Bye-bye «Uncle Ben's»: Jetzt verschwindet der rassistische Reis-Name auch bei Migros, Coop und Co. aus dem Regal

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Noch wirbt Mars Schweiz auf ihrer Homepage mit dem alten Namen «Uncle Ben's» und dem alten Logo. Das wird sich bald ändern. Screenshot www.unclebens.ch

Die «Black Lives Matter»-Bewegung im vergangenen Jahr hat viele Konzerne zum Umdenken gebracht. Mit der Tötung George Floyds durch einen Polizisten hat die Debatte über den strukturellen Rassismus an Schlagkraft gewonnen - mit Folgen bis hin zu Alltagsprodukten im Küchenregal.

Unter Druck geriet auch der Nahrungsmittelriese Mars mit seiner berühmten Reis-Marke «Uncle Ben's». Im Herbst gab der Konzern bekannt, auf die zunehmende Kritik zu reagieren und die Marke neu zu taufen auf «Ben's Original». Das Logo hatte zuvor das Bild eines älteren, schwarzen Mannes gezeigt, der nach einem texanischen Reisbauern benannt ist. Zudem trug er einen weissen Kragen, so wie einst schwarze Bedienstete in den USA. Und der Name «Uncle» gilt als belastet, da früher in den Südstaaten Schwarze nicht mit Mr. oder Mrs. sondern mit Uncle (Onkel) oder Aunt (Tante) angesprochen wurden. Entsprechend hat auch Pepsico angekündigt, die Pfannkuchen-Marke «Aunt Jemima» anzupassen.

Produkte sollen neue Identität erhalten

«Neues Aussehen, gleicher grossartiger Reis»: In den USA wurde der Markenwandel bereits vollzogen.

«Neues Aussehen, gleicher grossartiger Reis»: In den USA wurde der Markenwandel bereits vollzogen.

Screenshot www.bensoriginal.com

In den USA und anderen Ländern wurde der Wandel zum Teil bereits vollzogen. Nun ist die Schweiz an der Reihe, wie Mars Schweiz mitteilt: «Ab August 2021 werden die ‹Ben's Original›-Produkte von Mars im neuen Design in den Schweizer Läden erhältlich sein.» Das Ziel sei es, den Produkten «eine neue Identität zu geben», nachdem man Ungerechtigkeiten im Zusammenhang mit dem Namen und dem Gesicht der Marke erkannt habe. «Mit der Umbenennung von ‹Uncle Ben's› zu ‹Ben's Original› erhalten die Produkte einen inkludierenden und gerechteren Namen.»

Auch der Westschweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé hat auf die Rassismus-Debatte in den vergangenen Monaten reagiert. In Australien hat er den Namen des Snackprodukts «Red Skins» in «Red Ripper» umbenannt. Und die «Chicos»-Snacks heissen neu «Cheekies». Die Kritik an den beiden Namen war nicht neu, wie «CNN» schreibt. Aber erst durch «Black Lives Matter» fühlte sich der Nahrungsmittelkonzern gezwungen, die Kritik ernst zu nehmen.

Nestlé hält am Winnetou-Glacé fest

«Redskin» gilt als rassistischer Begriff für amerikanische Ureinwohner. «Chico» wird auf Spanisch verwendet für «Buben», «Kinder» oder «klein». Bei der Süssigkeit handelt es sich um braune Gummi-Figuren mit Schokoladengeschmack. Zudem will Nestlé seine «Beso de Negra»-Marshmallows neu taufen. Der Name lautet übersetzt «Kuss einer schwarzen Frau».

Aus Sicht des Nestlé-Joint-Ventures Froneri nicht problematisch: Die Aufmachung und der Name des «Winnetou»-Glacés.

Aus Sicht des Nestlé-Joint-Ventures Froneri nicht problematisch: Die Aufmachung und der Name des «Winnetou»-Glacés.

Zvg / zvg

Die in der Schweiz bekannte Winnetou-Glacé hingegen, das Nestlé mit dem Joint-Venture Froneri produziert, behält trotz Rassismus-Kritik seinen Namen. Dies, obwohl die Firma eine Änderung geprüft hat. «Nach internen Abklärungen belassen wir bis auf weiteres den Namen und die Verpackung», sagte eine Froneri-Sprecherin im Herbst gegenüber diese Zeitung. Eine Erklärung, weshalb man zu diesem Schluss gekommen ist, nannte sie nicht.

Professorin fordert Namensänderung

Susan Arndt, Professorin für Anglistik und Kulturwissenschaften an der Universität Bayreuth, hatte den Namen und das Design gegenüber CH Media zuvor scharf kritisiert und eine Anpassung gefordert. «Ich bin selber mit den Winnetou-Filmen aufgewachsen und habe sie geliebt, aber bei Mays Erzählungen handelt es sich um eine Romantisierung einer in Tat und Wahrheit gewaltsamen rassistischen Geschichte.»

Susan Arndt, Professorin für Anglistik und Kulturwissenschaften an der Universität Bayreuth kritisiert das Winnetou-Glacé.

Susan Arndt, Professorin für Anglistik und Kulturwissenschaften an der Universität Bayreuth kritisiert das Winnetou-Glacé.

Zvg / zvg

Winnetou werde als friedlicher Freiheitskämpfer dargestellt, der sich mit Old Shatterhand verbrüdert, sodass die weisse Leserschaft ihre Komfortzone nicht verlassen müsse, sagte Arndt. «Dass mit der Kolonialisierung von Nordamerika ein Genozid einherging, bei dem 80 bis 90 Prozent der ursprünglichen Bevölkerung ermordet wurden, wird komplett ausgeblendet.»

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