denn fit ist. Beim Trainingsauftakt lässt es Gashi jedenfalls erst einmal langsam angehen. Das Aufwärmprogramm macht er mit, die Bewegungen wirken geschmeidig und rund, danach verabschiedet er sich zum Physiotherapeuten.

«Ich werde bald 33», sagt Gashi. «Ich bin nicht mehr der 18-jährige Jungspund, der bei jedem Sprint vorne weg laufen muss. Ich kenne mich und meinen Körper. Und ich habe die richtigen Leute um mich, die mir helfen, meine Bestleistung abzurufen.» Bestleistungen ortet Gashi auch in der derzeit stattfindenden Europameisterschaft, an der ein Fussballconnaisseur wie er selbstredend nicht vorbeikommt. Er geniesse es, zu sehen, wie die Weltklassespieler mit dem grossen Druck umgingen, sagt Gashi. Den Trubel und die wilden Emotionen einer EM hat Gashi selbst einmal erlebt. Vor fünf Jahren, als er mit der Nationalmannschaft Albaniens unter anderem auf die Schweiz traf. «Daran erinnere ich mich immer wieder gerne zurück.»

Zum Schluss kommt Gashi auf Ziele zu sprechen. Wenn Vereine das tun, verpacken sie die Vorhaben stets in harte Zahlen. Erster werden, Zweiter, man kennt das. Bei Gashi klingt alles ein wenig weicher. «Spielen» wolle er, sagt Gashi. Spielen, so viel es eben nur geht. Und vor allem: «Gesund bleiben.»

Das Ziel ist der Aufstieg

Sieben Punkte Rückstand hatte der FC Aarau am Ende der vergangenen Saison auf Leader und Aufsteiger GC. Das reichte für Rang 5 – punktgleich mit dem Drittplatzierten Stade-Lausanne Ouchy. In der Klubstrategie ist festgehalten, dass man sich kontinuierlich verbessern wolle. Heisst: Nächste Saison soll es mindestens Rang 4 sein?

Nein! Obwohl es noch einige Zwischenschritte dazwischen gäbe, ruft Sportchef Sandro Burki beim Trainingsstart für die Saison 2021/22 das Maximalziel aus: «Wir wollen auf Rang 1 oder Rang 2.» Rang 1 würde den Direktaufstieg bedeuten, Rang 2 berechtigt zur Teilnahme in die Barrage – und in dieser will man via Umweg in die Super League zu klettern.

Der forschen Zielsetzung liess man in den vergangenen Tagen Taten auf dem Transfermarkt folgen: Nach der definitiven Übernahme von Leih-Stürmer Mickael Almeida (von Chiasso) stossen Innenverteidiger Jan Kronig (von YB) und Mittelfeldspieler Allen Njie (von GC) zum Team, beide haben bis 2024 unterschrieben. Weiterhin offen ist die Zukunft von Filip Stojilkovic, letzte Saison mit 16 Toren Topskorer: Aarau möchte ihn gerne ein weiteres Jahr vom FC Sion ausleihen, der Spieler will das Gleiche. Ob die Walliser Stojilkovic erneut freigeben, ist indes nicht absehbar.

Nach dem Trainingsstart fand am Montagabend die 18. Generalversammlung der FC Aarau AG statt, wegen Corona erneut schriftlich geführt. Die vom Verwaltungsrat beantragte Kapitalerhöhung in der Höhe von 400000 Franken wurde bei einer hohen Stimmbeteiligung (zwei Drittel aller stimmberechtigten Aktien) einstimmig angenommen. Nach neun Jahren wurde Karl Oldani aus dem Verwaltungsrat verabschiedet, die verbleibenden fünf Mitglieder Philipp Bonorand (Präsident), Peter Zubler, Rudolf Vogt, Kurt Sandmeier und Nico Barazetti sind für zwei weitere Jahre gewählt.

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