Adieu les Bleus! Frankreich hat vom «kleinen Schwarzenegger» eine Lektion erhalten – Mbappé ist ein guter Verlierer

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So sieht Ernüchterung aus: französische Fans nach der Niederlage ihrer Nationalmannschaft gegen die Schweiz. EPA

Noch im Untergang zeigte Kylian Mbappé Grösse. Nicht weil er gut gespielt hätte: Französische Fans rechneten am Dienstag vor, dass der Stürmerstar der «Bleus» von sechs Schüssen deren sechs am Tor vorbei gezielt hatte, von acht Duellen verlor er sechs, von fünf Strafraumpässen vermasselte er fünf. Aber immerhin fand der 22-jährige Wunderknabe nach seinem verschossenen Penalty die richtigen Worte.

«Es tut mir leid für diesen Strafstoss. Ich wollte dem Team helfen, aber ich bin gescheitert. Ich werde Mühe haben, Schlaf zu finden.»

Und dann zog er den Hut vor dem siegreichen Gegner: «Gratulation», twitterte er zum Schluss seines Kommentars. «Bonne chance à la Suisse.»

Die Franzosen zeigen sich generell als gute Verlierer. «Bravo, Schweizer, ihr habt uns eine sportliche Lektion erteilt: Durchsetzungskraft, Mut, Selbstlosigkeit und Solidarität», schrieb ein Franzose stellvertretend für viele. Ein Pariser Lokalblatt sieht bereits voraus: «Jenseits der Alpen wird man den Enkelkindern noch in fünfzig Jahren von diesem Spiel erzählen.»

Shaqiri hats ihnen besonders angetan

Gute Verlierer gab es auch im Pariser Bistro Leffe, wo sich die Quartierjugend vor der Grossleinwand versammelt hatte. Als Schweizer durfte man hautnah verfolgen, wie die Fans in 90 Minuten in etwa die gleiche Entwicklung durchmachten wie die «Bleus» auf dem Feld: Eher unkonzentriert gestartet, rechnete niemand mit einer Niederlage gegen die «petits Suisses». Mit den beiden Toren Karim Benzemas wachte auch das Bistro-Publikum auf.

Adrien Rabiot und die anderen Kollegen bekundeten Mühe mit den wirbligen Schweizern.

Adrien Rabiot und die anderen Kollegen bekundeten Mühe mit den wirbligen Schweizern.

AP

Umso grösser war die Niedergeschlagenheit, als der zweimalige Weltmeister in der Verlängerung schlapp machte. Im Bistro ahnte man bereits, was es geschlagen hatte, als der Elfmeter-Reigen begann: Viele wagten nicht mehr auf die Leinwand zu schauen. Dann, als Sommer Mbappés Schuss parierte, brach im Café Leffe Totenstille aus, unterbrochen nur vom Freudenruf des einzigen Schweizers im Saal. Selbst der Bekannte, der so gerne über die «kleinen Schweizer» lächelt, meinte anerkennend: «Il faut se méfier des petits Suisses» – aufgepasst vor den kleinen Schweizern! Am Morgen danach las man im Pariser Sportblatt «So Foot», Xherdan Shaqiri habe eine Durchsetzungskraft «wie ein kleiner Arnold Schwarzenegger».

Deschamps Verwirrspiel

Dem kollektiven Lob für die Rot-Weissen steht die Kritik an den Blauen gegenüber. Den französischen Spielerstars sei der zweite Weltmeisterstern von 2018 offenbar zu Kopf gestiegen, meinen viele Frankreich-Fans unter Verwendung des trefflichen Ausdrucks «avoir le melon» – einen Kopf so dick wie eine Melone zur Schau tragen. Sie seien angetreten, als wären sie schon für die nächste Runde qualifiziert. Dabei habe ihnen Trainer Didier Deschamps klargemacht, dass ab dem Achtelsfinale jede Partie wie das Endfinale sei.

Auch der doppelte Weltmeister Deschamps – 1998 als Spieler, 2018 als Trainer – erntete aber eine doppelte Tracht Kritik. In vier EM-Spielen habe «papa la bricole» (etwa: der Bastleronkel) vier taktische Muster versucht, hält ihm die Zeitung «Le Monde» vor. Das Schema 3-4-3 gegen die Schweiz sei der erste krasse Fehler seiner Trainerkarriere: Es habe die eigenen Spieler verwirrt und den Schweizern das Tor zu schnellen Angriffen geöffnet.

Deschamps versuchte nach dem verlorenen Spiel zu verallgemeinern: «Wenn wir jetzt ausscheiden, dann haben wir halt nicht verdient, weiterzukommen.» Die französischen Sportjournalisten gaben sich damit aber nicht zufrieden und stellten auch die Frage nach dem Rücktritt von «DD». «Weitermachen oder nicht», antwortete er, «das ist momentan nicht die Frage.» Momentan vielleicht nicht.

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