Reider Badi-Verantwortliche hatten andere Vorstellungen als der Architekt

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Momentan ist die Badi Reiden wegen der Unwetterschäden geschlossen. Das Restaurant soll am 5. Juli wieder aufgehen. Bild: pd

Zuerst die gute Nachricht: Das Restaurant der Badi öffnet voraussichtlich am 5. Juli wieder. Beim Frei- und Hallenbad laufen aufgrund der Unwetterschäden noch Abklärungen. Das andere Thema betrifft die Vergangenheitsbewältigung: Die vom Gemeinderat Reiden Ende 2020 eingesetzte Task Force hat ihren Schlussbericht abgeliefert. Sie untersuchte die Ursachen, warum die Kosten für die Sanierung der Badeanstalt aus dem Ruder gelaufen sind. Der Bericht wurde gestern Abend an einer Orientierungsversammlung der Reider Bevölkerung vorgestellt.

Eine kurze Rekapitulation: Im März 2019 stimmte die Bevölkerung von Reiden einer Kreditvorlage von 16,05 Mio. Franken zu. Darin enthalten waren 7,3 Millionen Franken für die Sanierung der Badeanstalt (Hallen- und Freibad) und ein kumulierter Betriebsbeitrag für die nächsten 20 Jahre. 2020 begann die Sanierung. Ende des letzten Jahres wurde dem Gemeinderat vom damaligen Verwaltungsrat der Badi Reiden AG angezeigt, dass es bei der Sanierung zu einer Kostenüberschreitung von mehr als 2,5 Millionen Franken kommt. Der Gemeinderat stoppte die Bauarbeiten vorsorglich.

Er wollte zudem die Ursachen und Verantwortlichkeiten klären und setzte eine Task Force ein. Ihr gehörten CVP-Gemeinderätin Vera Schwizer (Vorsitz) sowie Markus Obrist, Kilian Spörri, Hans Stoller und Miriam Aregger (Protokollführerin) an. Neben dem Studium von Protokollen, Akten, Planunterlagen, Aufträgen und weiterer Korrespondenz führte die Task Force auch mit vielen Beteiligten direkte Gespräche, heisst es in der Medienmitteilung des Gemeinderats.

Reider Gemeindepräsident: «Es sind Fehler passiert»

«Es ist uns wichtig, dass wir die Reider Bevölkerung mit maximaler Transparenz darüber informieren», sagte Gemeindepräsident Hans Kunz gestern Abend. Auch wenn die Gemeinde Reiden bis heute keinen Franken mehr ins Badi-Projekt habe investieren müssen, als in der Abstimmungsbotschaft zugesagt: «Es sind Fehler passiert, aus denen wir lernen wollen. Und lernen müssen.»

Ein wichtiges Fazit der Task Force im Schlussbericht: Der Verwaltungsrat der Badi Reiden AG und der Steuerungsausschuss, in dem die Gemeinde als Alleinaktionärin durch Gemeinderat Bruno Geiser vertreten war, hatten andere Vorstellungen vom Projekt als der auf Badeanstalten spezialisierte Architekt Urs Köpfli. Dieser hatte das Sanierungsprojekt verfasst, das die Grundlage für die Abstimmung bildete (Ausgabe vom 9. Mai). Der Verwaltungsrat und der Steuerungsausschuss gingen laut der Task Force «von anderen Vorstellungen über den Projektumfang und die Projektdefinition aus» als der das Projekt entwickelnde Architekt.

Die Task Force schreibt dazu etwas sperrig: «Die Differenzen zwischen der in den Köpfen vorhandenen Projektdefinition des Steuerungsausschusses und der Projektdefinition gemäss den Vorstellungen auf der Grundlage des Vorprojektes des Architekten wurden nicht entdeckt.»

Folgende weitere Gründe haben laut dem Schlussbericht der Task Force zur Kostenüberschreitung geführt:

- Der Verwaltungsrat und der Steuerungsausschuss wollten zusätzlich die Attraktivität des Hallen- und Freibades mit gestalterischen Mitteln steigern.

- Vor Baubeginn erfolgten keine detaillierten Abklärungen über den Zustand des Gebäudes.

- Es wurde keine von allen akzeptierte Projektdefinition erarbeitet.

- Der Verwaltungsrat wollte mit einem Baubeginn im Sommer 2020 die Fertigstellung der Sanierung Ende Oktober (coronabedingt dann effektiv Ende Dezember 2020) sicherstellen. «Damit setzte der Verwaltungsrat eine Priorität auf das schnelle Bauen und nahm in Kauf, dass mit dieser Zielsetzung die Baukosten untergeordnete Bedeutung erhielten.»

- Während der Ausführung trennte man sich vom ursprünglich mit dem Projekt vertrauten Architekten. Die Architekturleistungen wurden zusätzlich durch den Bauherrenvertreter übernommen. Mit diesem Wechsel war ein erheblicher Wissensverlust verbunden.

- Entgegen der ursprünglichen Idee, einer minimalen Renovation des Freibades (im Projektbeschrieb im Antrag an die Gemeindeversammlung ist von «sanfter Renovation» die Rede), stellt der Verwaltungsrat jetzt den Antrag, im Freibad umfangreiche Arbeiten auszuführen, was mit erheblichen Mehrkosten verbunden ist.

Und welches Fazit wird aus all dem gezogen? «Vieles ist aus heutiger Sicht erklärbar und die Summe mehrerer Fehleinschätzungen», sagt Gemeinderat Willi Zürcher (FDP). Der Vorsteher des Bereichs Bau und Infrastruktur hat das Dossier «Badi» inzwischen von seinem Vorgänger, Gemeinderat Bruno Geiser (SVP), übernommen. Das sollte dazu beitragen, dass die Untersuchungen vorbehaltlos durchgeführt werden konnten.

Mehrkosten kratzen an Glaubwürdigkeit des Gemeinderats

Die Mehrkosten, welche die Badi Reiden AG als Bauherrin zusätzlich fürs bestehende Projekt stemmen müsste, betragen laut der Mitteilung des Gemeinderats 2,24 Millionen Franken. «1,24 Mio. Franken wurden durch die Badi bereits ausgegeben. Die Gemeinde Reiden ihrerseits hat bisher keine Mehrausgaben zu tragen», heisst es weiter. Die bisherigen Mehrkosten belasteten jedoch die Rentabilität der Badi – und die Glaubwürdigkeit des Gemeinderates.

Der Gemeinderat betont, entschlossen reagiert zu haben, als die ersten Fakten auf dem Tisch lagen. Will heissen: Er liess Bauarbeiten stoppen und bewilligte nur noch jene Arbeiten, die für eine Wiedereröffnung des Freibades auf die Sommersaison 2021 hin nötig waren. Die Task Force wurde eingesetzt. Zudem entzog die Gemeinderegierung dem Verwaltungsrat der Badi Reiden AG im Hinblick auf die Generalversammlung das Vertrauen. «Das hätten wir aus heutiger Sicht gemäss Task-Force-Bericht schon früher tun sollen», übt Willi Zürcher heute Selbstkritik. Der Verwaltungsrat trat am 6. Mai zurück. Der Gemeinderat habe den Fachleuten und Gremien zu sehr vertraut, statt schon beim Ausscheiden des projektleitenden Architekten hellhörig zu werden.

Es zeige aber auch die Schwierigkeit auf: Die Gemeinde habe als Alleinaktionärin den Verwaltungsrat mit der Aufgabe betraut, das Sanierungsprojekt umzusetzen. «Mangels Einsitz in diesem strategischen Gremium fehlten dem Gemeinderat aber wichtige Informationen – und es fehlten Instrumente und Möglichkeiten zur direkten Korrektur», so der Gemeinderat. Daraus will Reiden nun Lehren ziehen und hat eine Vertretung im neuen Verwaltungsrat.

Viel Fachwissen in der neuen Badi-Leitung

Reiden Am 14. Juni hat der Gemeinderat einen neuen Verwaltungsrat für die Badi Reiden AG bestimmt. Er hat darauf geachtet, dass die erkannten Mängel (fehlendes Know-how und mangelnder Einsitz der Gemeinde) behoben werden und das das Gremium über viel fachspezifisches Wissen im Betrieb von Schwimmbädern, Finanzen und Marketing mitbringt.

Der neue VR besteht aus drei Auswärtigen und einem Mitglied des Gemeinderats; er wurde von drei auf vier Mitglieder aufgestockt. Verwaltungsratspräsident ist der Unternehmer Krystian Lasek (Aarau). Er bringe Fachkompetenz im Bereich Finanzen mit. Stephan Michel (Rothenburg LU) bringe Marketingkompetenz ins Gremium und Patrick Strebel (Hünenberg ZG) vertrete die Fachkompetenz im Bereich des Bäderbetriebes. Mit der Finanzvorsteherin Vera Schwizer (CVP) nimmt wieder ein Mitglied des Gemeinderates Einsitz im Gremium. Als Letzter hatte Gemeindepräsident Hans Kunz vor der Badi-Abstimmung Einsitz gehabt.

Der neue Verwaltungsrat hat den Auftrag, die Badi Reiden «in die Zukunft zu führen». Ob und wann die angefangene Sanierung der Aussenanlagen wieder aufgenommen wird, liege in der Kompetenz des neuen Leitungsgremiums. «Feststeht für den Gemeinderat, dass er unter den aktuellen Voraussetzungen darauf verzichtet, unter erneutem Zeitdruck beim Stimmvolk einen Zusatzkredit zu holen und diese Arbeiten abzuschliessen.»

Geplante Massnahmen zur Attraktivitätssteigerung hätte die Badi Reiden AG allenfalls auch selber zu finanzieren. (pd/ben)

Ab Freitag werden der Schlussbericht der Task Force und weitere Unterlagen auf der Homepage der Gemeinde www.reiden.ch aufgeschaltet.

Viel Fachwissen in Badi-Leitung

Reiden Am 14. Juni hat der Gemeinderat einen neuen Verwaltungsrat für die Badi Reiden AG bestimmt. Er hat darauf geachtet, dass die erkannten Mängel (fehlendes Know-how und mangelnder Einsitz der Gemeinde) behoben werden und das das Gremium über viel fachspezifisches Wissen im Betrieb von Schwimmbädern, Finanzen und Marketing mitbringt.

Der neue VR besteht aus drei Auswärtigen und einem Mitglied des Gemeinderats; er wurde von drei auf vier Mitglieder aufgestockt. Verwaltungsratspräsident ist der Unternehmer Krystian Lasek (Aarau). Er bringe Fachkompetenz im Bereich Finanzen mit. Stephan Michel (Rothenburg LU) bringe Marketingkompetenz ins Gremium und Patrick Strebel (Hünenberg ZG) vertrete die Fachkompetenz im Bereich des Bäderbetriebes. Mit der Finanzvorsteherin Vera Schwizer (CVP) nimmt wieder ein Mitglied des Gemeinderates Einsitz im Gremium. Als Letzter hatte Gemeindepräsident Hans Kunz vor der Badi-Abstimmung Einsitz gehabt.

Der neue Verwaltungsrat hat den Auftrag, die Badi Reiden «in die Zukunft zu führen». Ob und wann die angefangene Sanierung der Aussenanlagen wieder aufgenommen wird, liege in der Kompetenz des neuen Leitungsgremiums. «Feststeht für den Gemeinderat, dass er unter den aktuellen Voraussetzungen darauf verzichtet, unter erneutem Zeitdruck beim Stimmvolk einen Zusatzkredit zu holen und diese Arbeiten abzuschliessen.»

Geplante Massnahmen zur Attraktivitätssteigerung hätte die Badi Reiden AG allenfalls auch selber zu finanzieren. (pd/ben)

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