Sind Profis und Fans gut genug geschützt? – MIT AUDIO

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Pascal Kamber vs. Michael Wyss

Pascal Kamber: So hat man sich die Rückkehr der Fans im Sport nicht vorgestellt: Auf der ersten Etappe der Tour de France hält eine Zuschauerin ein Karton-Schild mit Grüssen an Opi und Omi in die Kamera. Weil sie zu nahe am Strassenrand steht, kracht der Deutsche Tony Martin mit hohem Tempo in dieses Schild und löst einen Massensturz aus. «Manche Zuschauer haben einfach keinen Respekt und schalten den Kopf nicht mehr ein», beklagt sich Martin später. Auch bei mir löst die Aktion Kopfschütteln aus. Ich frage mich: Sind die Sportlerinnen und Sportler an Wettkämpfen gut genug geschützt? Muss im Fall der Tour de France der Organisator mehr für die Sicherheit seiner Athleten tun und beispielsweise die gesamte Strecke mit einem Gitter absperren? Auch wenn das schwierig umsetzbar ist, wäre es den Radprofis zu wünschen, dass sich die Tour-Verantwortlichen diesbezüglich zumindest ihre Gedanken machen.

Michael Wyss: Es ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits muss die Sicherheit der Fahrer an erster Stelle stehen und diesbezüglich läuft es mir vor allem bei Bergetappen der grossen Radrundfahrten manchmal kalt den Rücken runter. Andererseits ist auch einmal eine Grenze erreicht, was organisatorisch noch machbar und finanzierbar ist. Bei der Durchfahrt anlässlich der dritten Etappe der Tour de Suisse in Zofingen ist mir noch einmal eindrücklich ins Bewusstsein gerufen worden, welcher unglaubliche Aufwand hinter der Streckensicherung eines Rennens auf einer öffentlichen Strasse steht. Ausserdem lebt jede Sportveranstaltung auch von der Begeisterung der Fans. Sie auszuschliessen oder extrem einzuschränken, macht daher keinen Sinn. Es ist schon eher eine Frage der Selbstverantwortung oder der Höhe der Strafe bei Zuwiderhandlung.

pka: Mir geht es nicht darum, ob und wie stark man die Fans bevormunden soll. Die Veranstalter von Sportevents sollten sich bewusst sein, dass auch sie eine gewisse Verantwortung tragen. Dann würden sie vielleicht zum Schluss kommen, dass ein Fussballturnier, das auf dem ganzen Kontinent ausgetragen wird, in Zeiten einer Pandemie eben doch keine so tolle Idee ist. Anstatt in den sauren Apfel zu beissen und die EM-Endrunde erneut zu verschieben, reisen die Fans quer durch Europa und bringen den Virus nach Hause. So geschehen in Finnland, wo 120 neue Corona-Fälle mit einem EM-Spiel im russischenSt. Petersburg in Verbindung gebracht wurden. Von einer Einsicht scheinen die Bosse des europäischen Fussballverbands weit entfernt: Das Finale in London findet vor 60 000 statt der ursprünglich geplanten 21 000 Zuschauer statt. Die Verdreifachung dürfte auf den Druck der Uefa zurückgehen, die laut Medienberichten damit gedroht hatte, das Finale an Budapest zu vergeben, sollte London die Zahl der Fans im Stadion nicht erhöhen.

mwy: Das ist nur eine Seite der Medaille. Der Uefa die alleinige Schuld in die Schuhe zu schieben, greift zu kurz. Würden die lokalen Veranstalter nicht auch enorm davon profitieren, würden sie sich das sicher nicht gefallen lassen. Es ist die dreckige Seite des heutigen Profisports, die auch vor Gefahren nicht haltmacht. Andererseits sollte nach eineinhalb Jahren Corona auch der Hinterste und Letzte wissen, dass grosse Menschenansammlungen immer noch die Gefahr einer Ansteckung darstellen. Aber das scheint mit jedem Tag weniger Leute zu interessieren. Gezwungen wird ja niemand, in ein volles Stadion zu pilgern. Ich würde es freiwillig nicht tun, aber ich lebe auch nicht nach dem Motto: Keine Feier ohne Meier.

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