Der Maske überdrüssig: Wann verschwinden sie aus unserem Alltag?

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Die Ungeduld wächst: Wann können wir die Maske endgültigin den Abfall schmeissen? Eloi Omella/Getty

Sie sitzt häufiger nicht mehr so richtig. Unter der Nase vielleicht noch, im besten Fall. Manchmal ist sie aber auch gar nicht mehr zu sehen. Es lässt sich im öffentlichen Verkehr beobachten, am Kiosk oder im Büro: In der Schweiz bricht die Maskenmüdigkeit aus.

Auch die Behörden beobachten diese Entwicklung. Rudolf Hauri, der oberste Schweizer Kantonsarzt, sagte gestern bei der Corona-Pressekonferenz des Bundes, die Schutzmassnahmen würden weniger befolgt als auch schon. Gerade beim Abstandhalten, Maskentragen und Händeschütteln sei dies zu beobachten. Die Gründe sind vermutlich vielfältig. Die sinkenden Fallzahlen. Die rasch voranschreitende Impfkampagne. Das warme Wetter.

Im Freien fällt die Maske, in Innenbereichen nur mit Auflagen

Kann die Maske allmählich weg? Diese Frage wird häufiger gestellt - auch an die Corona-Experten des Bundes. Anne Lévy, Direktorin des Bundesamts für Gesundheit, wich gestern der Frage aus und verwies an den Bundesrat. Sie betonte jedoch, dass sich insbesondere Nichtgeimpfte an die erwähnten Massnahmen halten sollen. «Die Impfung bietet einen guten Schutz», sagte sie. Für Geimpfte brauche es also weniger Massnahmen.

Lévy gab jedoch zu verstehen, dass es sich beim Maskentragen um einen politischen Entscheid handelt. Über eine situative Aufhebung werde der Bundesrat mit dem fünften Öffnungsschritt entscheiden. Tatsächlich gehört zu den Lockerungen explizit auch die Maskenpflicht. Laut dem Plan, den die Regierung am 11. Juni in die Konsultation schickte, sollen die Masken namentlich im Freien, an Bushaltestellen und Bahnhöfen sowie in Aussenbereichen von Restaurants und – mit Auflagen – auch am Arbeitsplatz fallen.

Mehrere Forderungen zur Aufhebung der Maskenpflicht

Allerdings geht dieser Plan manchen zu wenig weit. Zum Beispiel den Schweizer Wirten. Sie fordern, dass weder Angestellte noch Gäste, die sich in Innenräumen bewegen, eine Maske tragen müssen. Der Bundesrat will daran aber festhalten. Casimir Platzer, der Präsident von GastroSuisse, hat kein Verständnis.

«Dank der Impfungen sind wir heute in einer besseren Ausgangslage als letzten Sommer. Dennoch sollen dieses Jahr schärfere Regeln gelten – das ist abwegig.»

Zur Erinnerung: Die Maskenpflicht in Innenräumen wurde letztes Jahr erst im Oktober eingeführt. Nur: Vor einem Jahr verzeichnete man auch weniger Infektionen.

Trotzdem drängt auch der Detailhandel darauf, die Maskenpflicht weiter zu lockern. Laut Urs Wellauer, Direktor des Bäcker-Confiseurmeister-Verbands, wird diese zunehmend zur Belastung für die Branche. Wellauer sagt, es gebe immer häufiger Kunden, die sich darüber ärgern. «Das ist eine Belastung für die Mitarbeitenden, die auf die Maskenpflicht pochen müssen», sagt er.

 

«Masken bei hohen Temperaturen eine Tortur»

Dazu komme, dass das Tragen einer Gesichtsbedeckung gerade bei hohen Temperaturen auch für die Mitarbeitenden eine Tortur sei. Die Bäcker fordern - wie auch der Verband der Detailhändler -, dass die Maske in den Läden fällt, sobald die Normalisierungsphase beginnt. Diese tritt laut Bundesrat dann ein, wenn alle erwachsenen Impfwilligen Zugang zu einer vollständigen Impfung erhalten haben.

Dem Detailhandel macht ein Konzeptpapier des Bundesrats von Mitte Mai Sorgen, laut dem gewisse Basismassnahmen an stark frequentierten Orten wie den Läden auch danach noch «eine gewisse Zeit aufrechterhalten bleiben». Diese Ausnahme kann Dagmar Jenni, Geschäftsführerin der Swiss Retail Federation, nicht nachvollziehen. «Sobald alle Impfwilligen an die Reihe gekommen sind, sollte die Maskenpflicht fallen», sagt sie. Der Detailhandel habe letztes Jahr ­– «notabene ohne Impfungen und Masken» – gezeigt, dass die Schutzkonzepte greifen. Laut einer extern in Auftrag gegebenen Auswertung sei die Inzidenz unter Detailhandels-Angestellten damals tiefer gewesen als in der Durchschnittsbevölkerung. Jenni rechnet damit, dass die Maskenpflicht bei hohen Impftempo bis Mitte, spätestens aber Ende Juli abgeschafft werden kann.

Auch die SVP pocht darauf, dass die Maske verschwinden muss, wenn die Impfwilligen geimpft sind. «Dann müssen alle Massnahmen fallen», sagt Fraktionschef Thomas Aeschi - und meint auch die Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr.

Der Bundesrat will stärker lockern als ursprünglich angekündigt

Geht der Bundesrat an seiner heutigen Sitzung auf diese Forderungen ein? Zumindest hat Gesundheitsminister Alain Berset letzte Woche während einer Debatte im Nationalrat angedeutet, dass die Lockerungen weitergehen werden als vor zwei Wochen vorgeschlagen, «weil es die Situation heute zulässt». Dass die Masken deshalb auch in Innenräumen wie ÖV oder Restaurants ganz fallen, ist aber unwahrscheinlich. Hingegen könnte sich der Bundesrat grosszügiger mit den Arbeitgebern und dem Gewerbe zeigen und die Homeoffice-Pflicht in eine Empfehlung umwandeln.

Auch für grosse Veranstaltungen könnte er die Maximalzahl der Besucher noch nach oben schrauben. In seinem Vorschlag ist für Anlässe ohne Zertifikat ein Maximum à 250 Personen vorgesehen, für Anlässe mit Zertifikat bis zu 3000 in Innen- und 5000 in Aussenräumen. Das Zertifikat gibt Zugang zu Veranstaltungen und ermöglicht, die Maske auch einmal abzulegen. Für doppelt Geimpfte, Genesene oder Getestete gibt es diese Möglichkeit auch in Restaurants, die sich für eine Zertifikat-Lösung entscheiden. Im ÖV und in Läden werden sie die Maske wohl weiterhin tragen müssen.

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