Lohnt sich das GA für Pendler noch, die auch Homeoffice machen? Der Abo-Vergleich

0371ed43-e5b4-40b7-baab-a0fd6bd3af39.jpeg
Die Passagierzahlen in Bahn und Bus steigen wieder. Bild: Keystone

Die ÖV-Passagiere kehren zurück. In der vergangenen Woche kletterte die Auslastung der SBB-Züge im Regionalverkehr auf 74 Prozent des Vorkrisenwertes. So hoch war sie zuletzt vor 35 Wochen. In den Fernverkehrszügen sind im Vergleich zur selben Zeit des Jahres 2019 wieder sechs von zehn Sitzen besetzt.

Doch die optimistischen Prognosen täuschen nicht darüber hinweg, dass der ÖV in den letzten 14 Monaten nie mehr über 80 Prozent der Vorkrisenwerte gekommen ist. Erstaunlicherweise hat sich das weniger stark auf die Abos durchgeschlagen. So ist die Zahl der im Umlauf befindlichen Generalabos (GA) zwar seit Ende 2019 um etwa 20 Prozent gesunken, wie SBB-Chef Vincent Ducrot kürzlich der «Sonntagszeitung» sagte. Anderswo sind die Rückgänge allerdings geringer.

Rückgänge bei Einzeltickets sind höher

Der Tarifverbund Nordwestschweiz (TNW), der die Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft und Teile der Kantone Aargau, Solothurn und Jura abdeckt, registrierte im Jahr 2020 einen Rückgang der Einnahmen der Monats- und Jahresabos von 12,2 Prozent. Die Zahl der Einsteiger hingegen nahm um 30,9 Prozent ab, die Einnahmen aus dem Verkauf von Einzeltickets sogar um fast 40 Prozent.

Im Ostschweizer Tarifverbund Ostwind wurden letztes Jahr knapp 19 Prozent weniger Abos verkauft, während der Rückgang bei Einzelbilletten 27 Prozent betrug, bei 9-Uhr-Tageskarten gar 44 Prozent. Bei den Jahresabos registrierte Ostwind ein Minus von knapp 23 Prozent, bei den Monatsabos eines von 21 Prozent. Beim Berner Tarifverbund Libero waren im Mai 2019 rund 100 000 Abos im Umlauf. Zwei Jahre später sind es 90 000 – ein Minus von 10 Prozent. Eine Sprecherin betont, ein 1:1-Vergleich sei nicht möglich, weil das Gebiet vergrössert worden sei. Zudem sei bereits seit einigen Jahren und unabhängig von der Coronasituation ein Rückgang bei den Abos feststellbar: «Die Pandemie hat das höchstens noch verstärkt.»

Sinkt die Zahl der Abos weiter?

Allerdings könnte die Zahl der Abos weiter gesunken sein. Jahresabos wiederum werden häufig über den Jahreswechsel gekauft. Die negative Entwicklung zeigt sich noch nicht vollständig in den Jahreszahlen 2020. Während die Zahl der Abos abnimmt, erfreuen sich automatische Ticketing-Funktionen, wie sie etwa in der SBB- oder der ZVV-App integriert sind, einer steigenden Beliebtheit. Bei diesen Apps können Passagiere sich mit einem Klick einloggen, sobald sie ein Verkehrsmittel besteigen, und am Ende der Reise wieder auschecken. Es kann beliebig oft umgestiegen werden und die App verrechnet am Ende des Tages automatisch das günstigste Angebot.

Ist Check-in die bessere Lösung?

Diese Funktion, die in der SBB-App «Easyride» genannt wird, wird häufiger benutzt. Die SBB verzeichnete im Jahr 2020 monatliche Wachstumsraten von rund 15 Prozent. Noch werde sie vor allem im Nahverkehr genutzt: Bei rund 80 Prozent der Fahrten sind Kunden maximal 30 Minuten eingecheckt. Doch könnte die Check-in-Funktion künftig das GA ersetzen? Oder fahren Pendler weiterhin mit dem GA am günstigsten?

Eine Antwort liefert eine Analyse. Im ersten Beispiel werden die Kosten für Pendler analysiert, die dreimal wöchentlich während 48 Wochen im Jahr mit dem ÖV von Aarau nach Bern pendeln. Das Streckenabo kristallisiert sich als günstigste Alternative heraus. Das liegt auch daran, dass die Check-in-Funktion, wie sie etwa in der SBB-App integriert ist, nur auf Tagesbasis abrechnet. Sie löst also kein günstigeres Abo, wenn ein Pendler dieselbe Strecke immer wieder fährt – und sie integriert auch die günstigen Sparbillette der SBB nicht.

Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Pendeln auf der Strecke Zürich-Bern. Insgesamt bestätigt sich, was SBB-Chef Vincent Ducrot kürzlich sagte: Wer weiterhin einigermassen regelmässig pendelt und gelegentlich in der Freizeit mit dem ÖV unterwegs ist, kommt am GA nicht vorbei.

Wer hingegen nur noch zweimal wöchentlich ins Büro muss und eine kürzere Strecke pendelt, tut gut daran, genauer hinzuschauen. Das zeigt das Beispiel eines Büro-Arbeiters, der zweimal wöchentlich von Liestal nach Basel pendelt.

Solange die Check-in-Apps keine Preisberechnungen auf Wochen- oder Monatsbasis vornehmen, dürfte ein Streckenabo oder GA in den meisten Fällen die günstigere Variante bleiben. Doch je kürzer die Pendelstrecke und je höher der Homeoffice-Anteil, desto eher lohnt es sich, genau zu rechnen – und allenfalls dem Abo abzuschwören.

Ihr Eintrag wird nach einer Überprüfung online gestellt.
Keine Kommentare vorhanden
Heute auf zofingertagblatt.ch
Frage des Tages
Marktplatz
regiostellen.ch
Blum Innenausbau AG
Schreiner-Monteur, Mitarbeiter, Dagmersellen
G.+W. Wolf AG
Polymechaniker, Mitarbeiter, Langendorf
Hotel Restaurant-Adelboden
Service-Aushilfe, Mitarbeiter,
Hotel Restaurant-Adelboden
Service-Aushilfe, Mitarbeiter,
Hotel Restaurant-Adelboden
Service-Aushilfe, Mitarbeiter,
Home Instead
Teilzeitselle im Stundenlohn, Mitarbeiter,
regioimmo.ch
Abo-Service

Normal-Abo (e-Paper/Digital inkl.)

Schnupper-Abo / Probe-Abo

Digital-Abo

Leserangebote
Partner